24.01.2004 · Wer den Süden gedanklich wirklich erfassen will, darf nicht haltmachen in Bayern oder Baden-Württemberg. Klar, laut Iglu-Studie liegt dort der Intelligenzquotient selbst der kleinsten Kinder schon bei durchschnittlich 155 - und entsprechend ...
VON CLAUDIUS SEIDL
Wer den Süden gedanklich wirklich erfassen will, darf nicht haltmachen in Bayern oder Baden-Württemberg. Klar, laut Iglu-Studie liegt dort der Intelligenzquotient selbst der kleinsten Kinder schon bei durchschnittlich 155 - und entsprechend ist das Volkseinkommen so hoch, daß in Stuttgart die Straßen mit Blattgold überzogen sind; und jeder Münchner besitzt außer einem Porträt von Franz Josef Strauß und einer Biographie Ludwigs II. auch eine 250 Quadratmeter große Eigentumswohnung als Altersvorsorge. Aber manchmal regnet es auch in Bayern, und in Baden sprechen die Leute badisch und in Württemberg schwäbisch, was schon schlimm genug ist, und wenn man direkt vor den Alpen steht (die das sogenannte Hamburger Wochenblatt einmal "arrogant" nannte), dann will man nicht bloß hinauf, sondern hinüber, in jene südlicheren Gegenden, nach denen wir uns seit mehr als zweitausend Jahren sehnen. Insofern kommt uns die Nachricht ganz recht, wonach die Bevölkerung Italiens dramatisch schrumpfe - bald werde es nur noch zehn Millionen Italiener geben. Wozu man, als Barbar und Germane nur sagen kann: Na bitte, dann ist da ja noch Platz für uns. All die Langobarden, Ostgoten, Westgoten: Sind die jemals wiedergekommen? Wir sollten die Völkerwanderung als unabgeschlossenes Projekt betrachten und uns in Genua und Neapel schon mal die Claims abstecken. Über kurz oder lang werden wir alle dort wohnen - auch die Zahl der Deutschen schrumpft; in fünfzig Jahren passen alle sehr gut in die freigewordenen Wohnungen Italiens. Wer wird dann aber noch in Deutschland leben? Die ersten Wölfe, heißt es, sind schon da, und bald wird wieder Wald wachsen, wo gestern noch Wuppertal war.