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E-mail von Scherer Vorhang hoch!

17.05.2008 ·  Den Vorhang immer wieder ein wenig zu lüften, der über dem Monopoly der Reiseindustrie liegt, das hat sich Brigitte Scherer mit ihrer Kolumne vorgenommen. Die erste Folge zeigt, dass nicht teuer sein muss, was sich beim Reisen exklusiv ausnimmt.

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Um das Grundübel des Reisens zu begreifen, beginnen wir mal mit einem kleinen Ratespiel: Zwei Hotels, eins auf Mallorca, das andere in Monaco, und jetzt die Frage: Wo steht das Hotel, das seinen Gästen als Aperitif den Rest aus der Champagnerflasche offeriert und zum Essen als Erstes einen Rotwein für hundert Euro? Und wo kostet das Glas - einer viel hochwertigeren Spezies - frisch aus der Magnumflasche nicht fünfundzwanzig Euro wie im ersten Fall, sondern achtzehn, samt einer Auswahl adäquater Knabbereien? Na? Eben nicht. Der Nepp findet auf Mallorca statt, im "Mardavall", dem teuersten und erfolgreichsten Haus der Insel mit vorwiegend deutscher Klientel.

Das andere geschah im "Hôtel de Paris" in Monaco, in der legendären "American Bar" am Tag vor Silvester. Noch etwas Salz in die Wunde? Tags zuvor im Ballett, Weltklasse, für weniger als dreißig Euro auf einem der besten Plätze, die vier Stunden Parkhaus dazu kosteten 1,20 Euro. Merke also: Nicht alles, was beim Reisen exklusiv aussieht, muss viel Geld kosten. Und nicht alles, was populär ist, spart Geld.

Mit Ryanair zum nächsten Provinzflughafen

Das sollte man auch im Kopf behalten, wenn man den Papst des Billigen, den Ryanair-Chef Michael O'Leary, trifft. Er ist ein Schlaukopf, der uns mit Halbwahrheiten den Kopf verdreht. Gerade erst wieder prophezeite sich der Kaiser des Discountflugs eine großartige Zukunft - wie der restlichen Luftfahrt den nahen Untergang. Aber wenn man einmal genauer hinschaut, dann fällt vor allem auf, dass von dem ganzen Billig-Getöse besonders einer bislang profitierte, nämlich er. Für uns Passagiere sieht es nicht so gut aus.

Mit O'Leary fliegen wir von Provinzflughafen zu Provinzflughafen, wir landen weitab jeder Metropole. Umsteigen gibt's nicht, das kostet ja nur, von der Langstrecke hält er sich fern, denn da bringen die kurzen Abfertigungszeiten der Kleinflughäfen nichts. Sein Billigflugsystem funktioniert wie eine Klinik, die nur Blinddärme operiert, weil so am meisten zu verdienen ist - wer mal eine Intensivstation braucht, hat Pech. Und sollte sein Kalkül aufgehen, dann hat das am Ende Folgen für alle Anbieter, die bisher auch Intensivbetreuung versuchten. Denn, wie man beispielhaft an einem der besten Häuser Mallorcas sieht: das Billige infiziert auch das, was eigentlich mal gut war.

Den Vorhang immer wieder ein wenig zu lüften über dem Monopoly der Reiseindustrie, über Schattenmännern, Zockern, Visionären - und die zivilisierte Art des Reisens zu feiern -, das soll Aufgabe dieser Kolumne sein. Denn wir haben die Macht: bei jedem Mausklick, mit dem wir ein Angebot annehmen oder verwerfen.

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