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Neues spanisches Kabinett : Frauen schreiben Weltgeschichte

Mujeres y admiradores: Innenminister Grande-Marlaska und Parlamentspräsidentin Pastor bei der Vereidigung Bild: EPA

Spaniens neuer Ministerpräsident Sánchez hat Schlüsselressorts in seinem Kabinett mit Frauen besetzt. Am Donnerstag legten elf Ministerinnen ihren Amtseid ab – bislang der höchste Frauenanteil in einer Regierung weltweit.

          Noch nie war der Anteil von Frauen in einer Regierung so hoch. Elf spanische Ministerinnen legten am Donnerstag vor König Felipe VI. ihren Amtseid ab. Das Kabinett der neuen sozialistischen Minderheitsregierung hat insgesamt 17 Mitglieder. Der Frauenanteil beträgt damit fast 65 Prozent. Nur in der finnischen Regierung im Jahr 2007 waren es mit zwölf Ministerinnen (von insgesamt 19 Kabinettsmitgliedern) zahlenmäßig mehr. „Das macht die neue spanische Regierung zur Exekutive mit den meisten Frauen auf der Welt und in der Geschichte Europas“, schrieb die spanische Politikwissenschaftlerin Sílvia Claveria am Donnerstag in der Zeitung „El País“.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Spanien lag die höchste Zahl der Ministerinnen im Jahr 2008 im Kabinett des sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero bei neun von 18 Regierungsmitgliedern. In der sozialistischen Partei (PSOE) gibt es schon seit längerer Zeit viele Feministinnen. Auch in der spanischen Gesellschaft spielen Gleichberechtigung und Frauenrechte eine immer wichtigere Rolle: In Spanien streikten am Weltfrauentag am 8.März 2018 mehr als fünf Millionen Frauen, um gegen Diskriminierung und sexuelle Gewalt zu protestieren. Sánchez richtete ein Ministerium für Gleichstellung ein, das seine Stellvertreterin Carmen Calvo führt. Sein Kabinett bilde „das Beste ab, was unsere Gesellschaft zu bieten hat“, sagte Sánchez.

          Die neue Zusammensetzung der Regierung stellte Spanien vor neue sprachliche Herausforderungen. Bisher heißt das Kabinett offiziell „Ministerrat“. Angesichts der weiblichen Mehrheit fragten schon manche, ob das jetzt nicht Ministerinnenrat heißen müsse. Bei ihrer Vereidigung verwendeten die meisten neuen Regierungsmitglieder am Morgen die Bezeichnung „Rat der Ministerinnen und Minister“.

          Ein Astronaut als Wissenschaftsminister

          Im Verteidigungsministerium setzt der neue Ministerpräsident indes die Politik seines Vorgängers Mariano Rajoy fort. Als Nachfolgerin der Verteidigungsministerin María Dolores de Cospedal ernannte er die bisherige PSOE-Fraktionsvorsitzende Margarita Robles, die in der Partei zu seinen wichtigsten Vertrauten zählt. Unter dem Sozialisten Zapatero gab es zum ersten Mal in Spanien eine Verteidigungsministerin.

          Die angesehene Staatsanwältin Dolores Delgado wurde Justizministerin. Sie hatte sich im Kampf gegen islamistische Terroristen einen Namen gemacht. Weitere Ministerinnen übernehmen die Ressorts für Finanzen, Wirtschaft, Industrie und Soziales.

          Innenminister wird der aus dem Baskenland stammende Untersuchungsrichter Fernando Grande-Marlaska. Zu den neu geschaffenen Ressorts gehört ein Ökologie-Ministerium, das sich mit dem Klimawandel, Energie und anderen Umweltfragen befassen soll. Aufmerksamkeit erregte die Ernennung des ersten spanischen Astronauten Pedro Duque zum Wissenschaftsminister. Er war zwei Mal zur Internationalen Raumstation ISS geflogen.

          Nach der schnörkellosen Vereidigungszeremonie im Zarzuela-Palast in Madrid werden die Minister genau eine Woche nach dem Misstrauensvotum an diesem Freitag zur ersten Sitzung des Ministerrats zusammentreffen.

          Das neue spanische Kabinett am Donnerstag bei der Vereidigung

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