25.07.2009 · Frankfurt. Amerika mag einen schwarzen Präsidenten haben, aber die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen bleiben sehr, sehr heikel. Besonders dass sie von Polizisten automatisch als verdächtig betrachtet würden, nur weil sie ...
Frankfurt. Amerika mag einen schwarzen Präsidenten haben, aber die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen bleiben sehr, sehr heikel. Besonders dass sie von Polizisten automatisch als verdächtig betrachtet würden, nur weil sie schwarz sind, ist eine immer wiederkehrende Klage von Afroamerikanern (und Latinos), selbst der Mittelschicht. Henry Louis Gates, Jr., Professor in Harvard und einer der prominentesten schwarzen Intellektuellen des Landes, schrieb 1995 im Magazin "New Yorker": "Schwarze - insbesondere schwarze Männer - erzählen einander von ihren Begegnungen mit der Polizei, als seien es Geschichten aus dem Krieg, und es gibt nur wenige unter ihnen, die nur eine solche Geschichte zu erzählen haben."
Nun hat Gates, 58, seine eigene Geschichte zu erzählen, und auch sie klingt nicht gut. Am 16. Juli wurde er in seinem eigenen Haus, nur wenige Blocks vom Campus entfernt, festgenommen, in Handschellen aufs Revier gebracht und erkennungsdienstlich erfasst. Kurz zuvor, gegen Mitternacht, hatte eine Nachbarin beobachtet, wie zwei schwarze Männer sich an der Vordertür von Gates' Haus zu schaffen machten. Was sie nicht wusste: Es waren Gates selbst, der gerade von einer langen Reise zurückkehrte, und ein Taxifahrer - die Tür klemmte. Bald traf ein Polizist ein, um einen möglichen Einbruch zu untersuchen; Gates war inzwischen ins Haus gelangt.
Was danach geschah, darüber gibt es zwei Versionen: Gates behauptet, er habe sich ausgewiesen, aber der Polizist, James Crowley, habe ihm offenbar nicht geglaubt, dass ihm das Haus gehört; auf der Veranda sei er dann festgenommen worden. Der Polizist - ein Weißer - behauptet, Gates habe ihm vorgeworfen, er werde so nur behandelt, "weil ich ein schwarzer Mann in Amerika bin", und sei so laut geworden, dass er schließlich wegen "ungebührlichen Verhaltens" festgenommen wurde.
Diese Anzeige freilich wurde inzwischen fallengelassen, und die Polizei nannte den Vorfall "bedauerlich". In Amerika wird der Vorfall in Zeitungen, Talkshows und Blogs heftigst diskutiert, seit er Anfang der Woche publik wurde. Präsident Barack Obama, ein persönlicher Freund von Gates, schlug sich schnell auf dessen Seite. Die Polizei habe sich "dämlich verhalten", sagte er am Mittwoch - obgleich er da zugab, nicht alle Fakten zu kennen.
Schon zwei Tage später, nachdem nicht nur Polizeigewerkschaften protestiert hatten, musste er sich korrigieren; die Festnahme sei eine "Überreaktion" gewesen, aber "Professor Gates hat wahrscheinlich ebenfalls überreagiert", sagte Obama. Er habe sowohl Gates als auch Crowley angerufen; der Polizist habe vorgeschlagen, er und der Professor könnten ja ins Weiße Haus kommen und mit dem Präsidenten ein Bier trinken. Obama hofft wohl, eine weitere Kontroverse über die Rassenfrage in Amerika abbiegen zu können. Eines aber bleibt: Im Zweifel glauben schwarze Amerikaner - auch der Präsident - eher ihrem eigenen Mann als dem Polizisten. bpe.