26.09.2004 · Das Leben schreibt die unglaublichsten Geschichten, und die verrücktesten spielen sich oft in der eigenen Familie ab. David Sedaris hat es gewagt, die ganz privaten Komödien und Tragödien seiner Sippe öffentlich zu machen, und ist damit berühmt geworden.
Das Leben schreibt die unglaublichsten Geschichten, und die verrücktesten spielen sich oft in der eigenen Familie ab. David Sedaris hat es gewagt, die ganz privaten Komödien und Tragödien seiner Sippe öffentlich zu machen, und ist damit berühmt geworden. Der 47 Jahre alte, in Paris und London lebende Amerikaner gilt als einer der brillantesten Humoristen seines Landes und wird in seiner Heimat in einem Atemzug mit Mark Twain und Woody Allen genannt. Nach einer Lesung aus seinem jüngsten Buch "Dress Your Family in Corduroy and Denim" (auf deutsch: "Nachtprogramm", Heyne Verlag) im English Theatre in Frankfurt mußte Sedaris wie nach fast jedem seiner Auftritte die Frage beantworten, wie seine Familie auf die öffentliche Bloßstellung reagiere. Er schicke seine Kurzgeschichten vor der Veröffentlichung immer zum Gegenlesen an die Verwandten, die darin vorkämen, sagte der Autor. Die seien aber inzwischen schon einiges gewohnt und ziemlich hart im Nehmen. Seine Schwester Tiffany zum Beispiel hat Sedaris zufolge nichts dagegen einzuwenden, daß inzwischen Hunderttausende von Lesern wissen, daß sie sich, wenn sie beim Telefonieren auf der Toilette unter großem Druck stehe, gern mit der Erklärung "Ich versuche gerade, den Deckel von einem Glas zu lösen" aus der Affäre zieht. Nur einmal habe er auf einen Einspruch seines Vaters hin etwas geändert: Sein in North Carolina lebender Bruder Paul nenne praktisch jeden, den er kenne, "nigger", selbst seinen Vater. Das sei zwar keineswegs rassistisch gemeint, behauptet David Sedaris, aber er habe sich davon überzeugen lassen, daß das möglicherweise nicht jeder Außenstehende so verstehen werde. Nach Deutschland kommt er stets besonders gern, denn dies sei ein "Paradies für Kuchenliebhaber" wie ihn. Kein Wunder also, daß Sedaris auch zur Buchmesse wieder in Frankfurt sein wird.
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Ob auch der Bush-Clan hart im Nehmen ist, wird sich erst noch herausstellen - spätestens wenn George W. die amerikanische Präsidentenwahl im November verliert und wie sein Vater die Wiederwahl verpaßt. "Oh, er würde es hassen, zu verlieren", weiß jedenfalls seine Tante. Aber damit es gar nicht erst soweit kommt, daß der "kleine George" ebenso als "One-term-President" in die Geschichte eingeht wie der "große George", macht Nancy Bush Ellis Wahlkampf für ihren Neffen. Nicht daheim, sondern im alten Europa: Neben London und Paris ist sie in dieser Woche auch nach Frankfurt gekommen, um ihre Landsleute zur Wahlregistrierung zu ermuntern. "Es war doch sooo knapp beim letzten Mal." Über Politik spricht die elegante Achtundsiebzigjährige dagegen eher weniger. Höchstens darüber, daß ein Präsident "leadership" zeigen müsse, auch in schwierigen Zeiten, und daß sie das dem anderen Kandidaten, diesem John Kerry, nicht zutraue. Der stamme zwar wie sie von der Ostküste, sei aber nicht besonders vielversprechend, befindet die alte Dame, die sich schon in den Kampagnen für ihren Bruder kräftig engagiert hat. "Das ist in unserer Familie ganz normal." Und so hat sie über ihren Neffen natürlich nur Gutes zu sagen: Schon als Kind sei George W. so aufgeweckt, gescheit und fröhlich gewesen. "Sie werden mich nicht dazu bringen, auch nur ein schlechtes Wort über ihn zu sagen", gibt Tante Nancy den Reportern zu verstehen, die sie in ihrer Hotelsuite um sich versammelt hat. Wer wünscht sich nicht solche Verwandte? ler./bad.