14.10.2007 · Roland Koch diskutiert auf der Buchmesse über die Zukunft Tibets und lobt die Kanzlerin.
ler. Frankfurt. Die Hoffnung des Dalai Lama auf eine Rückkehr in seine Heimat Tibet ist nach Ansicht von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) keine Illusion. Für die chinesische Führung sei der inzwischen Zweiundsiebzigjährige ein kalkulierbarer Partner, der längst nicht mehr nach territorialer Unabhängigkeit Tibets, sondern lediglich nach kultureller und religiöser Selbstbestimmung für sein Volk strebe, sagte Koch, der seit Jahren mit dem Dalai Lama befreundet ist, gestern bei einer Diskussion auf der Frankfurter Buchmesse. Die klaren Worte des Gottkönigs, Friedensnobelpreisträgers und Freiheitspredigers ("Vielleicht gibt es nach mir keinen Dalai Lama mehr") seien daher eine kluge und weise Mahnung an die kommunistischen Machthaber, sich mit der Lösung der Tibet-Frage nicht zu viel Zeit zu lassen.
Erich Follath, "Spiegel"-Autor und Verfasser des Buches "Das Vermächtnis des Dalai Lama" (Collection Rolf Heyne, 19,90 Euro), pflichtete Koch bei. Was nach dem Tod des streng auf friedliche Mittel setzenden Religionsführers kommen werde, sei äußerst ungewiss. Im schlimmsten Fall gewaltsamer Widerstand der Tibeter, und das sei das Letzte, was die chinesischen Machthaber sich wünschen könnten.
In diesem Sinne sei auch das Si-
gnal, das Angela Merkel mit dem Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt ausgesandt habe, ungeheuer wichtig, sagte Koch. Der Westen dürfe in seinen Forderungen nach religiöser Selbstbestimmung und kultureller Freiheit der Tibeter im chinesischen Staatsgefüge nicht nachlassen. Befürchtungen, die Beziehungen Berlins zu den Kommunisten in Peking könnten dauerhaft leiden, halte er für übertrieben. Die Chinesen bräuchten Deutschland und Europa als Partner, "sie wollen keine Eiszeit".
Die Gelassenheit des Dalai Lama, so Koch, entspringe aus der Gewissheit, dass es den Kommunisten nicht gelingen werde, sich kommunistische Buddhisten zu erziehen. Die Tibeter führten als einziges unterdrücktes Volk einen weltweiten Kampf ausschließlich mit friedlichen Mitteln. Seiner Ansicht nach wäre es eine schreckliche
Botschaft an den Rest der Welt, wenn dieser Kampf verlorenginge.