Flutkatastrophe

EU hilft mit 30 Millionen Euro

29. Dezember 2004 Die Europäische Union wird in den nächsten Tagen weitere 30 Millionen Euro Soforthilfe für die Opfer der Flutkatastrophe in Süd- und Südostasien zur Verfügung stellen. Die von EU-Kommissar Louis Michel angekündigten Finanzmittel kommen aus einem Sonderfonds des Amts für humanitäre Hilfe der Gemeinschaft (Echo) und sollen in drei Tranchen vor allem an schon in der Region tätige Nichtregierungsorganisationen überwiesen werden.

Wie der Sprecher Michels erläuterte, seien rund zehn Millionen für Indonesien vorgesehen sowie weitere zehn Millionen für Indien, Sri Lanka, die Malediven und Thailand. Über die Verwendung der restlichen zehn Millionen werde nach einer gründlichen Bedarfsanalyse entschieden. Mehr als dreißig Millionen Euro könne der Kommissar für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe aus dem Katastrophen-Fonds von Echo ohne Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten nicht zusagen.

Krisenstab eingerichtet

Das Amt für humanitäre Hilfe, eine Generaldirektion der EU-Kommission, ist für die Unterstützung der Opfer von Naturkatastrophen oder bewaffneten Konflikten außerhalb der Europäischen Union zuständig. Echo leistet oder organisiert diese Hilfe wie etwa die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen dringend benötigten Gütern oder Dienstleistungen aber nicht selbst, sondern finanziert die Aktivitäten und Projekte von internationalen Hilfsorganisationen.

Mitarbeiter des Regionalbüros in Bangkok sind nach Indonesien und Sri Lanka geflogen, um dort zusammen mit den Behörden und Nichtregierungsorganisationen die am dringendsten benötigten Unterstützungsmaßnahmen zu erkunden. In der Brüsseler Generaldirektion wurde ein Krisenstab eingerichtet. Da die Kommission über die Feiertage während des Jahreswechsels ihre Arbeit einstellt, mußten alle bei Echo für Asien zuständigen Beamten aus den Ferien zurückgerufen werden.

Projektvorschläge per E-Mail

Ein kurzer Hinweis auf der Internetseite des Amts an „unsere Partner“ fordert dazu auf, Vorschläge für die Finanzierung von Projekten per E-Mail zu übermitteln. Die ersten drei Millionen Euro Soforthilfe wurden am Sonntag dem Internationalen Roten Kreuz, einem der etwa 180 internationalen Partner von Echo, zur Verfügung gestellt. Bevorzugt würden Organisationen, die man schon aus der Zusammenarbeit in anderen Fällen kenne oder die schon seit längerem an Ort und Stelle tätig seien, hieß es in der Kommission.

In Sri Lanka, das vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg mit tamilischen Rebellen gezeichnet ist, sei zum Beispiel die französische Organisation „Médecins Sans Frontières“ eine der wenigen, die sich dort engagiert hätten. Deshalb böten sich die „Ärzte ohne Grenzen“ jetzt auch als erster und natürlicher Ansprechpartner für eine Zusammenarbeit zur Bewältigung der akuten Katastrophe an.

Internationale Geberkonferenz vorgeschlagen

Die internationale Koordination der Hilfsmaßnahmen sei Aufgabe des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe, das aus Echo-Mitteln unterstützt werde, erläuterte eine Mitarbeiterin. Eine Koordinierung der Unterstützung in den 25 EU-Mitgliedstaaten für die Opfer der Flutkatastrophe findet in Brüssel vorerst nicht statt.

EU-Kommissar Michel, der vier Jahre belgischer Außenminister war und sein jetziges Amt nicht zuletzt wegen der Vorliebe für Afrika anstrebte, hat die Einberufung einer internationalen Geberkonferenz für den Wiederaufbau in den von der Katastrophe betroffenen Staaten am Indischen Ozean vorgeschlagen. Das dürfe aber nicht so mißverstanden werden, als wolle die EU selbst diese Konferenz organisieren, sagte sein Sprecher.

Da die Mitwirkung internationaler Organisationen wie der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds bei einer solchen Veranstaltung unerläßlich sei, müsse sie von den Vereinten Nationen einberufen werden. Michel habe nur darauf aufmerksam machen wollen, daß neben der akuten humanitären Hilfe in den Katastrophengebieten auch eine enorme Wiederaufbauarbeit zu leisten sei.

Ein bis zwei Millionen Menschen würden noch in Monaten unter den Folgen der Flutwelle leiden. Trotz der akuten Notlage müsse schon jetzt mit den Vorbereitungen auf diese mittel- und langfristige Herausforderung begonnen werden.

Engagements in fast hundert Ländern

Das Amt für humanitäre Hilfe der Gemeinschaft verfügt über einen Haushalt von gut 500 Millionen Euro jährlich. Etwa zwei Drittel davon gehen zur Finanzierung konkreter Projekte an Nichtregierungsorganisationen in den Mitgliedstaaten. Verschiedene UN-Organisationen werden mit etwa 150 Millionen Euro pro Jahr unterstützt. Seit seiner Gründung 1992 ist Echo in fast hundert Ländern der Erde tätig gewesen.

In den vergangenen Jahren wurde mehr als ein Drittel der Mittel in den Krisenregionen Afrikas eingesetzt. In Asien, das ähnlich viel Unterstützung erhält, war bislang die humanitäre Hilfe für Afghanistan ein Schwerpunkt. Der Rest verteilt sich, mit sehr viel kleineren Anteilen, auf den Nahen Osten, die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, Lateinamerika und den westlichen Balkan.



Text: Bc., Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. Dezember 2004
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche