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Gewalt-Circus in Köln-Arena

16.05.2009 ·  Kritik an Käfigkämpfen. Laschet: "Pervers"

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reb. Köln. Sie schlagen und treten, und selbst am Boden geht der Kampf oft in aller Brutalität und Härte weiter: Ultimate Fighting, bei dem die Athleten in einem Drahtkäfig gegeneinander antreten und Kampfkünste wie Boxen, Judo, Ringen oder Muay Thai miteinander verbinden, ist in Amerika schon beliebter als das klassische Boxen und ein Multimillionengeschäft. Nun will die Ultimate Fighting Championship (UFC), ein Privatunternehmen mit Sitz in Las Vegas, mit dem brutalen Spektakel auch in Deutschland Geld machen. 7000 Eintrittskarten sind für die erste große Free-Fight-Show schon verkauft, die am 13. Juni mitten in Köln in der Lanxess-Arena stattfinden soll. Doch der Widerstand gegen den Käfigkampf wächst.

"Geld an Jugendlichen zu verdienen mit Gewaltverherrlichung ist eine neue Form der Perversion des Denkens", sagte der nordrhein-westfälische Jugendminister Armin Laschet (CDU) dieser Zeitung. "Hier findet eine bloße Verherrlichung von Gewalt statt." Es herrsche das Gesetz des Stärkeren, der sich nicht in fairer Auseinandersetzung, sondern mit Gewalt durchsetze und dabei auch Verletzungen des Gegners billigend in Kauf nehme. Solche falschen Vorbilder seien grundsätzlich abzulehnen. Laschet verwies auch auf die derzeit geführte Diskussion über die Verschärfung von Gesetzen wie etwa des Waffenrechts. "Die Kinder- und Jugendhilfe, die Schule und die Kommunen unternehmen alles, um der Gewaltverherrlichung entgegenzuwirken, und hier wird mit der Gewalt Geld gemacht, das ist das Unerhörte", so Laschet.

Box-Fachmann Werner Schneyder sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, Ultimate Fighting sei keine Sportart, sondern ein Brutalo-Event. "Man muss diesen Wahnsinn verbieten." Ultimate Fighting sei eine Anleitung zur Unbedenklichkeit von Gewalt, und das sei in einer Gesellschaft, die darunter leide, dass es auf Schulhöfen immer brutaler zugehe, absolut unverantwortlich. "Dieser ,Sport' brutalisiert und betrügt gleichzeitig. Denn wenn die Regeln, die Ultimate Fighting verkündet, ernst genommen würden, hätten wir Tote und Querschnittsgelähmte. Dann ginge diesem perversen Zirkus das Menschenmaterial aus."

Schon Ende März verabschiedeten die Kölner Stadträte einstimmig eine Missbilligung. Martin Müser vom Kölner Bürger-Bündnis sagte, die Show finde nicht in irgendwelchen schmuddeligen Hinterhöfen statt, sondern in der Vorzeigearena Kölns. Das suggeriere "eine breite gesellschaftliche Akzeptanz und ein hohes Maß an Normalität für Käfigkämpfe, für die gezeigte Brutalität und für das Einschlagen auf jemanden, der am Boden liegt". Der Vorsitzende des Kölner Sportausschusses, Manfred Wolf (FDP), sagte, Free-Fight nehme "den Tod oder zumindest schwere Verletzungen eines Menschen billigend in Kauf". Die Geschäftsführung der Lanxess-Arena und Veranstalter Marek Lieberberg verwahren sich gegen solche Äußerungen. Lieberberg, der sonst erfolgreich Konzerte organisiert, nennt Free-Fight den "Rock 'n' Roll" des Sports. Die Bevollmächtigte der Arena-Geschäftsführung, Gaby Münchhalffen, hält Ultimate Fighting für nicht brutaler als Boxen. Die Ursache für die Aufregung sei der Wahlkampf in Köln.

Das Bundesinnenministerium bezeichnete sich auf Anfrage als nicht zuständig. Ein Sprecher von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte dieser Zeitung, man gehe davon aus, dass die Kölner Behörden "den Fall sorgfältig prüfen". Kinder und Jugendliche müssten vor dem Anblick brutaler Gewalt geschützt werden. "Das Ministerium wird den Fall genau verfolgen." Unterdessen hat eine interne Prüfung des Kölner Jugendamtes ergeben, dass es sich bei der Veranstaltung um einen Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz handelt. Am Montag will sich Jugenddezernentin Agnes Klein (SPD) mit den Organisatoren treffen, um eine "Einigung in Sachen Minderjährigenschutz" zu erzielen. Nur Personen von 18 Jahren an dürfe Zutritt zur Free-Fight-Show gewährt werden. Box-Fachmann Schneyder bezeichnete das als "lächerlich": "Wenn die Stadt Köln keine einstweilige Verfügung gegen diese perverse Veranstaltung zustande bringt, kann ich sie nur verachten." Siehe Sport, Seite 20

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