09.12.2006 · Wer alles an den Lotto-Milliarden verdient
Matthias Hoffmann vom Botanischen Garten in Halle weiß, was er am Glücksspiel hat. Geld, unter anderem von der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, hat dafür gesorgt, daß das große Tropenhaus für 200 000 Euro saniert werden konnte. "Damit sind die bis zu 150 Jahre alten Pflanzen gerettet."
Ein kleines Beispiel aus dem Riesenreich der Lottoprofiteure. Wenn bis zu 25 Millionen Deutsche Woche für Woche für ihre sechs Kreuze im 49er-Zahlenfeld bezahlen, freuen sich am Ende nicht nur die Sechser-Tipper. Der Geldsegen kommt Bundesländerhaushalten genauso zugute wie sozialen Einrichtungen. Auch Privatunternehmen haben als Lottovermittler etwas davon - und nicht zuletzt die Lottoverwaltungen.
Im Detail teilen sich die Lottomillionen so auf: Nur 50 Prozent der Einnahmen fließen an die Spieler zurück. Fast ein Viertel sind sogenannte Konzessionsabgaben, mit denen die Bereiche Kultur, Sport, Umwelt und Jugend gefördert werden. 16,7 Prozent dürfen die Länder als Lotteriesteuer direkt vereinnahmen, 7,5 Prozent erhalten die Annahmestellen als Provision, 2,8 Prozent werden für die Lotto-Verwaltung abgezweigt.
Rund acht Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für das Lotto- und Toto-Glück aus. Der Betrag hängt stark davon ab, wie hoch die Jackpots sind, also die angesammelten Gelder aus nicht besetzten Gewinnklassen. Beim Rekordjackpot im Herbst jagte das "Lottofieber" auch die Einnahmen in die Höhe. Das Geld gilt den Finanzministern zwischen Schwerin und München inzwischen als fester Posten, mit dem sich sicher rechnen läßt. In einem internen Papier äußerten die Chefs der Staatskanzleien ihre Sorgen vor privater Konkurrenz. Neue Lotterien würden die Einnahmesituation der Länder verschlechtern, hieß es dort.
Nur wenige Privatunternehmen können sich ein Stück vom großen staatlichen Lottokuchen abschneiden. Dazu gehören Firmen wie Faber, Fluxx oder Tipp24. Sie bieten selbst keine Wetten an, sondern vermitteln Spieler bundesweit gegen Provision an die staatlichen Lotteriegesellschaften. Alleine Faber hat 300 000 bis 400 000 Spieler in seiner Datei, die im Schnitt rund zehn Euro pro Woche einsetzen. Das Geschäft läuft - solange der neue Staatsvertrag den Vermittlern keinen Strich durch die Rechnung macht. Ein Lotto-Werbeverbot wäre "für uns mit Sicherheit das Aus", fürchtet Faber.
Weniger Sorgen machen müssen sich die Lotto-Verwalter. "Wer bei Lotto schafft, hat Glück gehabt", lautet ein feinsinniges Bonmot von Insidern. Hin und wieder erfährt die Öffentlichkeit, was damit gemeint ist. Rechnungsprüfer entdeckten in den neunziger Jahren in Baden-Württemberg, wie gut es sich die Spitzenfunktionäre gehen lassen. Mit dem Spielgeld wurden dicke Jahrespensionen finanziert, Luxusreisen mit der Gattin, ein 70 000 Mark teurer Steinway-Flügel und eine edle Kunstsammlung.
Dann ist vom Lottoklüngel die Rede: Die Lottoaufsicht, also die Finanzministerien, sind über jeden Euro froh, den sie aus dem Glücksspiel erhalten. Warum also meckern. Und verdiente Politiker werden gerne mit einem lukrativen Posten in den staatlichen Lotteriebetrieben belohnt. Ein Spiel mit lauter Gewinnern - fast. tih.