21.10.2006 · Für Josef Ackermann kommt es wieder einmal knüppeldick. Am kommenden Donnerstag beginnt in Düsseldorf die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses. Für den Fall, daß er tatsächlich wegen Untreue verurteilt wird, hat der Chef der Deutschen Bank seinen Rücktritt angekündigt.
Für Josef Ackermann kommt es wieder einmal knüppeldick. Am kommenden Donnerstag beginnt in Düsseldorf die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses. Für den Fall, daß er tatsächlich wegen Untreue verurteilt wird, hat der Chef der Deutschen Bank seinen Rücktritt angekündigt. Freilich, so heißt es, trete dieser Fall erst ein, wenn das Urteil rechtskräftig sei. Und das könne Jahre dauern, bis eine mögliche Revision beim Bundesgerichtshof entschieden sei. Als ob der Chef der Deutschen Bank nicht schon genug um die Ohren hätte, ärgert ihn jetzt auch noch sein Intimfeind Leo Kirch - und klopft die Bundesregierung in Sachen EADS in Frankfurt an.
Kirch, der gefallene Medienmogul, der gestern seinen 80. Geburtstag feierte, hat es in Wirklichkeit natürlich auf Ackermanns Vorgänger Rolf E. Breuer abgesehen, dem er die Verantwortung für den Niedergang seines Film- und Fernsehimperiums anlastet. Doch jetzt hat Kirch gegen Ackermann aus jugendlicher Rachsucht bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Klage eingereicht und ihm die "Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall" vorgeworfen. Gemeint ist eine Abfindung von angeblich 17,6 Millionen Euro, welche der frühere Finanzvorstand der Bank und heutige Aufsichtsratschef Clemens Börsig für seinen vorzeitigen Wechsel in das Kontrollgremium erhielt. Eine "leistungslose Abfindung" nennt Kirchs Anwalt Peter Gauweiler dies, nicht ohne feinsinnige Anspielungen auf den Fall Mannesmann und die Anerkennungsprämien für Klaus Esser e tutti quanti. "Völlig abwegig", kontert Ackermanns Anwalt. Für Vergütung und Abfindung sei schließlich der Aufsichtsrat und nicht der Vorstandschef zuständig.
Ziemlich heikel ist daneben der Fall EADS. Daimler-Chef Dieter Zetsche möchte seit langem schon weitere 7,5 Prozent der Daimler-Anteile an dem krisengeschüttelten Luftfahrtkonzern loswerden. Doch niemand will sie bisher haben, zumindest kein deutscher Industriekonzern. Jetzt wird seit zwei Wochen darüber geredet, der Bund könnte - über die Staatsbank KfW - bei EADS einsteigen, um die nationale Balance des deutsch-französischen Unternehmens zu wahren. Doch eine solche Verstaatlichung hält nicht nur Thomas Enders, Co-Chef der EADS, für eine "Rückkehr in die Steinzeit". Privatwirtschaftlicher sähe der Fall aus, wenn die Deutsche Bank sich begrenzt an der EADS beteiligte. Das widerspricht zwar fundamental dem Bekenntnis Ackermanns, sich von Industriebeteiligungen zu trennen. Doch seit dem Schweizer trotz des großen unternehmerischen Erfolgs in Deutschland der Nimbus der Vaterlandslosigkeit anhängt, tut er alles, um sich als guter deutscher Patriot zu zeigen. ank.