Der Sündenbock

Kartenspieler Iwanow

Iwanow hatte alle Hände voll zu tun

Iwanow hatte alle Hände voll zu tun

26. Juni 2006 Am Ende war er wohl einfach nur froh, daß es endlich vorbei war. Nach 99 Minuten im Achtelfinale Portugal gegen die Niederlande mit vier Gelb-Roten und weiteren acht Gelben Karten verließ der russische WM-Schiedsrichter Walentin Iwanow am Sonntag zügig den Rasen des Nürnberger Frankenstadions und mußte sich neben den unterlegenen Niederländern als Verlierer des Abends fühlen.

Ein uneinheitliches Strafmaß, einige übersehene Attacken - schnell verlor der Referee die Kontrolle über die überhart geführte Begegnung und scheiterte grandios mit dem Versuch, der Situation mit Gelben Karten Herr zu werden. Was blieb, waren ein neuer WM-Rekord von vier Platzverweisen bei einer Partie sowie Spieler und Trainer, die sich nach dem Abpfiff wenigstens in einem Punkt einig waren: Mit der Schiedsrichterleistung konnten sie nicht zufrieden sein (Siehe auch: Nach dem Kopfstoß: Figo muß nicht mit Sperre rechnen).

Die vernichtenden Urteile der Aktiven über den Spielleiter reichten von „überfordert“ bis „verwirrt“, und Bondscoach Marco van Basten ging sogar noch einen Schritt weiter. „Der Schiedsrichter hat das Spiel versaut“, schimpfte er. Portugals Pauleta beklagte sich zudem über zu viele Gelbe Karten für Kleinigkeiten, aber zu wenig Rote Karten für böse Fouls wie das an Cristiano Ronaldo. Der Stürmer mußte nach einem Tritt von Khalid Boulahrouz in den Anfangsminuten der Partie schließlich nach 33 Minuten verletzt vom Platz, der Hamburger Bundesliga-Profi folgte ihm erst in der 63. nach der Gelb-Roten Karte.

Auch Fifa-Präsident Joseph S. Blatter fand keine Worte des Trostes für Iwanow. „Der Schiedsrichter hat nicht auf dem Niveau der Spieler gepfiffen“, sagte er und fügte hinzu: „Man hätte ihm auch die Gelbe Karte zeigen können.“ Bei aller berechtigten Erregung ging freilich unter, daß die Spieler und nicht etwa Iwanow selbst Auslöser der Kartenflut waren Von Rudelbildung bis Tätlichkeit war an diesem Abend alles dabei, und hätte der Russe jede Unsportlichkeit angemessen geahndet, wäre er nach 80 Minuten womöglich ganz allein auf dem Rasen gewesen.

Die WM-Spiele mit den meisten Karten
16 Karten:

25. Juni 2006, Achtelfinale Portugal - Niederlande in Nürnberg (1:0), Schiedsrichter Iwanow (Rußland), 12 Gelbe Karten, 4 Gelb-Rote gegen Costinha, Deco (Portugal), Boulahrouz und van Bronckhorst (Niederlande).
11. Juni 2002, Vorrunde, Deutschland - Kamerun in Shizuoka (2:0), Schiedsrichter Nieto (Spanien), 14 Gelbe Karten, 2 Gelb-Rote gegen Ramelow (Deutschland) und Suffo (Kamerun).
12 Karten:
11. Juni 2002, Vorrunde, Senegal - Uruguay in Suwon (3:3), Schiedsrichter Wegereef (Niederlande).

Die meisten Platzverweise
4 Platzverweise:
25. Juni 2006, Achtelfinale Portugal - Niederlande in Nürnberg (1:0), Schiedsrichter Iwanow (Rußland), Gelb-Rote Karten gegen Costinha, Deco (Portugal), Boulahrouz und van Bronckhorst (Niederlande).
3 Platzverweise:
22. Juni 2006, Vorrunde Kroatien - Australien in Stuttgart (2:2), Schiedsrichter Poll (England), Gelb-Rote Karten gegen Simic, Simunic (beide Kroatien) und Emerton (Australien)
17. Juni 2006, Vorrunde Italien - USA in Kaiserslautern (1:1), Schiedsrichter Larrionda (Uruguay), Rote Karten gegen De Rossi (Italien) und Mastroeni (USA), Gelb-Rote Karte gegen Pope (USA).
18. Juni 1998, Vorrunde Südafrika - Dänemark in Toulouse (1:1), Schiedsrichter Rendon (Kolumbien), Roten Karte gegen Molnar, Wieghorst (Dänemark) und Phiri (Südafrika).
27. Juni 1954, Viertelfinale Ungarn - Brasilien in Bern (4:2), Schiedsrichter Ellis (England), Platzverweise gegen Boszik (Ungarn), Santos und Humberto (Brasilien).
12. Juni 1938, Viertelfinale Brasilien - Tschechoslowakei in Bordeaux (1:1 n.V.), Schiedsrichter von Hertzka (Ungarn), Platzverweise gegen Procopio, Macahado (Brasilien) und Riha (Tschechoslowakei).

Text: FAZ.NET mit Material von sid
Bildmaterial: REUTERS

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