17.07.2010 · Von A wie "Abitur" bis Z wie "Zweifel": Das neue deutsche Fräuleinwunder buchstabiert die Welt
Abitur - Ja, geil. Das war echt der Wahnsinn. Ich habe mich nicht so, so, so, so viel vorbereitet, wie ich's gemacht hätte, wenn ich nicht am Eurovision Song Contest teilgenommen hätte. Aber ich glaube, dass das gar nicht so schlecht war, weil ich mich so auf das Wesentliche konzentriert habe. Abi-Schnitt? Sag ich nicht.
Berlin - Ist super. Ich bin ganz verliebt, war schon ganz oft da und muss da wieder hin, weil ich mich da schon so gut auskenne. Ich hatte vor, nach dem Abi vielleicht an der Ernst-Busch-Schule Schauspiel zu studieren. Da wollte ich mich mal bewerben.
Castingshows - Finde ich eigentlich total scheiße. Ich dachte, ich würde niemals in meinem ganzen Leben zu einer Castingshow gehen. Aber die Geschichte war die, dass ich im Internet surfte, um nach Tickets für "TV total" zu suchen. Da habe ich diesen Button für "Unser Star für Oslo" gesehen und bin spontan da hingegangen. Ich hab mir gedacht: Gucken wir mal, was so läuft.
Deutschland - Eigentlich bin ich nicht so patriotisch, aber bei einer Veranstaltung wie der WM oder dem Eurovision Song Contest, die das Land betreffen, da fiebert man natürlich dann mit.
Englisch - Englisch ist 'ne Sprache, die fast jeder kann. In anderen Ländern fragen die Reporter: Warum singst du nicht auf Deutsch? Dann sage ich: Hey, wir sprechen doch auch gerade Englisch miteinander, das verbindet die Leute. Die Geschichte um meinen Akzent ist so was von ausgelutscht. Das ist ein Pseudo-Akzent, der gar nicht vorhanden ist. Ich habe das so in der Schule gelernt, deswegen spreche ich so, fertig.
Fräuleinwunder - Wer mag das wohl sein? Ich seh' mich nicht als Fräuleinwunder. Ich seh' mich noch als alte Lena-Katze, wie vorher.
Gott - Offensichtlich trage ich eine Taizé-Kette, nicht mehr um den Hals, jetzt ums Handgelenk. Ich habe also eine bestimmte Bindung zum Göttlichen - inwiefern, darüber rede ich nicht. Ich war in Taizé, sieben Tage, wir haben gecampt, und es war ein wahnsinnig schönes Erlebnis. Ich leg's jedem nahe, der offen ist für die Welt.
Hannover - Eine wahnsinnig tolle Stadt zum Aufwachsen. Ein bisschen langweilig. Aber es gibt unglaublich schöne Seiten. Da gibt's Sachen, die müssten viel größer sein, weil sie so toll sind. Hannover ist eine Stadt, aus der man gut wegfahren kann. Aber man freut sich, wenn man wiederkommt.
IPad - Ich hab das i-Pad geschenkt bekommen, und deswegen benutze ich das. Ich habe ein paar Spiele und Fotos drauf und schreibe Mails. Wenn man unterwegs ist, ist es schon praktisch. Aber wenn ich's nicht hätte, würde ich's nicht vermissen.
Jungs - Ja, sind gut. In der dritten Klasse fand ich Jungs total doof, weil ich mich da von meinem ersten Freund getrennt habe, den ich im Kindergarten "geheiratet" hatte. Vier oder fünf Jahre waren wir pseudozusammen, aber haben nie ein Wort miteinander geredet. Und jetzt finde ich keine Jungs mehr gut, sondern mittlerweile Männer.
K11 - Ist eine TV-Serie. Habe ich mal mitgemacht, als Komparsin und Laiendarstellerin, um Schauspielerfahrungen zu sammeln.
Love, oh, love - Textzeile aus "Satellite". Das ist natürlich der Wahnsinn, was mit dem Lied passiert ist und was das für mich bedeutet. Und das zieht immer, hoffentlich auch noch in zehn Jahren, die Verbindung zum Song Contest. Ein Lied, das viele schon nervt, aber nicht so schnell von der Bildfläche verschwindet. Ich hör's irgendwie doch noch ganz gerne.
Millionen - Wenn ich irgendwann mal eine Million verdient haben sollte - was dann los ist, weiß ich nicht. Ich habe meiner Freundin versprochen, wenn ich meine erste Million verdient habe, dann schenke ich ihr ein Auto, irgendeinen Gebrauchtwagen, ist ja auch nicht so wichtig. Ich fahr' zum Beispiel mit anderen einen Twingo, der ist jetzt 16 Jahre alt, der kommt jetzt leider im Oktober nicht mehr durch den Tüv, weil die Unterachse durchgerostet ist. Ich würde mir zum Beispiel nie ein teures Auto kaufen, das brauche ich gar nicht. Ich würde mir teure Schuhe kaufen, darauf freue ich mich schon richtig doll, meine ersten richtig teuren Schuhe von meinem eigenen Geld zu kaufen.
Nicole - Ja. Lang ist's her. Die Gute hat einen guten Job gemacht. Getroffen habe ich sie noch nicht. Das letzte Mal habe ich sie bei irgendeiner Preisverleihung gesehen, mit so ganz, ganz kurzen, frech-freaky gestylten Haaren. Frisurentechnisch kein Vorbild.
