19.05.2007 · W er in den vergangenen Wochen die Ehestandsmeldungen über Nicolas Sarkozy verfolgte, musste zu dem Schluss kommen, dass der neue französische Präsident das erste Arbeitsessen im Amt mit seinem Scheidungsanwalt einnehmen wird.
VON SASCHA ZOSKE
W er in den vergangenen Wochen die Ehestandsmeldungen über Nicolas Sarkozy verfolgte, musste zu dem Schluss kommen, dass der neue französische Präsident das erste Arbeitsessen im Amt mit seinem Scheidungsanwalt einnehmen wird. Cécilia Sarkozy hatte ihren Mann meist alleine um die Wähler kämpfen lassen, und sogar auf die Abgabe ihrer Stimme soll sie verzichtet haben - weshalb es den Recherchen der Fachpresse zufolge am Wahlabend zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden gekommen ist. Naheliegend war die Annahme, Monsieur Sarkozy habe bei dieser Gelegenheit seiner Frau empfohlen, sich wieder in die Arme ihres mutmaßlichen Geliebten zu werfen, und entschieden, den Élysée-Palast als Singlebude zu nutzen.In Wahrheit muss diese Aussprache nach wechselseitigem "Verzeih mir"-Flehen mit dem tränenbesiegelten Gelöbnis ewiger Treue geendet haben. Anders sind die Szenen nicht zu deuten, die sich während der Amtseinführung am vergangenen Mittwoch vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielten. Cécilia hatte nicht nur den gemeinsamen Sohn Louis zu Vatis großem Tag mitgebracht, auch die vier Kinder aus den Erst-Ehen des Paares waren erschienen. Liebevoll küsste das Staatsoberhaupt seine Gattin auf die Wange, doch noch ergreifender wirkte eine andere Geste: Mit dem Daumen tupfte der Präsident der Première Dame eine Zähre aus dem Augenwinkel. Die Behauptung eines Beobachters, dort habe sich zum Zeitpunkt der zärtlichen Berührung überhaupt kein Wasser befunden, ist wohl als Ausfluss purer Gehässigkeit zu werten.
Wir jedenfalls sind überzeugt, dass zwischen den Sarkozys künftig mindestens ebenso große Harmonie herrschen wird wie einst zwischen Margaret und Denis Thatcher oder Helmut und Hannelore Kohl. Falls die Tränen aber doch gelogen haben sollten, sollte das hohe Paar zumindest die Fassade wahren. Der Élysée-Palast ist schließlich groß genug, um sich aus dem Weg zu gehen.