14. Juni 2006 Tunesien und Saudi-Arabien haben sich die Punkte im arabischen Duell der Fußball-Weltmeisterschaft brüderlich geteilt. Vor 66.000 Zuschauern in der ausverkauften aber nicht vollbesetzten Münchner WM-Arena endete am Mittwoch abend ein schwaches Spiel nach dramatischem Schluß-Akkord mit 2:2 (0:1).
Der Tunesier Radhi Jaidi rettete den Adlern von Karthago mit seinem Treffer in der Nachspielzeit in einer hektischen Schlußphase den unverdienten Punkt. Erst in der 84. Minute waren die Saudis durch Volksheld Sami Al-Jaber in Führung gegangen und standen dicht vor ihrem ersten WM-Sieg seit 1994.
Jedem Team gehörte eine Halbzeit
Frankreich-Legionär Zied Jaziri hatte die Tunesier in der 23. Minute in Führung gebracht, doch die Saudis wurden für ihre deutliche Steigerung nach der Pause durch Yasser Al-Kahtani (57.) zunächst mit dem Ausgleich belohnt. Mit dem 2:2 verpaßten beide Teams die Chance, sich mit einem Auftaktsieg eine gute Ausgangsposition für den Kampf um den Einzug ins Achtelfinale zu verschaffen.
Jedem Team gehörte eine Halbzeit. Die tunesische Mannschaft von Trainerfuchs Roger Lemerre gab ihren ersten WM-Sieg seit 1978 aus der Hand und verspielte zugleich den ersten Dreier für ein afrikanisches Team bei dieser Endrunde.
Kein afrikanischer Fußball-Zauber
Schon nach 150 Sekunden herrschte große Aufregung unter den rund elftausend tunesischen Fans, weil der australische Schiedsrichter Mark Shield einen Rempler von Redha Tukar gegen Jaziri im Strafraum nicht ahndete. Beiden Teams war die Nervosität in ihrem Auftaktspiel anzumerken: Die schwache Partie schleppte sich bis zur Halbzeit nur so dahin, zündende Ideen und heiße Tor-Aktionen blieben in der Sommerhitze aus - bis auf den artistischen Führungstreffer von Jaziri, der nach einem Freistoß den Abpraller aus sieben Metern volley nahm. Von den Nürnberger Bundesliga-Profis Adel Chedli und Jawhar Mnari war wenig zu sehen.
Mit afrikanischem Fußball-Zauber konnten die Tunesier keinen verzücken, bei den grünen Falken aus Saudi-Arabien ging ohne ihre verletzten Stammstürmer Mohammed Al-Anbar und 82 Minuten auch ohne Al-Jaber überhaupt nichts. Mohammed Noor verstolperte die erste echte Chance der Grünen kläglich (47.), Al-Kahtani machte es beim verdienten Ausgleich viel besser.
Tunesiens Torhüter ist der älteste WM-Spieler
Bereits zum vierten Mal in Serie ist die saudi-arabische Mannschaft, die vom Brasilianer Marcos Paqueta trainiert wird, bei einer WM-Endrunde dabei. Das Trauma liegt gerade einmal vier Jahre zurück: Bei der WM 2002 wurden die Saudis von den Deutschen mit 8:0 vom Platz gefegt. Diesmal wollen sie laut Paqueta sogar ins Achtelfinale.
Der älteste WM-Spieler der gesamten Endrunde genoß einen lauen Sommerabend: Tunesiens Torhüter Ali Boumnijel, immerhin schon 40, kam bei einem harmlosen Freistoß Tukars (37.) mit einer dankbaren Aktion wenigstens einmal ins Bild. Bei den Gegentoren war Boumnijel machtlos.
Tunesien - Saudi-Arabien 2:2 (1:0)
Tunesien: Boumnijel - Trabelsi, Jaidi, Haggui, Jemmali - Mnari, Chedli (69. Ghodhbane) - Bouazizi (55. Nafti), Namouchi, Chikhaoui (83. Essediri) - Jaziri
Saudi-Arabien: Zaid - Dokhi, Tukar, Al-Montashari, Sulimani - Al-Ghamdi, Aziz, Al-Temyat (67. Al-Hawsawi) - Noor (75. Ameen), Khariri - Al-Kahtani (82. Al-Jaber)
Schiedsrichter: Shield (Australien)
Zuschauer: 66.000
Tore: 1:0 Jaziri (23.), 1:1 Al-Kahtani (57.), 1:2 Al-Jaber (84.), 2:2 Jaidi (90.+2)
Gelbe Karten: Bouazizi, Chedli, Haggui, Chikhaoui / -
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS