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Spekulation Der riskante Trick mit den VW-Optionen

25.05.2009 ·  Porsche hat mit großen Beträgen an der Terminbörse gehandelt. Ende Juni entscheidet sich, ob es ein gutes Geschäft wird.

Von Dyrk Scherff
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Wer Volkswagen übernehmen will, kauft einfach VW-Aktien. So läuft klassischerweise eine Übernahme ab. Porsche hat das gemacht. Aber nicht nur das. Der Sportwagenbauer war auch eifrig am Terminmarkt aktiv. Dort erwarb er Kaufoptionen ("Calls"), mit denen er das Recht bekam, VW-Stammaktien zu einem festgelegten Preis zu kaufen. So sicherte er sich die Aktien, ohne sie gleich kaufen und damit mehrere Milliarden Euro bereitstellen zu müssen. Gleichzeitig verkaufte er Verkaufsoptionen, sogenannte Puts, auf die gleichen Aktien. Die Prämieneinnahmen aus dem Verkauf nutzte Porsche, um teilweise den Kauf der Calls zu finanzieren. Ein solches Verfahren kommt an den Märkten häufiger vor.

Die Verkaufsoptionen stellen jetzt ein Problem für Porsche dar. Denn die Käufer dieser Papiere haben das Recht, VW-Stammaktien an Porsche zu verkaufen. Das Unternehmen muss die Papiere nehmen und dafür bezahlen. In der Regel wird nur die Differenz zwischen aktuellem Preis der Aktie und Ausübungspreis der Option gezahlt. Üben alle Optionsbesitzer aus, würde das sehr teuer für Porsche.

Banken müssen VW-Aktien behalten

Attraktiv wird der Verkauf an die Zuffenhausener dann, wenn der Preis der VW-Stammaktien unter den Ausübungspreis der Option fällt. Der bleibt geheim. Aber es ist offensichtlich, dass Porsche kein Interesse an einem starken Kursverfall der Stammaktien hat. Daher tut es alles dafür, dass der Kurs nicht zu stark fällt. Zum Beispiel, indem es die Calls nicht verkauft. Die Banken müssen daher ihre VW-Aktien behalten, weil sie sie liefern müssten, wenn Porsche seine Kaufoptionen ausübt. Das stabilisiert den Aktienkurs. "Das könnte erklären, warum die Stammaktien noch bei rund 200 Euro notieren, während die Vorzugsaktien bei etwa 50 Euro liegen", vermutet Daniel Schwarz, Autoanalyst der Commerzbank.

Am 22. Juni könnte sich die Lage stark verändern. Dann verfallen fast 700 000 Verkaufsoptionen auf VW-Stammaktien, eine enorme Summe. Porsche dürfte viele davon verkauft haben, es müsste die Aktien annehmen, wenn die Verkaufoptionen ausgeübt würden. Allerdings liegen die Ausübungspreise der Optionen im Durchschnitt weit unter dem aktuellen Kursniveau der VW-Stammaktien. Es ist daher derzeit unwahrscheinlich, dass die Verkaufsoptionen ausgeübt werden.

Hohe Buchgewinne

Sind die Optionen verfallen, ohne dass Porsche die Aktien zurücknehmen muss, könnte es auch seine Calls verkaufen, da es unwahrscheinlich geworden ist, dass es die Aufstockung des VW-Anteils auf 75 Prozent noch finanzieren kann. Ob Porsche damit einen Gewinn macht, ist nicht sicher. Derzeit hat es zwar hohe Buchgewinne, weil der Aktienkurs weit über dem wahrscheinlichen Ausübungspreis der Calls liegt. Den vermuten Analysten zwischen 110 und 130 Euro.

Ein Verkauf der Optionen müsste aber vermutlich den Banken vorher angekündigt werden. Die Banken wären dann nicht mehr gezwungen, die Aktien zu halten und könnten sie auf den Markt werfen. Das würde starken Druck auf die Stammaktien ausüben. Ihr Kurs könnte unter 100 Euro rutschen, und auch der Wert der Optionen würde noch vor dem Verkauf durch Porsche verfallen. Porsche hätte dann ein schlechtes Geschäft gemacht. Das Unternehmen selbst sagt, es wolle seine Calls behalten. Aber es wäre nicht das erste Mal, wenn es die Märkte in die Irre führte.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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