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Hilflos gegen Facebook : Still stirbt StudiVZ

  • -Aktualisiert am

Die neue Seite ist da: Doch es fehlen die Mitglieder Bild: Lisowski, Philip

Vor drei Jahren wollte Facebook das deutsche StudiVZ kaufen. Doch der Holtzbrinck-Konzern lehnte das Angebot ab. Jetzt braucht Facebook die VZ-Netzwerke nicht mehr. Die Geschichte eines Niedergangs.

          Gut möglich, dass Stefan von Holtzbrinck nachts manchmal von seinem eigenen Zähneknirschen geweckt wird. Diese Fehlentscheidung muss den Medienunternehmer arg wurmen: Vor drei Jahren wollte Facebook ihm seine sozialen VZ-Netzwerke abkaufen, auf denen Schüler (SchülerVZ), Studenten (StudiVZ) und Berufstätige (MeinVZ) sich austauschen konnten. Holtzbrinck hatte die Plattformen zuvor von den Gründern für eine zweistellige Millionensumme gekauft. Das Facebook-Kaufangebot lehnte Holtzbrinck damals selbstbewusst ab, schließlich waren seine Kontaktbörsen die beliebtesten und mitgliederstärksten in Deutschland.

          Doch seither musste Stefan von Holtzbrinck zusehen, wie die Mitgliederzahlen seiner Netzwerke schrumpfen und Facebook die Nutzer nur so aufsaugt (siehe Grafik).

          Stefan von Holtzbrinck
          Stefan von Holtzbrinck : Bild: dpa

          Jetzt will der Unternehmer doch verkaufen, und es wurden auch Verhandlungen geführt - aber niemand will den Preis berappen, den er fordert. Facebook selbst braucht die VZ-Netzwerke nicht mehr: Die Nutzer laufen freiwillig über. Zwar haben StudiVZ und Co. noch 16 Millionen Mitglieder - aber am Tag nutzen das Portal in Deutschland nur weniger als eine Million.

          Spitzenmanager fliehen

          Als reichte all dies nicht, gehen Holtzbrinck auch noch die Manager von der Fahne. Erst letzte Woche war es wieder so weit: Der VZ-CEO Clemens Riedl verließ das Unternehmen. Nach vier Jahren mag es nicht ungewöhnlich sein, dass es Manager zu neuen Aufgaben zieht. Für manchen Internetmanager dürften sich vier Jahre auf derselben Stelle wie ein halbes Berufsleben anfühlen. Dennoch war der Wechsel ungewöhnlich: Gerade hatten die VZ-Seiten einen Relaunch über die Bühne gebracht und tauchten in völlig neuem Gewand auf. Eine brandneue Seite - und der Chef geht erst einmal? Ohne die Früchte zu ernten?

          Der StudiVZ-Sprecher findet, genau jetzt, nach getaner Arbeit, sei doch ein "guter Zeitpunkt" für Riedl, um sich "neuen Aufgaben zu widmen". Allerdings ist Riedl nicht der Einzige, der nicht mehr darauf hofft, bei StudiVZ viele Früchte zu ernten. In der jüngeren Vergangenheit haben sich der Finanzchef, der Vertriebschef und der Technikchef neu orientiert. "Ganz zu schweigen von vielen Wechseln einfacher Mitarbeiter wie Entwickler oder Community-Betreuer", sagt ein Branchenkenner. "Die werden in den Medien nicht vermeldet, aber in der Branche bekommt man das mit." All dies erzeugt den Eindruck: Die VZ-Unternehmen tauchen ab. Ganz langsam.

          Bild: F.A.Z.

          "2010 war entscheidend", sagt Christian Clawien, der bei der Agentur Interone für Social & Emerging Media zuständig ist. "2010 hat Facebook die Zahl seiner aktiven Nutzer von sechs auf dreizehn Million verdoppelt. Gleichzeitig konnte man beobachten, wie die Mitgliederzahlen der VZ-Gruppe konstant schrumpften." Er schiebt die Schuld für den Niedergang auf die Trägheit der VZ-Macher: "Die Seite sah bis vor dem Relaunch aus wie Facebook im Jahr 2005. Es wurde zu wenig Mühe in Innovationen investiert, umso mehr in Marketing: Überall springt einem Banner-Werbung entgegen."

          Die erfolgreiche Werbestrategie hat die VZ-Netzwerke immerhin 2010 in die Gewinnzone gebracht. Auch in den Berichten der Datenschützer schneiden sie - nach einigen peinlichen Skandalen - bestens ab. Die Nutzer belohnen das offenbar nicht.

          Quelle: F.A.S.

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