24.04.2004 · Psychologie der Geldanlage
FRAGE: Herr Schlatter, wie nutzen Sie die Erkenntnisse der Behavioral Finance für Ihren Fonds?
ANTWORT: Sind Anleger sehr optimistisch, kaufen sie Wachstumsaktien, die von guten Zukunftsaussichten profitieren. Macht sich Unsicherheit an der Börse breit, wie im Moment, werden Substanzwerte bevorzugt, also stabile Firmen mit gesunden Bilanzen. Die Gefühlslage der Anleger und der Investmentstil entscheidet über den Anlageerfolg.
FRAGE: Wie finden Sie heraus, welcher Stil gerade gefragt ist?
ANTWORT: Die meisten Fondsmanager konzentrieren sich auf Wirtschaftsdaten, um herauszufinden, ob sich die Konjunktur aufhellt. Wir machen das anders. Es genügt nicht, zu erkennen, ob die Wirtschaft expandiert oder nicht. Wir möchten wissen, wie sich die Investoren die Zukunft vorstellen, ob ihre Stimmung positiv oder negativ ist. Dabei helfen uns Sentimentindikatoren. Je besser die Stimmung, desto mehr Wachstumstitel sind im Fonds.
FRAGE: Und wie wählen Sie dann die einzelnen Aktien aus?
ANTWORT: Bei der Suche nach den besten Repräsentanten für einen Stil hilft uns der Computer. Substanzwerte sollten vor allem billig sein und eine hohe Dividendenrendite zahlen, Wachstumswerte durch eine hohe Gewinndynamik überzeugen. Es nützt aber nichts, die besten Aktien im Depot zu haben, wenn Sie der einzige sind, der eine Firma als Perle erkannt hat. Geld verdienen sie nur, wenn auch andere den Wert attraktiv finden und kaufen. Hier hilft wieder die Behavioral Finance. Momentumindikatoren signalisieren, ob ein Titel gerade gefragt ist. Sie geben Aufschluß über Tempo und Kraft einer Kursbewegung. Ein hohes Momentum ist gut, flacht es ab, findet die Mehrheit der Investoren eine Aktie nicht mehr reizvoll. Dann ziehen auch wir uns zurück.
FRAGE: Haben Sie ein Beispiel dafür?
ANTWORT: Besonders schön ist die Puma-Aktie. Der Titel rutschte 2001 auf einen Tiefststand von zwölf Euro, heute kostet er 210 Euro, eine unglaubliche Entwicklung. Der Sportartikelhersteller steigerte praktisch jedes Quartal seinen Gewinn, und der Aktienkurs kletterte auch. Die meisten Menschen schrecken davor zurück, eine Aktie zu kaufen, deren Kurs sich bereits verdoppelt hat. Und sie verkaufen schon nach den ersten kleinen Gewinnen. Das ist ein großer Fehler. Positive Trends dauern viel länger, als die meisten Investoren annehmen. Wir haben im Kursaufschwung sogar noch Puma-Aktien nachgekauft.
FRAGE: Wann ist es Zeit zu verkaufen?
ANTWORT: Verluste begrenzen wir sehr konsequent. Das unterscheidet uns vom durchschnittlichen Investor, in dessen Portfolio sich die Leichen häufen. Wir verkaufen Verlierer lieber und investieren in Gewinner. chf.