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Baukredite : Hey Bank, ich brauch ein Haus

Mit 88 Jahren schuldenfrei - manches Angebot ist ziemlich dreist Bild: Picture-Alliance

Baukredite sind so günstig wie nie. Aber zu welchen Konditionen kommt man wirklich an das Geld? Wir haben es getestet und vier Banken nach einer Immobilienfinanzierung gefragt.

          Alle reden vom Hauskauf. Ich jetzt auch. Und zwar mit meiner Bank. Lange genug liegt mir die Finanzbranche in den Ohren, dass die Hypothekenzinsen so winzig sind wie nie. Für unglaubliche 1,35 Prozent, so versprechen die Banken, würden sie mir den Weg ins Eigenheim bahnen. Wann, wenn nicht jetzt, wäre also die Zeit, über eine Hausfinanzierung zu reden?

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Genau das will ich mit vier Banken tun. Ich will wissen, welchen Betrag sie einem Normalverdiener überhaupt leihen, der sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen will. Welche Zinsen sie ihm anbieten - und auf was sich der Kreditnehmer dabei einlässt. Die Identität, die ich mir dafür zugelegt habe, sieht so aus: Ich bin 40 Jahre alt und angestellt in einer kleinen Unternehmensberatung, verdiene 70 000 Euro Fixgehalt im Jahr und bringe 150 000 Euro Eigenkapital mit. Derzeit zahle ich rund 1000 Euro Miete, die ich mir auch als Rate für meine Immobilie vorstellen kann. Nun will ich erfahren, wie viel ich mir dafür leisten kann. Ich frage bei einer Filiale der Hypovereinsbank, der Volksbank, der Comdirect im Internet und bei einer Niederlassung von Interhyp, die der größte Immobilienkreditvermittler hierzulande ist. Sie sollen mir sagen, zu welchen Konditionen sie meinen Kauf unterstützen.

          Die Bank ruft zum Telefonat mit Videokonferenz an

          Ein konkretes Objekt habe ich noch nicht in Aussicht, ich suche noch. Schließlich ist der Markt in München - wie in jeder deutschen Großstadt - derzeit einer der härtesten für Käufer. Und alle Ratgeber betonen, dass man die Finanzierung mit seiner Bank besprochen haben sollte, bevor man mitten im Kauf- und Vertragsabschlussstress steckt, dann muss nämlich alles sehr schnell gehen. Zudem verlangen einige Makler schon Bankfinanzierungszusagen, bevor sie Interessenten überhaupt zur Besichtigung bitten. Das soll wohl den Käuferansturm abmildern. Da sollte man präpariert sein.

          Der erste Berater, den ich besuche, sieht das offenbar ganz anders. Die Comdirect ruft zum Telefonat mit Videokonferenz an und will mich auf ihren Computerbildschirm klinken, um mir alle Zahlen im Detail zu zeigen. Der Berater fragt deshalb sehr genau nach: Wie teuer ist die Immobilie, die ich kaufen will? Erwerbe ich sie mit oder ohne Makler? Sind Umbaumaßnahmen nötig und in welcher Höhe? Welches Baujahr? All das kann ich natürlich noch nicht sagen. Nur, dass ich mir Wohnungen für rund 350 000 Euro ansehe und wissen will, wie ein realistischer Finanzierungsplan dafür aussähe. Schon nach ein paar Sätzen wird der Berater ziemlich unwirsch: „Ich bin hier für das Feintuning zuständig, und das ist mir alles ein bisschen zu unkonkret. Wir bieten ja keine Konditionen von der Stange, sondern versuchen das individuell zu berechnen. Für das, was Sie wollen, gibt es andere Möglichkeiten, sich zu informieren: Wir haben da super Rechner im Internet, mit denen kann man das auch machen.“

          Zu zwei konkreteren Aussagen lässt er sich dann doch hinreißen: Zwischen 2,1 und 2,7 Prozent würde der Zinssatz in meinem Fall liegen. Seine Beispielrechnungen spucken dann sogar nur 1,8 Prozent aus für einen Kredit über 220 000 Euro mit 10 Jahren Zinsbindung und zwei Prozent Tilgung, „das wäre der günstigste“. Ob der auch geeignet wäre in meinem Fall, kann er natürlich nicht sagen. Damit überlässt er mich dem Internet, wo ich mit Zins-, Tilgungs- und Budgetrechnern selbst ein bisschen rumhantieren könne.

          „Warum Comdirect?“, blinkt es mich von der Website an. Das frage ich mich auch, denn als ich die Daten meines Beraters eingebe, erfahre ich, dass mein total günstiges Darlehen zwar nur eine Rate von 696 Euro monatlich bedeutet, dafür aber erst in 35 Jahren und 9 Monaten abgezahlt ist. Dann bin ich 76. Vielleicht kein optimales Alter, um den Eigenheimkauf abzuschließen.

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