Immobilienmärkte

Katerstimmung im Westen

Von Jens Friedemann

25. April 2008 Auf den Immobilienmärkten im Westen Europas herrscht Katerstimmung. Der mehrere Jahre andauernde Höhenflug der Immobilienkonjunktur geht zu Ende. Das Wirtschaftswachstum beginnt sich zu vermindern. Die Finanzkrise trübt nicht nur die Stimmung, sondern beginnt nun auch die Immobilienmärkte zu erfassen. Das zeigt die Immobilienuhr von Jones Lang Lasalle (JLL) aus London.

Der Aufschwung der Büromieten hat sich im ersten Quartal dieses Jahres deutlich verlangsamt. Allerdings weist JLL-Europa-Chef Alastair Hughes darauf hin, dass die Bürovermietungen auf dem europäischen Kontinent noch nicht unter dem Schwächeanfall leiden. Allerdings erwartet er eine Verlangsamung der Nachfrage im Laufe des Jahres - vor allem aus der unter der Krise leidenden Finanzwirtschaft.

In Warschau steigen noch die Preise

Für den Osten Europas sieht er allerdings keine Anzeichen für eine Eintrübung. In Warschau sind die Büromieten im vergangenen Jahr um 32 Prozent gestiegen und im ersten Quartal dieses Jahres um weitere 10 Prozent. Moskau folgt mit 31 Prozent und Budapest mit 19 Prozent. Der Leerstand - in Frankfurt bei 13 Prozent - liegt in Warschau bei 2,5 Prozent und in Moskau bei 4,7 Prozent.

Im ersten Quartal dieses Jahres sind in den Metropolen der JLL-Uhr 3,2 Millionen Quadratmeter Bürofläche vermietet worden, ein Rückgang von 7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2007. Doch liegt das Volumen immerhin noch 25 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Die höchste Zunahme mit 83 Prozent wurde in Prag gemessen, Utrecht folgt mit 76 Prozent, Luxemburg mit 70 Prozent, Mailand mit 45 Prozent.

Minus 59 Prozent meldet Dublin

Auf der Verliererseite stehen Dublin mit minus 59 Prozent, Den Haag mit minus 58 Prozent und Madrid mit minus 53 Prozent. Drastisch abgenommen hat der Erwerb von Immobilienbeständen im Westen Europas. Das Investmentvolumen ist im ersten Quartal 2008 gegenüber dem ersten Quartals 2007 von 58 auf 37 Milliarden Euro gefallen. Das meldet die Immobilienberatung CB Richard Ellis.

London aber erlebte - trotz erheblicher Preiskorrekturen und eines Rückgangs der Bürovermietungen um 30 Prozent seit September - einen Zufluss von abermals 10 Milliarden Euro. In Deutschland hat das Anlagegeschäft dagegen erheblich gelitten; doch nun scheinen die nachgebenden Immobilienpreise Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds zu locken. Nach einer Befragung der „Immobilien Zeitung“ wollen sie den Immobilienanteil an ihren Vermögensanlagen um mehr als 10 Milliarden Euro aufstocken.

4,5 Prozent Rendite sind in Deutschland drin

Deutsche Immobilien gelten als preiswert. Ihr Wert ist in den vergangenen zwölf Jahren - nur ungebrochen in den Jahren 2000 und 2001 - gefallen, allein im vergangenen Jahr um 0,2 Prozent. Das weist die Investment Property Databank (IPD) aus, die die Einnahme- und Wertentwicklung auf den Immobilienmärkten misst.

Vor Steuern und Finanzierungskosten haben Liegenschaften in Deutschland im vergangenen Jahr 4,5 Prozent erbracht, nach minus 1,3 Prozent im Jahr 2006. Von der Gesamtrendite (total return) von 4,5 Prozent entfallen 4,7 Prozent auf Einnahmeüberschüsse (Cash-flow), doch haben sich die Immobilienwerte um weitere 0,2 Prozent vermindert.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.

 
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