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Die Finanzinvestoren müssen reparieren

16.02.2008 ·  In der Welt der Private Equity läuft es nicht. Ihre Unternehmen brauchen frisches Geld. Und entlassen ständig ihre Chefs.

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Von Tim Höfinghoff

Gut sieht es nicht aus für die Werkstatt-Kette Autoteile Unger (ATU). Das Unternehmen hatte zwar bis Ende 2007 einen Werbevertrag mit Rennfahrer Michael Schumacher, der per Fernsehspot für Aufmerksamkeit sorgte. Doch die Firma aus Weiden in der Oberpfalz kommt nicht auf die Beine.

Ein erster Finanzinvestor hat sich daran versucht, dann ein zweiter, der avisierte Börsengang fiel aus. Und jetzt häufen sich schon wieder die schlechten Nachrichten: Gewinneinbruch, Zwist über die Strategie. Ein neuer Chef, geholt von Volkswagen, soll die Wende bringen. Die Kette, die 2004 vom amerikanischen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) übernommen wurde, ist hoch verschuldet. 800 Millionen Euro Verbindlichkeiten sollen es angeblich sein. ATU braucht dringend frisches Geld, um die Gläubiger zu bedienen. KKR muss nachschießen, angeblich einen dreistelligen Millionenbetrag. Dies wird KKR nicht arm machen, aber solche Aktionen tätigen Finanzinvestoren nur ungern. "Wenn Private-Equity-Gesellschaften bei ihren gekauften Unternehmen ungeplant nachträglich Eigenkapital bereitstellen müssen, dann sinken normalerweise ihre Erträge", sagt Peter Laib, Private-Equity-Experte beim Dachfondsanbieter Adveq.

ATU ist kein Einzelfall. Die Zeiten werden rauher für Finanzinvestoren, die gerne als Heuschrecken gescholten werden: Firmen, die sich im Besitz dieser Investoren befinden, sind zunehmend durch ihre hohe Schuldenlast gefährdet. Zusätzliche Mittel werden nötig.

Eine Untersuchung der Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko eines Zahlungsverzuges bei den hochverschuldeten Firmen steigt. Grund dafür sind der Konjunkturabschwung und verschärfte Kreditkonditionen. 53 Prozent der von Private-Equity-Firmen gekauften europäischen Unternehmen hinken ihren Ergebnisprognosen hinterher, lautet das Fazit der Studie. Sie könnten nicht wie geplant ihre Schulden abbauen.

Das betrifft einen wichtigen Aspekt im Private-Equity-Geschäft: Die gekauften Unternehmen wurden in der Regel beladen mit Krediten. Wenn die Firmen saniert, reformiert und gut dastehen, zahlen sie ihre Schulden ab.

Private-Equity-Häuser brauchten in den Boomzeiten kaum Eigenkapital einzusetzen, um die Firmen-Deals zu finanzieren. Kredite waren einfach zu bekommen. Doch mit der Finanzkrise ist das Übernahmegeschäft durch Beteiligungsfirmen fast zum Erliegen gekommen. "Die Zeiten, in denen Private-Equity-Häuser bei ihren Käufen wenig Eigenkapital mitbringen mussten und schnell hohe Renditen erzielten, sind vorbei", sagt Laib.

Wenn Firmen wie ATU nun die mit den Kreditgebern vereinbarten Ziele nicht einhalten können, ist eine Refinanzierung nötig. Am kommenden Freitag legt die Werkstattkette in London ihren Gläubigern ein Sanierungskonzept vor, ausgearbeitet vom neuen Chef Michael Kern und der Investmentbank Goldman Sachs.

Die Zeit drängt. ATU-Eigentümer KKR muss schon länger fürchten, dass Hedge-Fonds Verbindlichkeiten der Werkstattkette übernehmen. "Sie wittern die Gelegenheit, die Schulden zu kaufen und Besitzer wie KKR unter Druck zu setzen", sagt ein Private-Equity-Kenner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Überdies hätte KKR ein Imageproblem, wenn sie ATU an die Wand fahren lassen. Die Investoren betonen daher, dass sie zu ihrem "Investment stehen". Positiver Nebeneffekt: Das sonst so schlechte Image der Heuschrecken, die sich lediglich am Ausweiden von Unternehmen erfreuen, prallt derzeit an KKR eher ab. Motto: Wir kümmern uns schließlich.

Die S&P-Studie zeigt, dass ATU nicht allein ist mit seinen Problemen. In der Finanzinvestoren-Branche munkeln viele, dass es bald auch den Kunststoff-Folienhersteller Klöckner Pentaplast treffen könnte, der Blackstone gehört. "Da läuft es nicht rund", sagt einer, der sich auskennt, "noch ist aber unklar, ob man bei denen auch Geld nachschießen muss." Die Gefahr jedenfalls bleibe, dass das Unternehmen Kreditvereinbarungen breche und Blackstone einspringen müsse.

Die Unruhe ist groß in etlichen Firmen, die in der Hand von Private Equity sind. Das trifft

auf Debitel zu, den kriselnden Mobilfunkanbieter und das ständige Sorgenkind im Portfolio von Finanzinvestor Permira. "Die wären längst kaputt, wenn sie Permira nicht hätten", lästert man in der Branche. Viele der betroffenen Unternehmen reagieren aktionistisch - und wechseln den Chef. Debitel etwa hat innerhalb von acht Jahren mit Oliver Steil schon den fünften Konzernchef.

Vergangene Woche verlor zudem der Hugo-Boss-Vorstandschef Bruno Sälzer seinen Job, weil er Streit hatte mit dem neuen Eigentümer Permira: wegen der künftigen Ausrichtung des Modekonzerns. Ähnlich klang die Begründung für den Chefwechsel im Brillenkonzern Rodenstock, wo ebenfalls Finanzinvestoren das Sagen haben. Auch bei dem Warenhauskonzern Hertie rumort es, Hertie-Chef Kay Hafner musste gehen, nachdem die Sanierung der ehemaligen Karstadt-Kaufhäuser nicht nach den Vorstellungen der britischen Eigentümer läuft. "Die kriegen ein Problem, wenn sich die Konjunktur verlangsamt", heißt es in der Private-Equity-Branche.

Trotzdem geben sich die Investoren zuversichtlich, ihr Geschäft werde sich erholen. "Die großen Megadeals finden zurzeit nicht statt", sagt Peter Laib von Adveq. "Doch die Private-Equity-Branche hat keine Probleme, weiterhin viel Geld für ihre Fonds einzusammeln."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.02.2008, Nr. 7 / Seite 42
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