2:1 gegen die Elfenbeinküste

Holland rettet sich über die Zeit

Sein Tor ebnete den Weg ins Achtelfinale: Robin van Persie

Sein Tor ebnete den Weg ins Achtelfinale: Robin van Persie

16. Juni 2006 Mit einem glücklichen und glanzlosen 2:1 (2:1)-Arbeitssieg haben die Niederlande das Achtelfinale erreicht und die WM-Hoffnungen der Elfenbeinküste vorzeitig beendet. Auch Argentinien, das am Mittwoch in Frankfurt der letzte Vorrundengegner der Holländer sein wird, kam durch einen allerdings fulminanten 6:0-Kantersieg gegen Serbien-Montenegro weiter.

Vor 52.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion in Stuttgart brachten zwei „Enttäuschte“ die Niederlande in Führung. Robin van Persie (23. Minute) und der beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München als Neuzugang gehandelte Ruud van Nistelrooy (27.) trafen mit einem Doppelschlag für den Mitfavoriten. „Ein Tor bei der WM ist ein Traum. Ich bin sehr stolz“, sagte van Nistelrooy.

Drogba war nicht ganz fit

Für die wie schon gegen Argentinien starken, aber glücklosen Ivorer war das Tor von Bakary Kone (38.) zu wenig. Die „Elefanten“ verabschiedeten sich mit Tränen, die das Lob von allen Seiten nicht trocknen konnte. Bitter enttäuscht war bei schwül-warmen 25 Grad Trainer Henri Michel. „Ich bin natürlich enttäuscht, aber ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles gegeben. Es hat wieder die Abstimmung nicht ganz gestimmt und vorne haben wir wie schon gegen Argentinien zu viele Chancen ausgelassen. Jetzt wollen wir zumindest gegen Serbien und Montenegro noch einen Sieg feiern.“

Der französische Trainer der Ivorer, der seine vierte Weltmeisterschaft erlebt und das jeweils als Coach eines anderen Landes, konnte Didier Drogba von Beginn an aufbieten. Doch der offenbar nicht restlos gesunde Topstar vom FC Chelsea riß keine Bäume aus und kassierte in der 42. Minute sogar seine zweite Gelbe Karte. Damit ist er im bedeutungslosen Gruppenspiel am Mittwoch gegen Serbien-Montenegro gesperrt.

Van Persie schießt das 1:0 und rettet auf der Linie

Bondscoach Marco van Basten verzichtete zunächst wieder auf die beiden Hamburger Khalid Boulahrouz und Rafael van der Vaartwar und war nach dem Achtelfinal-Einzug erleichtert: „Die Elfenbeinküste war sehr stark, wir konnten in der zweiten Halbzeit nur verteidigen. Wir haben nun zwei Spiele glücklich gewonnen und müssen uns noch verbessern.“

Nach starkem Beginn zog sich der Favorit zurück und mußte froh sein, nicht in Rückstand geraten zu sein. Doch dann trumpfte der Weltklasse-Sturm um den erneut starken Arjen Robben auf. Die Tore freilich erzielten andere. Zunächst war es van Persie, der Jean-Jacques Tizie im Tor der Ivorer (23.) mit einem strammen Freistoß schlecht aussehen ließ. Der Stürmer vom FC Arsenal hatte sich nach dem ersten Spiel über zu wenig Unterstützung und zu viele Pässe auf Torschütze Robben beklagt. Zum 2:0 erhöhte nach sehenswertem Paß Robbens ManU-Star van Nistelrooy, der mit seinem ersten WM-Treffer seine Kritiker verstummen ließ. „Ich vertraue in meine Qualitäten. Wenn man kein Tor schießt, erlebt man immer die Schattenseiten des Fußballs.“

Elfmeterpfiff für Elefanten blieb aus

Die klare Führung täuschte allerdings nicht darüber hinweg, daß die „Elftal“ verwundbar war und blieb. Didier Zokoras Schuß aus 20 Metern landete am Lattenkreuz. Und Schiedsrichter Oscar Ruiz Acosta aus Kolumbien hätte bei einer Attacke Giovanni van Bronckhorsts durchaus Strafstoß geben können. „Kleinere Teams werden gegenüber größeren Mannschaften benachteiligt, aber so läuft das eben im Fußball“, sagte Henri Michel resigniert.

Überfällig war der Anschlußtreffer von Bakary Kone, der seine prima Vorstellung mit einem 20-m-Kracher krönte und van der Sar damit nicht den Hauch einer Abwehrchance gab. Die Afrikaner spielten auch in der zweiten Halbzeit munter mit und hätten ein Remis verdient gehabt. Ihnen fehlte aber einmal mehr das Schußglück: Arouna Koné zielte knapp übers Tor (58.), nach einem Kopfball von Drogba rettete Torschütze van Persie auf der Linie (77.) und Gilles Yapi Yapo prüfte van der Saar mit einem Fernschuß (81.).

Niederlande - Elfenbeinküste 2:1 (2:1)
Niederlande: Van der Sar - Heitinga (46. Boulahrouz), Ooijer, Mathijsen, van Bronckhorst - van Bommel, Sneijder (50. van der Vaart), Cocu - van Persie, van Nistelrooij (73. Landzaat), Robben - Trainer: Marco van Basten
Elfenbeinküste: Tizie - Eboué, Kolo Touré, Meite, Boka - Yaya Touré, Zokora, Romaric (62. Yapi Yapo) - Arouna Koné, Drogba, Bakari Koné (62. Dindane) - Trainer: Henri Michel
Tore: 1:0 van Persie (23.), 2:0 van Nistelrooij (27.), 2:1 B. Kone (32.)
Gelbe Karten: Boulahrouz, Mathijsen, Robben, van Bommel - Boka, Drogba (nächstes Spiel gesperrt), Zokora
Schiedsrichter: Oscar Ruiz (Kolumbien)
Zuschauer: 52.000 (ausverkauft) in Stuttgart



Text: FAZ.NET, mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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