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Veröffentlicht: 26.12.2013, 15:00 Uhr

Hermann Gerland und der FC Bayern „Was ich sehe, ist ein Genuss“

Er ist der Bochumer in Bayern: Hermann Gerland über seine Rolle als Ko-Trainer des FC Bayern München, die Faszination des Ruhrpotts, beheizte Ersatzbänke und einen „perfekten Spieler“, den keiner wollte.

© Bongarts/Getty Images Guckt grimmig, ist aber ein zufriedener Tiger: Hermann Gerland

Herr Gerland, als großes Kompliment gilt, wenn Sie sagen: „Das ist wie Bratwurst essen.“ Was war für Sie in diesem Bayern-Jahr wie Bratwurst?

Natürlich das Champions-League-Finale gegen Dortmund. Weil die meisten Spieler und auch ich als Assistenztrainer vorher schon zwei verloren hatten. Die ganze Saison, die Meisterschaft mit 25 Punkten Vorsprung, der Pokalsieg, alles wäre mit einer Niederlage in Wembley kaputt gewesen. Dieser Sieg, das war wie ein Traum.

Stimmt es, dass Sie Jupp Heynckes zum Feiern überreden mussten?

Nein, mein Spruch in London, dass wir jetzt mal die Sau rauslassen, hatte eine Vorgeschichte. Das war das Halbfinale in Barcelona, als wir die damals beste Mannschaft der Welt über zwei Spiele 7:0 besiegten. Da saß ich nur noch da und staunte. Danach wollte die Mannschaft feiern und schickte mich zum Trainer: Jupp, die Jungs wollen dich dabeihaben! Aber er sagte: Hermann, ich bin kaputt, ich will schlafen. Da hatte ich die Befürchtung, dass er nach dem Finale auch schlafen wollte. Aber dann haben wir richtig gefeiert.

Warum ist das Team im ganzen Jahr nicht einmal aus der Spur gekommen?

Wir sind angetrieben worden durch Dortmund, einen überragenden Gegner mit Superfans, ein Superstadion, einen Supertrainer. Die muss man immer beachten, auch jetzt noch, mit zwölf Punkten Vorsprung.

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Sie haben lange den Bayern-Nachwuchs betreut, ehe man sie zum Assistenztrainer machte. Seitdem gewannen Sie in drei Jahren das Double, das Triple und standen jede Saison im ChampionsLeague- und im Pokalfinale. Wie fühlen Sie sich als erfolgreichster Ko-Trainer der Welt?

Diese Erfolge liegen ja weniger an mir als an dem Verein, für den ich arbeite. Ich sagte zu Uli Hoeneß: Ich bin nicht hergekommen, um Ko-Trainer zu werden. Aber Louis van Gaal kannte die Liga nicht, deshalb holten sie mich dazu. Und ich habe viel von ihm lernen können.

Er auch von Ihnen?

Van Gaal hat mich, als er kam, über jeden einzelnen Spieler gefragt. Am Ende der Saison sagte er: Es gab noch keinen, mit dem ich so einig war über die Spieler wie mit dir. Auch die Junioren-Nationaltrainer fanden das, wie Dieter Eilts, dem ich Mats Hummels empfohlen hatte. Ich kann Spieler sehr gut einschätzen. Wenn ich einen empfehle, dann wissen auch die Oberen beim FC Bayern: Wenn Hermann das sagt, dann ist es so.

Was ist Ihre Rolle bei Pep Guardiola?

Ich denke, ich habe eine Vertrauensposition. Die Spieler kenne ich sehr gut, viele schon sehr lange. Wenn da Probleme sind, versuche ich zu helfen. Ich gucke auch, wenn Zeit ist, den Nachwuchs an. Und wenn Pep eine Frage hat, stehe ich mit Rat zur Seite. Aber ich nehme mich nicht so wichtig.

Früher konnten Sie an der Linie Ihre Energie rauslassen, die Ihnen den Namen „Tiger“ eintrug. Ist es schwer für Sie, dass Sie sich jetzt als Assistent zurückhalten müssen?

Nein, überhaupt nicht. Was ich jetzt sehe, ist doch ein Genuss. Wissen Sie, ich komme aus Bochum-Weitmar, bin als Arbeiterkind groß geworden, die Familie vier Kinder, kein Geld, Vater gestorben, als ich neun war. Und jetzt sitze ich hier beim erfolgreichsten Verein Deutschlands auf der Trainerbank und bin ein bisschen beteiligt am Erfolg, weil ich einige Spieler mitentwickelt habe, die groß rausgekommen sind. Und das genieße ich so richtig.

Auch die Arbeit mit Guardiola?

Ich darf mit einem der besten Trainer der Welt zusammenarbeiten. Das ist ein großes Glück. Die könnten mir sagen: Bleib zu Hause, du kriegst das Geld, und ich würde sagen: Behaltet das Geld, ich will nicht zu Hause bleiben. Ich will hier dabei sein.

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