28. Dezember 2004 Die Jahrhundertkatastrophe in Südostasien hat in Deutschland und weltweit beispiellose Hilfsanstrengungen für die Opfer ausgelöst. Die Bundesregierung stockte ihre Soforthilfe am Dienstag auf insgesamt drei Millionen Euro auf. Darüber hinaus soll schnelle Wiederaufbauhilfe geleistet werden.
Der Energiekonzern E.ON stellte eine Million Euro der Aktion Deutschland hilft zur Verfügung. Regierungen auf der ganzen Welt sagten ebenfalls Millionen Dollar zu. Hunderte Tonnen Hilfsgüter wurden in die elf betroffenen Länder entsandt.
Tragödie, wie ich sie noch nicht erlebt habe
Außenminister Joschka Fischer sprach von einer menschlichen Tragödie, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Er forderte die Bevölkerung auf, zum Jahreswechsel Geld an Hilfsorganisationen zu spenden, statt es für Feuerwerk auszugeben. Zahlreiche Politiker und Hilfsorganisationen schlossen sich dem Appell an. Die Deutsche Welthungerhilfe wandelte das seit über 20 Jahren gültige Motto Brot statt Böller zu Reis statt Böller um.
Nachdem Fischer bereits angekündigt hatte, daß die Soforthilfeauf zwei Millionen Euro verdoppelt werde, steuerte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul eine weitere Million Euro bei. An die Soforthilfe soll sich möglichst rasch Wiederaufbauhilfe anschließen, wie Wieczorek-Zeul erklärte: Die Vereinten Nationen spielen hierbei eine entscheidende Rolle.
Mehr als 10.000 einheimische Rotkreuz-Helfer leisteten in sieben der betroffenen Länder bereits Soforthilfe für die Opfer, teilte das Deutsche Rote Kreuz mit. Die betroffenen Menschen erhielten zunächst Lebensmittel und medizinische Erstversorgung. Zelte und Decken seien auf dem Weg. Das Rote Kreuz richtet sich auf einen mindestens zweijährigen Einsatz in den Katastrophengebieten von Sri Lanka ein, wie DRK-Chefs Rudolf Seiters in den Westfälischen Nachrichten sagte.
Auch zahlreiche andere deutsche Hilfsorganisationen begannen mit der Verteilung von Medizin, Lebensmitteln, Kleidung und frischem Wasser in der Krisenregion. Unternehmen und Verbände spendeten Gelder für die Flutopfer.
Das Auswärtige Amt meldete, von der zur Verfügung gestellten Soforthilfe seien bereits Basisgüter wie Reis, Kleidung, Decken und sauberes Trinkwasser an obdachlos gewordene Menschen verteilt worden. Das Technische Hilfswerk schickte Experten für Trinkwasserversorgung nach Sri Lanka. In Thailand sollen weitere 27 Experten des Bundeskriminalamts bei der Identifizierung der Opfer helfen.
Hilfsorganisationen fürchten Ausbruch von Seuchen
Die Welthungerhilfe warnte vor Seuchengefahr. Die Situation ist weit dramatischer als angenommen, sagte der Projektleiter der Organisation in Sri Lanka, Martin Baumann. Die Mittel für die betroffenen Ländern seien auf eine halbe Million Euro aufgestockt worden. Auch die Diakonie Katastrophenhilfe erhöhte ihre Gelder für Nothilfe, die Organisation Ärzte ohne Grenzen startete Hilfsmaßnahmen.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR öffnete in Sri Lanka seine örtlichen Hilfslager und kündigte an, Zehntausende Schutzplanen, Plastikmatten, Seile und Hilfspakete zu verteilen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef startete von Kopenhagen aus den ersten Hilfsflug mit Medikamenten und Zusatznahrung für Kinder nach Sri
Lanka.
Viele Staaten sagten Soforthilfe zu. Japan gab 40 Millionen Dollar (30 Millionen Euro) frei, die Vereinigten Staaten stellten 15 Millionen Dollar zur Verfügung, wie die Regierungen beider Länder mitteilten. China schickte Lebensmittel, Zelte und Bargeld im Wert von insgesamt 2,6 Millionen Dollar, Israel drei Transportmaschinen mit Hilfsgütern.
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/
http://www.drk.de/
http://www.diakonie-katastrophenhilfe.de/
http://www.unicef.de/
http://www.deutsche-welthungerhilfe.de/
Text: FAZ.NET mit Material von AP und AFP
Bildmaterial: dpa/dpaweb, REUTERS
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