31.03.2003 · Ist der Dauer-Zweifel der deutschen Fernsehjournalisten Notwendigkeit oder selbstgerechte Pose? Ein Vorwurf, fünf Entgegnungen.
Von Georg DiezAngst und Betroffenheit herrschen im deutschen Fernsehen - das eine ist eine allgemeinmenschliche Regung, das andere eine landestypische Besonderheit. Angst haben die Menschen in Bagdad, Betroffenheit macht sich in Mainz und Hamburg breit.
Während die Kollegen von BBC und CNN sich den unvermeidlichen Widersprüchen der Kriegsberichterstattung stellen und den riskanten Kurs wählen, so nah und so viel wie möglich zu berichten, rümpfen deutsche Journalisten in ihren sicheren Studios die Nase über so viel Nähe zu möglicher Propaganda und Desinformation: Sie, diese Meister der einfachen Moral, die ihren Job gerne als Gesinnungssieger ausüben, wollen sich nicht gemein machen mit angelsächsischen Lottermoralisten, die sich ins Bett des nächstbesten Militärs werfen. "Embedded" ist das Schimpfwort jener Journalisten, die sich für verworrene Realitäten weniger und eigene Rechthaberei sehr interessieren. Sie sehen sich nicht als Berichterstatter, sondern als Weltverbesserer. Sie praktizieren einen Journalismus im Konditionalis.
Zweifel ist ein Grundmoment des Journalismus, wenn er aber zum Generalverdacht wird, wenn der Soupcon eine Berichterstattung dominiert, wenn sich das "angeblich", "offenbar" und "es sollen" verselbständigt und zur billigen Unwahrheit führt, "wir können ja eh nichts wissen", dann dient der Zweifel nicht als Grundlage der Berichterstattung, dann gerät der Zweifel zur Behinderung von Information.