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Genmais entzweit Union

18.04.2009 ·  Aigner verteidigt sich. Schavan will Verbot nicht hinnehmen. Wulff preist "Zukunftstechnologie"

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echt/elo./hoi. Berlin. Während in der Union immer heftiger über das Verbot von Genmais gestritten wird, versucht Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ihre Kritiker zu besänftigen. "Ich werde nicht gegen die grüne Gentechnik zu Felde ziehen. Es kann immer nur Einzelfallentscheidungen geben", sagte Frau Aigner dieser Zeitung. Vorrang müsse die Sicherheit von Mensch und Umwelt haben. Gleichwohl verteidigte die Ministerin ihre Entscheidung: Es gebe neue Erkenntnisse, dass Genmais der Umwelt schaden könne. Im Übrigen habe sie nicht die gentechnische Forschung, sondern allein die Aussaat einer gentechnisch veränderten Maissorte untersagt.

Frau Aigner begrüßte den Vorschlag ihrer Kabinettskollegin Annette Schavan (CDU), einen runden Tisch zur Gentechnik einzusetzen. "Ich befürworte einen runden Tisch zur Gentechnik und nehme die Anregung gern auf." Frau Schavan jedoch verschärfte am Wochenende den Streit in der Union über die grüne Gentechnik. "Das Verbot nehme ich nicht so einfach hin", sagte die Forschungsministerin dem "Focus". Sie verwies auf den Koalitionsvertrag. Darin habe sich die Union verpflichtet, Forschung und Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft zu fördern. "Mitten in einer schweren Wirtschaftskrise setze ich besonders auf die Hochtechnologie wie die grüne Gentechnik." So würden Arbeitsplätze gesichert. Zudem gehe es darum, den Hunger in der Welt mit Hilfe gentechnisch veränderter Pflanzen zu bekämpfen.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) pflichtete ihr bei. In der "Bild am Sonntag" forderte er die Bundesregierung zu einem klaren Bekenntnis zur Gentechnologie auf. Als Zukunftstechnologie müsse diese "ihren Platz in Deutschland haben". Kritisch äußerte sich auch der sächsische Landwirtschaftsminister Frank Kuper (CDU). Auf Dauer werde kein Weg am Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft vorbeiführen, sagte er der "Sächsischen Zeitung". Den Gegnern warf er vor, Hysterie zu schüren. Frau Aigner wies unterdessen die Vermutung zurück, sie habe den Anbau von Genmais aus politischen Gründen verboten. "Ich habe eine fachlich begründete und keine politische Entscheidung getroffen", bekräftigte sie. Auch habe der CSU-Vorsitzende Seehofer keinen Einfluss genommen.

Die fachliche Begründung für das Anbauverbot steht nach Ansicht von Fachleuten auf tönernen Füßen. Die maßgebliche Studie war am Institut für Integrative Biologie an der Eidgenössisch-Technischen Hochschule in Zürich gemacht worden. Dort wurde untersucht, ob neben dem schädlichen Maiszünsler nicht auch Nützlinge durch den Genmais der Firma Monsanto geschädigt werden. Larven des Zweipunkt-Marienkäfers starben tatsächlich, wenn man ihnen das gentechnisch hergestellte Gift im Labor verabreichte. Allerdings fand es sich weder im Saft der Genpflanzen noch in den daran saugenden Blattläusen, von denen sich Marienkäfer normalerweise ernähren. Auch andere Studien unter Laborbedingungen ließen sich nicht auf das Freiland übertragen. Siehe Seiten 5, 38 und 57

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