Oscars - Liegen wahrscheinlich noch in ziemlich weiter Ferne, wenn denn überhaupt. Tja, schwierig. Ich hab auf jeden Fall vor, das zu versuchen mit dem Schauspiel. Und wenn man so lange und beharrlich daran festhält, dann kann das nicht unbedingt so falsch sein. Ich will es auf jeden Fall richtig lernen und möchte nicht unvorbereitet in zwei Wochen meine erste deutsche romantische Komödie spielen.
Popularität - Ist nie ein Ziel von mir gewesen. Wenn man ins Poesiealbum schreibt, dann fällt einem als Kind ein: Tierärztin, Sängerin, Schauspielerin, reich, berühmt. Aber reich und berühmt zu sein war nie ein Ziel von mir. Ich war auch nie geil auf eine Kamera oder auf Ansehen. Ich habe ganz viel Glück, dass auf mich ganz, ganz viel aufgepasst wird. Ich brauche eigentlich nicht viel Angst haben vor irgendwas.
Quatsch - Meine Mama hat früher immer gesagt: Du alter Quatschmacher! Das war schon immer irgendwie mein Ding. Ich war immer schon ein bisschen verrückt, bescheuert und albern.
Rybak, Alexander - Der Gewinner des Eurovision Song Contest 2009. Netter Typ, unglaublich herzlich und sympathisch. Wir haben aber auch keinen Kontakt mehr. Besonders lustig fand ich, dass er mit einer Geige gewonnen hat und dieses Jahr, 2010, bestimmt acht oder neun Teilnehmer mit einer Geige auf der Bühne standen. Ich bin schon gespannt, was nächstes Jahr so passiert.
Stefan Raab - Im Ausland sage ich auf die Frage, wie ich das geschafft habe: Es ist eigentlich alles Stefans Schuld. He's one of the biggest hosts in Germany! Stefan ist ein Wahnsinnstyp, eine riesengroße Persönlichkeit und ein sehr netter und herzlicher Mensch.
Titelverteidigung - Ja, nächstes Jahr, 2011, Eurovision, das wird der Wahnsinn. Ganz viele fragen mich: Lena, das ist doch jetzt irgendwie überflüssig, man muss doch jetzt nicht noch mehr wollen. Darauf sage ich: Aber wenn man nicht noch mehr will, was dann? Dann ist doch Stillstand. Dann sagen viele: Um Gottes willen, du arme Sau, du musst nächstes Jahr noch mal gewinnen. Nönö, nönö, muss man nicht. Ich finde es jetzt gar nicht mehr so wichtig, noch mal zu gewinnen. Wir haben einmal gewonnen, mehr kann man nicht erreichen, wir haben den Contest nach Deutschland gebracht. Wir haben bei der Fußball-WM 2006 erlebt, dass die Deutschen bei so einem großen Event einfach ein noch besseres Gefühl haben, wenn's im eigenen Land ist. Das wird ein Riesenfest. Das Bild der Deutschen wird sich ein bisschen verändern.
Uwu Lena - Ja, geil, find ich super. Ich hätte selbst nie einen Fußballsong gemacht. Und deswegen finde ich das praktisch, dass so ein paar Jungs das mit meinem Lied übernommen haben. Ich finde Parodien eigentlich immer total klasse. Ich würde die Jungs gern mal treffen. Der arme Typ, der die ganze Zeit mit der Perücke rumlaufen muss!
Vorbilder - Für mich ein ganz schwieriges Wort. Ich habe keine richtigen Vorbilder. Man soll sich alles angucken, und man soll alles probieren. Vorbilder sind für mich irgendwas Komisches. Ich hatte das nie, dass ich gesagt habe: Boah, das find ich toll, ich muss jetzt unbedingt so sein wie du.
Wulff, Christian - Ja, ein netter Typ. Sehr sympathisch, er war sehr freundlich am Flughafen, als wir aus Oslo zurückgekommen sind. Ist jetzt Bundespräsident, auch aus Hannover, und das war's dann auch.
Xavier Naidoo - Finde ich wahnsinnig toll, ich durfte ihn beim Finale von "Unser Star für Oslo" schon kennenlernen und war total aufgeregt. Ein ganz toller Künstler.
Yellowpress - Für manche Fluch, für manche Segen. Ich glaube, dass jeder selbst entscheiden kann, auch von den famous people, was in der Presse steht und was nicht. Hollywoodstarmäßig gehört es einfach zum Beruf, dass da das gesamte Leben in der Boulevardpresse steht, weil das einfach auch die Karriere ankurbelt. Das würde bei mir wahrscheinlich auch so sein. Aber man muss sich entscheiden, was man möchte und was nicht, dann kann man das ganz gut kontrollieren, jedenfalls das, was von einem selbst ausgeht.
Zweifel - Hatte ich schon ganz oft. Kurze Gedankenströme: Ist das jetzt irgendwie cool? Ist das das Richtige? Und das dauert dann ungefähr so zweieinhalb bis drei Minuten, dann ist es auch schon wieder vorbei, weil ich mir immer irgendwie denke: Ach, Lena, weißt du, wenn du dir jetzt irgendwie tausend Gedanken machst und immer alles in Frage stellst, dann geht's dir echt schlecht. Und deswegen akzeptier' ich einfach mal.
Aufgezeichnet von Alfons Kaiser.