Von Jens Friedemann
03. März 2008 Deutschland wird in diesem Jahr zum begehrtesten Standort für Immobilieninvestments in Europa aufsteigen. Das hat ein Trendbarometer - Immobilien-Investments der Ernst & Young Real Estate GmbH ergeben, ein international tätiges Immobilienberatungsunternehmen der gleichnamigen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft.
100 bekannte Unternehmen wurden befragt, darunter offene Immobilienfonds und Beteiligungsgesellschaften, Versicherungen, Wohnungsgesellschaften und Immobilienaktiengesellschaften. 70 Prozent der Befragten gehen von einem weiterhin attraktiven Investmentumfeld in Deutschland aus - im europäischen Vergleich sogar 90 Prozent der Befragten. Das berichtete Hartmut Fründ, geschäftsführender Partner bei Ernst & Young Real Estate, der im vergangenen Jahr Verkäufer bei Transaktionen von 3,5 Milliarden Euro vertreten hat.
Investitionsvolumen wird abnehmen
Aufgrund der Finanzmarktkrise und den schwieriger gewordenen Finanzierungsbedingungen für große Immobilientransaktionen erwarten die Fachleute jedoch ein abnehmendes Investitionsvolumen in Deutschland. 2007 lag es bei 74 Milliarden Euro, davon entfielen 12 Milliarden Euro auf Wohnimmobilien. In diesem Jahr wird mit einem Rückgang um 15 bis 25 Prozent auf annähernd 60 Milliarden Euro gerechnet. Portfoliotransaktionen von mehr als 500 Millionen Euro würden seltener werden.
Viele Unternehmen werten das gegenwärtige Marktumfeld auch als Chance. Dafür sprächen vor allem niedrigere Kaufpreise, gestiegene Anfangsrenditen und eine geringere Anzahl von Wettbewerbern. Typische Antworten im Trendbarometer waren: Deutschland bleibt der Spitzenmarkt in Europa, da von einem weiteren Anstieg der Mieten ausgegangen werden kann. Die im europäischen Vergleich höheren Renditen und die immer noch vorhandene Liquidität verleihen dem deutschen Markt weiterhin Attraktivität.
Investoren mit viel Eigenkapital sind im Vorteil
Dabei hätten eigenkapitalstarke Investoren einen klaren Vorteil, sagte Christian Schulz-Wulkow, Partner bei Ernst & Young Real Estate. Mehr als 80 Prozent der befragten Investoren wollen ihre Investitionen konstant halten oder steigern. Als Motor für Investitionen in Deutschland könne auch der schwache Dollar wirken; immerhin habe der Euro seit 2002 um 40 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt. Mit einem größeren Interesse an Deutschland sei auch von den ausländischen Staatsfonds zu rechnen, vor allem, wenn es um markante Gebäude mit besten Mietern an begehrten Standorten gehe.
Hinsichtlich der geplanten Ausstiegsstrategien gehen 54 Prozent der Befragten von einer Direktveräußerung aus. Trotz gegenwärtig niedriger Börsenkurse sehen 20 Prozent der befragten Unternehmen einen Börsengang mittelfristig als möglichen Ausstieg an. Fründ sagte, man dürfe die deutsche Exit-Tax nicht unterschätzen; sie halbiert die Steuerschuld auf aufgedeckte stille Reserven beim Verkauf betrieblicher Immobilien an einen Reit.
Mehrere Unternehmen haben bereits einen Börsengang angekündigt, sobald sich das Börsenklima aufhellt. Die Mehrheit der Befragten sieht insbesondere offene Immobilienfonds, Reits und Immobilienaktiengesellschaften als Käufergruppen vorn. Fründ sprach von einer Renaissance der Projektentwicklung in Deutschland. Zahlreiche große Bauvorhaben würden in diesem Jahr an den Start gehen. Dabei werde die Bedeutung eigenkapitalähnlicher Finanzierungen (Mezzanine-Kapital) deutlich steigen.
Text: F.A.Z., 29.02.2008, Nr. 51 / Seite 45
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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