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René Obermann bringt der Telekom Manieren bei

18.11.2006 ·  Normalerweise läuft das bei Personalwechseln in krisengeschüttelten Konzernen so: Der neue Vorstandsvorsitzende beschwört den Ernst der Lage und kündigt harte Schnitte an. Die Börse jubiliert, und alle sind erst mal zufrieden.

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Normalerweise läuft das bei Personalwechseln in krisengeschüttelten Konzernen so: Der neue Vorstandsvorsitzende beschwört den Ernst der Lage und kündigt harte Schnitte an. Die Börse jubiliert, und alle sind erst mal zufrieden. Diese Stilmittel stehen dem Neuen bei der Deutschen Telekom nicht zur Verfügung: René Obermann kann keine schnelle Restrukturierungsstory bieten, das verhindert die ganz spezielle Konstruktion beim ehemaligen Staatsmonopolisten.

Mehr Stellen als eh schon geplant kann er nicht streichen. Denn ohne Gewerkschaft läuft dort gar nichts, und die Bundesregierung als Großaktionär verfolgt ganz eigene, hin und wieder auch gegensätzliche Interessen: Da verlangt der eine Regierungspolitiker einen sozialen Kurs, der andere sorgt sich um den Kurs der T-Aktie. So bleibt bis heute umstritten, wer engagierter die Absetzung Kai-Uwe Rickes betrieben hat. Obermann jedenfalls nicht, das beteuern alle Beteiligten. Die Finanzinvestoren Blackstone waren es, so wird im Konzern kolportiert, im Streben nach Ausschüttung einer Sonderdividende, oder aber das Finanzministerium selbst.

Einmal auf der Spur riß Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, im Hauptberuf Post-Chef, das Heft dann jedenfalls an sich. Die Würfel waren gefallen, als er René Obermann Samstag vor einer Woche zu sich in den Post-Tower bestellt hat. Dort haben sie dann in einer mehrstündigen Sitzung eine Art Regierungsprogramm besprochen. Oberstes Ziel: Stabilisierung der Umsätze im Inland. Da die Flucht der Festnetz-Kunden nicht zu stoppen ist, will Obermann sie zumindest verlangsamen. Dazu sei es bitter nötig, das miese Image des Konzerns beim Kunden zu verbessern, trichtert er seiner Mannschaft ein. Die Aufteilung in Festnetz- und Mobilfunksparte werde dem zum Opfer fallen, heißt es in Unternehmenskreisen: "Die Kunden wollen einen Ansprechpartner." Zudem plant Obermann eine Service-Offensive. Mit der Technik an Handy, PC oder Telefon weniger vertraute Kunden seien bereit, Geld für Dienstleistungen auszugeben, so das Kalkül, wenn der Telekom-Betreuer zu ihnen ins Haus kommt - vorausgesetzt, er ist pünktlich und freundlich.

Mit konkreten Vorschlägen Obermanns rechnet der Aufsichtsrat für seine Sitzung am 5. Dezember. Dann soll sich auch die künftige Besetzung des Vorstands klären. Heftiger Streit entzündet sich um die Besetzung des Personalressorts: Regine Büttner soll die Nachfolge von Heinz Klinkhammer antreten. Nicht, weil Obermann sich das so wünscht, sondern weil Aufsichtsratschef Zumwinkel und sein Stellvertreter Lothar Schröder, seines Zeichens Gewerkschafts-funktionär, das so ausgekungelt haben, wie hochrangige Telekom-Manager kolportieren, die an der fachlichen Eignung der Kandidatin zweifeln. mec.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.11.2006, Nr. 46 / Seite 42
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