Wohnungsmarkt

Die Abrissbirne wird den Westen erreichen

Von Jens Friedemann

31. März 2008 Bis 2050 erwartet das Statistische Bundesamt einen Rückgang der Bevölkerung in Deutschland von heute 82 auf unter 70 Millionen Menschen. Im Osten Deutschlands werden sogar dramatisch sinkenden Haushaltszahlen erwartet. „Am stärksten von dieser Entwicklung werden Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen betroffen“, sagte Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

So stehe den neuen Bundesländern bis 2020 ein Rückgang von 350.000 Haushalten bevor. Deshalb, so Freitag, müsse der Stadtumbau in Ostdeutschland unvermindert fortgesetzt werden, denn immer noch stünden mehr als eine Million Wohnungen im Osten leer. Freitag fordert integrierte Stadtentwicklungskonzepte, eine Lösung der Altschuldenfrage für die dortigen Wohnungsunternehmen, eine Fortsetzung der Stadtumbauförderung und die Wiedereinführung der Bauinvestitionszulage.

Im Westen werden ebenfalls weniger Wohnungen gebraucht

„Auch in Westdeutschland steigt die Notwendigkeit des Stadtumbaus“, warnt Freitag. Hier sei der Leerstand eine Folge von ökonomischen Strukturkrisen mit lokaler Arbeitslosigkeit und sozialer Erosion. Demografische Entwicklungen führten aber auch in den alten Ländern zu regional ausgeprägten Schrumpfungsprozessen. Bis 2020 werde es in den vom Rückgang betroffenen Regionen Westdeutschlands 280.000 Haushalte weniger geben, allein 203.000 davon in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Die prosperierenden Metropolregionen um München und Nürnberg sieht Freitag in einer völlig anderen Situation als die schrumpfenden Kommunen in Nordbayern. Ähnlich zweigeteilt sei die Lage in Hessen, wo dem boomenden Süden strukturschwächere Regionen im Norden und Osten gegenüberstehen. Auch in Nordrhein-Westfalen sei die Lage vieler Städte im Ruhrgebiet wesentlich schlechter als die der Städte entlang des Rheins.

Qualitätsoffensive für große Wohnsiedlungen

Angesichts dieser Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren noch verstärken werde, begrüßt der GdW die Aufstockung der Mittel für den Stadtumbau West und setzt sich für eine Fortentwicklung dieser Maßnahmen ein. Vor allem durch Schwerpunkte wie eine Qualitätsoffensive für Großwohnsiedlungen durch Rückbau und Aufwertung, durch Revitalisierung innerstädtischer Brachen und Beseitigung kleinteiliger Problemlagen im Altbaubestand.

Die Landesbausparkassen interpretieren die neuen Daten zum Bevölkerungsrückgang dagegen äußerst skeptisch. Sie seien seit Anfang der neunziger Jahre mehrfach deutlich nach oben korrigiert worden. So schwanken die neuesten Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) je nach Annahmen für das Jahr 2050 zwischen knapp 70 Millionen und gut 80 Millionen Einwohnern.

Auf die Zahl der Haushalte kommt es an

Für die Entwicklung der Wohnungsmärkte und der Bautätigkeit weit entscheidender sei die Entwicklung der Haushaltszahlen. Die aber würden sich noch für 10 bis 15 Jahre weiter erhöhen - bis 2020 um 1 Million oder 3 Prozent auf 40,5 Millionen. Als Hauptursache dafür nennt die LBS die Tendenz zu Single-Haushalten. Auch erhöhe die steigende Lebenserwartung die Zahl kleinerer Haushalte im Seniorenalter. In Hamburg werde die Zahl der neuen Haushalte in 15 Jahren um 8 Prozent steigen, in Bremen um 5 Prozent und in Niedersachsen um 3 Prozent. Für eine ausgeglichene Entwicklung sind nach Ansicht der LBS 50 Prozent mehr Häuser und Wohnungen als die 2007 genehmigten 182.000 Einheiten erforderlich.



Text: F.A.Z., 28.03.2008, Nr. 73 / Seite 45
Bildmaterial: F.A.Z./Helmut Fricke, ZB

Rubriken
Blättern

Japan

G8: Treibhausgase bis 2050 halbieren

 
Video in voller Größe
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche