22.11.2003 · Es ist eine Plage: Spam-Mails müllen das Postfach des Computers zu. Die Messe Comdex bietet jetzt bessere Filter zum Schutz. Und vieles andere mehr.
Von Raymond Wiseman
Der Schlüssel zur Comdex ist die alljährliche Keynote von Bill Gates, die in diesem Jahr eindeutig auf Geschäftskunden ausgerichtet war. Hauptthema waren die Sicherheit im Netzwerk und der Schutz vor unerwünschten Mails, sogenanntem "Spam". Was für den Endanwender Ärgernis und Gefahr bedeutet, richtet in Firmen unternehmensweite Schäden an. So kostet die Bearbeitung von Spam-Mails nicht nur Zeit, sondern bietet auch ein Einfallstor für Viren und andere schädliche Programme. Microsoft arbeitet zur Zeit an der sogenannten Smartscreen-Technik. Sie soll mit Adreßlisten, Regeln und den Rückmeldungen betroffener Anwender ein immer feineres Netz spinnen, das nur noch erwünschte Nachrichten passieren läßt. Das neue Outlook 2003 läßt bereits erkennen, wie leistungsstark solch ein Anti-Spam-Schutz arbeiten kann. Vom nächsten Jahr an soll die Smartscreen-Technik im Exchange-Mail-Server und im Internet-Service Hotmail dem Anwender mehr Sicherheit bieten.
Die Zukunft liegt im Netzwerk und im Internet. Dieser Ansicht ist auch Scott McNealy, CEO von Sun und streitbarer Widersacher von Microsoft. Dies wundert nicht, ist das Internet doch eindeutig ein Geschäftsfeld, das Sun ausgesprochen erfolgreich bearbeitet. Daß Sun nicht nur bei seinen Rechnern und Betriebssystemen interessante Alternativen bietet, zeigt nicht zuletzt Star Office 7. Es bietet mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und vielem mehr eine umfassende Softwarelösung für Büroanwendungen, die den Vergleich mit der Konkurrenz nicht zu scheuen braucht. Es bleibt allerdings Zugabe zum umfassenden Netzwerk-Portfolio von Sun.
Doch nicht nur die Server und PCs beherrschen heute die Netze. Dank drahtloser Vernetzung hat der Besitzer von Kleinstrechnern mit Palm- oder Pocket-PC-Betriebssystemen seine Daten stets auf dem aktuellen Stand. Palmsource will das neue Betriebssystem Palm OS 6 in Kürze den Herstellern zur Verfügung stellen und zielt hierbei ausdrücklich auch auf den Markt der Mobiltelefonie. Wer es gern größer mag, sieht mit Freuden, daß bei den Notebooks sich Wireless-Lan zum integrierten Netzwerkstandard entwickelt. Dies gilt auch für die neuen Tablet PCs - Notebooks, bei denen mit einem Stift direkt auf das Display geschrieben wird. Für sie kommt im kommenden Jahr zudem von Microsoft ein Update des Betriebssystems. Es wartet unter anderem mit optimierten Eingabefunktionen für die schriftliche Datenerfassung auf. Die neuen Tablet PC kommen allerdings weitgehend mit einer Tastatur, die sich mit einem Klapp-Dreh-Mechanismus unter dem Display verstauen läßt. Der Anwender hat bei diesen sogenannten "Convertibles" die Wahl, ob er tippen oder handschriftlich seine Daten erfassen möchte.
Allen Tastaturen zum Trotz aber dienen auch Stifte als digitale Eingabegeräte. Wenn es darum geht, während des Schreibens auf Papier gleich das Geschriebene aufzuzeichnen, scheint sich Logitech mit seinem "io Personal Digital Pen" durchzusetzen. Die integrierte Kamera des Stiftes nimmt während der Stiftbewegung Positionsdaten auf, die als Punktmuster aufs Papier gedruckt sind. Dieses "Koordinatensystem" ist so fein, daß es auf den ersten Blick wie graues Papier wirkt. Hewlett-Packard hat Logitechs Digital Pen in sein "Forms Automation System" integriert. HPs Lösung bietet nicht nur das Design geeigneter Formulare, sondern auch den Ausdruck inklusive Punktmuster dazu. Nach dem Ausfüllen braucht lediglich der Spezialstift in eine Dockingstation gesteckt zu werden, um die schriftlich erfaßten Daten ins virtuelle Formular auf dem Bildschirm und anschließend in eine Datenbank zu übernehmen.
Eine ganz andere Art der Datenübernahme bietet Iomega im Januar auch in Deutschland mit seinem "Super DVD Quik Touch Video Brenner". Das Namensungetüm steht für ein externes Laufwerk, das beschreibbare DVDs in den Formaten Plus und Minus verarbeitet und sich auch auf Medien im selteneren Format DVD-RAM versteht. Die eingebaute Videokarte ermöglicht den direkten Anschluß eines Videorekorders oder einer Videokamera. So lassen sich Filme auf beschreibbare DVDs oder CDs kopieren. Zwar kann der Kopiervorgang mittels Einknopfbedienung gestartet werden, die Einstellungen erfolgen allerdings weiterhin über einen PC, mit dem das Laufwerk über USB verbunden ist. Angekündigt ist es für 380 Dollar.
Wer eine kleinere Lösung als die beschreibbaren Silberscheiben sucht, dem bietet Iomega demnächst eine 1,5-Gigabyte-Floppydisk, die groß wie ein Streichholzbriefchen ist und weniger als 10 Dollar kosten soll. Das Laufwerk für 150 Dollar erübrigt sich, wenn das Speichermedium tatsächlich in Kameras, Videoabspielgeräte und dergleichen mehr integriert wird, wie es Iomega wünscht. Falls dies nicht der Fall ist, könnte es allerdings wieder einmal eine proprietäre Speicherlösung ohne Marktbedeutung werden. Denn nicht alles, was auf der Comdex gezeigt wird, findet auch den Weg zum Verbraucher. Hierin unterscheidet sich die Messe nicht von der Stadt: Ein bißchen Glück gehört einfach dazu.