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: Luxusmöbel ohne Bömmelchen und Goldbrokat

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Erfolg ist meßbar. Wenn der Maßstab für einen Polstermöbelhersteller die Länge seines Produktes ist, dann ist Cor zur Zeit extrem erfolgreich. Das Designersofa "Conseta", das die Schwestermarke von Interlübke auf der Möbelmesse in Köln zeigen wird, ist jedenfalls neun Meter lang.

          Von Henning Peitsmeier
          Erfolg ist meßbar. Wenn der Maßstab für einen Polstermöbelhersteller die Länge seines Produktes ist, dann ist Cor zur Zeit extrem erfolgreich. Das Designersofa "Conseta", das die Schwestermarke von Interlübke auf der Möbelmesse in Köln zeigen wird, ist jedenfalls neun Meter lang.
          Cor baut nicht nur lange Sofas, sondern verkauft sie auch gut. 10 Prozent mehr Umsatz im vorigen Geschäftsjahr können sich sehen lassen. "Wir sind jünger und frischer im Design, das mögen die Kunden." Der das sagt, ist selbst 68 Jahre alt. Firmeninhaber und Unternehmensgründer Helmut Lübke zählt sich aber zu den Junggebliebenen. Seine Worte sind vor allem eins: Lob für seinen Sohn Leo Lübke, den Cor-Geschäftsführer.
          Weil es bei Cor so gut läuft und weil es bei Interlübke im vorigen Jahr drunter und drüber ging, hat der Vater seinen Sohn auch in die Geschäftsführung der Möbelfirma in Rheda-Wiedenbrück geholt. Dort lief es, als sich Helmut Lübke aus dem operativen Geschäft 2003 zurückzog, immer schlechter.
          Die teuren und exklusiven Möbel von Interlübke fanden kaum noch Käufer, der Handel war unzufrieden mit der Lieferzuverlässigkeit, schließlich brach der Umsatz ein. Im Sommer 2004 zog Helmut Lübke die Reißleine: Geschäftsführer Ludger Köhler, mit 5 Prozent an Interlübke beteiligt, mußte gehen. "Ich habe Ludger immer wie einen Sohn gesehen, aber es gab persönliche Differenzen, und dann muß man sich wie in einer Ehe trennen", sagt Lübke.
          Seit der Rückkehr des Ex-Geschäftsführers geht es wieder aufwärts. Lübkes erste Amtshandlung war eine Preiserhöhung im Handel um durchschnittlich 3 Prozent. Das half, um Ende 2004 sogar ein Umsatzplus von 10 Prozent auf 45 Millionen Euro zeigen zu können. Und Lübke korrigierte einen weiteren Fehler. Auf der diesjährigen Möbelmesse in Köln wird Interlübke wieder mit einem Messestand vertreten sein, nachdem der Premiumanbieter 2003 durch Abwesenheit auffiel. "Die Messe ist ein Ort der Kommunikation von Mensch zu Mensch, hier sehen Sie Ihrem Kunden in die Augen." Lübke geht, wie er sagt, mit einem "dicken Auftragspolster" auf die Messe. Und er glaubt, daß die Branche wieder "Wind unter die Flügel kriegt".
          Beim Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) hört man solche Töne gern. Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des VDM, hofft, daß Lübkes Optimismus ansteckend wirkt auf andere. Er selbst ist auch zuversichtlicher als sonst. Die am Montag beginnende Möbelmesse soll Klaas zufolge den Auftrieb bringen für ein erwartetes Umsatzplus von 1,5 Prozent. "Der Aufschwung ist da", behauptet Klaas. Nach Einschätzung des Verbands hat die Möbelindustrie das vorige Jahr mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent auf mehr als 21 Milliarden Euro Umsatz abgeschlossen. Es wäre das erste Wachstum nach vielen Jahren des Niedergangs. Vorvergangenes Jahr mußten die Hersteller ein Minus von 2 Prozent hinnehmen, davor erlebten sie gar einen Umsatzeinbruch von 10 Prozent. Stellenabbau und Betriebspleiten sind an der Tagesordnung. Fast 200 von einst 1470 mittelständischen Betrieben hat der Markt in den letzten fünf Jahren weggefegt, 30000 Stellen gingen im selben Zeitraum verloren, viele Firmen kämpfen ums Überleben. Einzig der Export erwies sich als verläßliche Stütze und soll es auch diesmal sein. "Unsere heimische Möbelindustrie kann mit vollen Auftragsbüchern rechnen, weil deutsche Möbel weltweit gefragt sind", sagt Klaas. Der Verband geht davon aus, daß die Exportquote von heute 26 Prozent auf 40 bis 50 Prozent in einigen Jahren klettern wird.
          Interlübke hat heute schon einen Exportanteil von 37 Prozent. Möbel aus Rheda-Wiedenbrück sind vielen Menschen in der Welt ein Begriff. Für Lübke hat das in erster Linie mit dem unverwechselbaren Design, der klaren Formensprache und dem Verzicht auf "Bömmelchen und Goldbrokat" zu tun. Wenn er über sein Lieblingsthema Design spricht, sagt Lübke Sätze wie "Werte definieren sich über die Haltung" oder "Geiz ist Egoismus". Damit macht sich der unprätentiös auftretende Ostwestfale bei seinen Branchenkollegen nicht unbedingt beliebt, müssen die doch mit ansehen, wie ihre Produkte im Möbelhandel verramscht werden.
          Lübke kann dagegen die Preise raufsetzen und verkauft anschließend sogar noch mehr. Der gelernte Tischler, der mit 18 Jahren seine erste Firma gründete und damals vom Erzbischof in Paderborn für volljährig erklärt werden mußte, ist heute unter anderem Präsident des Rats für Formgebung (German Design Council). Er setzt zeitloses Design gegen optischen Verschleiß. Auf der Möbelmesse zeigt Interlübke etliche Klassiker wie etwa die Schrankwand S 96, die beinahe so alt ist wie der Chef. Und auch die "Conseta" hat Cor schon seit vielen Jahren im Programm. Wenn auch nicht in neun Metern Länge.







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