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Energieverbrauch: 20000000 Kalorien

10.07.2005 ·  Der Frankfurter Ironman in Zahlen

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von frank neumann


ANTWORT: Mal ehrlich. Unnützes Wissen ist doch das schönste. Und unglaublich weit verbreitet. Auch wenn es kein Mensch braucht. Außer man sitzt gerade bei Günther Jauch im Fernsehstudio oder spielt an Silvester mit Freunden Trivial Pursuit. Fakten, die niemand wissen muß, hat besonders der Sport reichlich zu bieten. Das ist bei einem Ironman nicht anders. Deshalb nun das Ausdauerspektakel als Zahlenwerk.

Zuerst noch einmal zur Erinnerung, auch wenn es derzeit überall zu lesen ist. Einen Ironman zu absolvieren bedeutet, 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch einen Marathon laufen; also 42,195 Kilometer zu Fuß. Das ist schon beeindruckend, wenn man überlegt, daß sich 2000 Athleten das freiwillig antun. Und es wären sogar noch viel mehr gewesen, die circa 400 Euro Startgeld bezahlt hätten, wenn das Teilnehmerfeld nicht limitiert wäre. Schon im Oktober des letzten Jahres waren alle Plätze ausverkauft.

Damit hören die Zahlenspiele noch lange nicht auf. Der Ironman Germany kostet vor allem viel Geld. 2,1 Millionen Euro beträgt der Etat, den der Veranstalter Kurt Denk aufbringen muß. 100000 Euro kosten Polizei und Ordnungskräfte, und weitere 30000 Euro steuern die Straßenbehörden hinzu. Für 200000 Euro sind rund um das Ziel am Frankfurter Römerberg Tribünen und die Infrastruktur entstanden. Und allein die Abfallbeseitigung wird mit 40000 Euro veranschlagt. Aber die Wirtschaft der Stadt profitiert ja auch. 6200 Übernachtungen haben die Hotels der Region registriert. Daß der Dollar wieder leicht gestiegen ist, wird vor allem die Sieger freuen, die insgesamt 50000 Dollar mit nach Hause nehmen dürfen. Diese Summen könnten die teilnehmenden Männer und Frauen aus 41 Nationen freilich locker aufbringen, sollten sie sich entschließen, ihre Fahrräder zu verkaufen. Die guten Stücke werden am Langener Waldsee nicht nur gut beschützt, um Sabotageakte gemeiner Konkurrenten zu verhindern. Der Gesamtwert der Carbon- und Alurenner wird auf sechs Millionen Euro geschätzt. Und die Menschen, die dort für die Sicherheit sorgen, sind nur einige wenige von 3800 Freiwilligen und Helfern, die für die Organisation und das Wohlbefinden der Athleten zuständig sind und insgesamt 30000 Arbeitsstunden leisten. Angeblich sind an diesem Sonntag mehr Helfer aktiv als beim gesamten Confederations Cup.

Egal, ob man wie die Schnellsten etwas länger als acht Stunden braucht oder als Letzter um 23 Uhr nach 16 Stunden die Ziellinie auf dem Römer überquert, kräftezehrend ist das Unterfangen für alle. Zusammengenommen verbrennen die Athleten etwa 20000000 Kalorien an ihrem "längsten Tag des Jahres". Das muß beim Rennen natürlich wieder reingeholt werden. Zehn Verpflegungsstellen stehen entlang der Strecke. Jeweils 15000 Sportriegel und Kohlenhydratgels sorgen für den schnellen Energienachschub, verteilt werden außerdem 14000 Bananen, 8500 Äpfel, 5000 Orangen, 3000 Laib Brot, 1500 Birnen, 500 Zitronen. Wassermelonen, Weintrauben, Trockenobst und Studentenfutter kommen zusammen auf stattliche 600 Kilogramm. Und falls es wider Erwarten doch sehr heiß werden sollte, ist auch für ausreichend Flüssigkeit gesorgt: 20000 Erfrischungsschwämme und 60000 Liter zum Trinken. Das sind 28000 Liter Mineralwasser, jeweils 10000 Liter Cola und Apfelsaftschorle, 9000 Liter isotonische Sportgetränke und 3000 Liter von dem Getränk, das angeblich Flügel verleiht. Ausgegeben wird das alles in 22000 Getränkeflaschen und 180000 Getränkebechern.

Der Marathon als das ultimative Leistungsziel eines Hobbyathleten, das war einmal. Heutzutage muß es schon ein Ironman sein. Nur 18 Profis sind unter den Startern, die übrigen sind Amateursportler, die sich mindestens 12 Monate lang intensiv darauf vorbereiten müssen. Mit weniger als 20 Stunden Training pro Woche ist das kaum zu schaffen. Wieviel Familienkrisen es deshalb gegeben hat, ist freilich nicht bekannt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.07.2005, Nr. 27 / Seite R8
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