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EU bekommt nur ein halbes Zypern

24.04.2004 ·  Insel-Griechen kontra, Türken pro Wiedervereinigung. Votum belastet Beitritt zur Union

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Von Werner Adam
Nikosia. Nur das halbe Zypern wird zu den zehn Neuzugängen der Europäischen Union zählen. Eine Wiedervereinigung der seit dreißig Jahren geteilten Inselrepublik haben die Zyperngriechen am Samstag durch ein erdrückendes Nein zu dem Plan des UN-Generalsekretärs Kofi Annan verhindert. Der Plan sah ein autonomes Nebeneinander mit den Inseltürken nach Schweizer Kantonsmodell vor. Letztere hingegen sprachen sich in einer separaten Volksabstimmung kaum weniger deutlich für eben dieses Vorhaben aus und hoffen nun, nachdem sie im Sinne der Vereinten Nationen, Amerikas und der EU gehandelt haben, aus ihrem isolierten Dasein erlöst zu werden.
Die von dem türkischen Volksgruppenführer Rauf Denktasch lange Zeit gleichsam im Alleingang regierte "Türkische Republik Nordzypern" war international nie anerkannt worden. Denktasch kämpfte bis zuletzt zwar ebenfalls für ein Nein zur Wiedervereinigung, wurde dabei aber weder von seinen Landsleuten noch von der Regierung in Ankara länger hinreichend unterstützt. Paradoxerweise könnte sich sein Traum von einer völkerrechtlich verankerten eigenen Republik doch noch erfüllen, denn nachdem die Inseltürken mit ihrem Votum zur Überwindung der Teilung bei den Inselgriechen auf harsche Ablehnung gestoßen sind, ist eine Anerkennung ihrer eigenen sogenannten Republik durch andere Staaten nicht mehr auszuschließen.
Daß nun allein der griechische Teil der Insel in die EU aufgenommen wird, macht aus Zypern alles andere als ein willkommenes Mitglied. Das hatten die Brüsseler Kommission und das Europäische Parlament dem zyprischen Präsidenten Tassos Papadopoulos vor dem Referendum warnend zu verstehen gegeben, um ihn doch noch davon abzuhalten, seine Landsleute auf ein "kategorisches Nein" festzulegen. Dieser Versuch mißlang jedoch so gründlich, daß EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen dem zyprischen Präsidenten unumwunden vorwarf, ihn hinters Licht geführt zu haben. Tatsächlich hatte Papadopoulos wieder und wieder beteuert, die Aufnahme Zyperns in die EU mit allen erdenklichen Bemühungen um eine vorherige Wiedervereinigung der Insel zu honorieren. Offenbar aber gab er diese Versicherung in der Gewißheit ab, der türkische Volksgruppenführer Denktasch werde in seiner ablehnenden Haltung schon dafür sorgen, daß er, der griechisch-zyprische Präsident, nicht beim Wort genommen werde.
Als in der Türkei und damit auch im türkischen Teil Zyperns jedoch jene Kräfte die Oberhand gewannen, die ein vereinigtes Zypern in die EU aufgenommen sehen wollten, mußte Papadopoulos Farbe bekennen - und redete den Inselgriechen ein, der Annan-Plan richte sich nahezu gegen alles, was ihnen lieb und wert sein müsse. Seine Rechnung ging nun auf. Aber um welchen Preis? Papadopoulos ist sich nach eigenem Bekunden zwar im klaren darüber, daß es "gigantischer Anstrengungen" bedarf, um das von ihm durchgesetzte Nein der EU zu erläutern. Allerdings sucht er seine Landsleute zugleich glauben zu machen, wenn Zypern erst einmal der EU angehöre, werde ein Einvernehmen mit der türkischen Seite zu besseren Bedingungen für die griechische eher zu erreichen sein. Realistischer sind da wohl seine Widersacher, die sich mit ihrem Ja zum Annan-Plan gegen die auf Nein programmierte gesamte Regierungs- und Staatsmaschinerie freilich nicht durchzusetzen vermochten. Zypern, so sagte einer seiner früheren Präsidenten, werde nun das am wenigsten geschätzte unter allen neuen EU-Mitgliedern sein.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.04.2004, Nr. 17 / Seite 2
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