15.01.2005 · George Bush feiert zum zweiten Mal: In vier Tagen ist Washington wieder die Metropole der Präsidenten-Bälle.
Von Katja Gelinsky
Amerikanische Gastgeber lassen ihre Besucher häufig schon auf der Einladungskarte wissen, wann sie wieder nach Hause gehen sollen. Ausländer mögen das unhöflich finden, aber so sind die Gepflogenheiten nun einmal. Da bilden die Bälle, die in dieser Woche die feierliche Vereidigung von George W. Bush zum 55.Präsidenten der Vereinigten Staaten begleiten, keine Ausnahme. Um 19 Uhr geht es los, und um ein Uhr müssen die Säle geräumt werden. Und das ist schon ziemlich spät für Washingtoner Verhältnisse.
Die Zeiten, in denen George W. Bush nächtelang Parties feierte, sind lange vorbei. Er liebt es ja eher bodenständig-schlicht. Das bestätigte erst kürzlich wieder die Vorsitzende des Festkomitees, Jeanne Phillips. Sie konnte sich nicht erinnern, daß Bush andere Leibspeisen habe als Gegrilltes und Erdnußbuttertoast mit Fruchtgelee. Frau Phillips weiß auch zu berichten, daß Tanzen nicht gerade Bushs Leidenschaft ist. Lieber schaue er sich ein Baseballspiel im Fernsehen an.
Den Beginn seiner zweiten Amtszeit will der amerikanische Präsident aber gleichwohl glanzvoll feiern: Mit neun Bällen, festlichen Abendessen und Empfängen, einem Jugendkonzert und natürlich der traditionellen Parade nach der Vereidigung. Die Rechnung für die Festlichkeiten - 40 Millionen bis 50 Millionen Dollar, die Kosten für die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen nicht eingerechnet - wird von Firmen, Unternehmenschefs und Privatleuten bezahlt, die dem Präsidenten und den regierenden Republikanern angenehm in Erinnerung bleiben wollen. Denn anders als bei den Präsidentenwahlen, wo die Einzelspende auf 2000 Dollar beschränkt war, darf nun zur Vereidigung geklotzt werden: Wer willens und in der Lage ist, kann bis zu 250000 Dollar geben. Dafür werden Großspender wie der texanische Ölbaron Boone Pickens oder der Kasino-Mogul Sheldon Adelson aus Las Vegas, der mit seiner Frau Miriam eine halbe Million Dollar überwies, mit der Nähe zur Macht belohnt. Sie dürfen zum Beispiel an den Candlelight-Dinners mit dem Präsidenten- und Vizepräsidentenpaar teilnehmen.
Auch auf dem "Black Tie and Boots Ball", der von Bushs Heimatstaat Texas organisiert wird, werden sich der Präsident und seine Frau sehen lassen. Die Karten für den "Frack- und Cowboystiefel-Ball" sind längst vergeben, einige angeblich zum Preis von 1300 Dollar. Als Gegenleistung bekommen die Gäste den früheren Mann der Hollywoodschauspielerin Julia Roberts, den Country-Sänger Lyle Lovett, auf der Bühne zu sehen.
Immerhin gibt der Winter in Washington texanischen Damen Gelegenheit, zur Amtseinführung des Präsidenten ihre Pelze spazierenzuführen. Zuweilen werden dabei jedoch wunderliche Wünsche vorgetragen. So bat vor vier Jahren eine Bush-Anhängerin aus Texas, die im "Ritz-Carlton" logierte, der Concierge möge sich mit ihrem Pelzmantel im Schnee wälzen, da ein derartiges Naturerlebnis besonders gut für den kostbaren Mantel sei. Der Hotelangestellte ließ eine passend gebaute Kollegin kommen, die dem Wunsch gern entsprach. Schließlich bezahlen Gäste, die im "Ritz-Carlton" im Stadtteil Georgetown das Übernachtungspaket zur Amtseinführung des Präsidenten buchen, 150000 Dollar. Dafür müssen sie ihre Koffer für den viertägigen Ausflug nach Washington nicht selber packen. Das erledigt ein Butler, der ein Kofferset im Wert von 20000 Dollar mitbringt.
Gehörig gescholten wurde das Festkomitee von der christlichen Rechten, als den religiösen Konservativen Pläne über den Auftritt des Rappers Kid Rock zu Ohren kamen. Randy Thomasson, den Präsidenten des Familienverbandes "Campaign for Children and Families", erfüllt schon die Vorstellung, daß dort dieses "sexbesessene Tier" auftreten könnte, das vulgäre Lieder singt und dabei selbst vor einer Verunglimpfung der Präsidentenmutter Barbara Bush nicht zurückschrecke, mit Abscheu. Seine öffentliche Empörung hat offenbar gewirkt. "Kid Rock wird nicht auftreten", teilte das Festkomitee nun mit.