Von Christiane Harriehausen
17. Mai 2008 Beängstigend sinkende Baugenehmigungszahlen und der Zusammenbruch der Bautätigkeit in ländlichen Regionen machen der deutschen Wohnungswirtschaft zu schaffen. Vor allem Bauträger blickten derzeit pessimistisch in die Zukunft. Die Bauwirtschaft sieht keine Besserung; der Wohnungsneubau wird noch weiter abrutschen, beschleunigt auch durch die Erbschaftsteuerreform und die verschärften Vorschriften für Energiesparinvestitionen in Gebäuden, deren Umsetzung auf lange Sicht nicht kostendeckend ist. Das sagte Walter Rasch, Vorsitzender des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), auf dem diesjährigen Kongress des Verbandes in Berlin.
Sorgen bereiten der Branche auch die steigenden Preise - vor allem die Öl- und Rohstoffpreise. Kritik übte Rasch auch an den großen bürokratischen Hemmnissen und nannte dabei die Zinsschranke im Zuge der Umsetzung der Unternehmensteuerreform und die Erbschaftsteuerreform; sie sieht in der Vermietung von Immobilien eine unproduktive und also steuerlich stärker zu belastende Tätigkeit. Von Diskriminierung war die Rede.
Die Riester-Rente soll Impulse bringen
Impulse erhoffen sich die Immobilienunternehmen aus der Einbeziehung der Immobilie in die Altersvorsorge (Riester-Rente). Sie ermöglicht es, das in dem Vertrag angesammelte Kapital für den Kauf einer Immobilie zu verwenden oder nach dem Immobilienerwerb die Altersvorsorgebeiträge der Riester-Rente für die Darlehenstilgung einzusetzen.
Erfreulich zeigt sich die Geschäftsentwicklung bei den Immobilienverwaltern, die für 2008 ein kräftiges Wachstum erwarten. Vor allem in der Optimierung von Bestandsimmobilien sieht Thomas Meier, Präsident des Bundesfachverbands Wohnungs- und Immobilienverwalter, großes Potential. Allerdings zeigte er im Hinblick auf die wünschenswerte energetische Sanierung von Gebäudebeständen erhebliche Hürden auf.
Viele notwendige Sanierungen bleiben aus
Bei Eigentümergemeinschaften machen wir immer wieder die Erfahrung, dass energetische Sanierungsmaßnahmen dringend erforderlich wären, aber finanziell nicht umsetzbar sind, sagte Meier. Zwar vergebe die KfW Bankengruppe zinsgünstige Kredite. Diese könnten aber von Eigentümergemeinschaften nicht genutzt werden, weil Darlehensmittel über die Hausbanken ohne ausreichende Sicherheiten nicht gewährt würden.
Hier seien Politik und Wirtschaft gleichermaßen gefordert. Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Karin Roth, sagte, dass dieses Problem erkannt sei und in Zusammenarbeit mit den Bundesländern und Banken nach praktikablen Lösungen gesucht werden müsse.
Das Angebot an Wohnraum bereitet Sorgen
Handlungsbedarf sieht Roth außerdem in einem ausreichenden Wohnraumangebot. Für dieses wichtige Thema, das einen hohen Investitionsbedarf nach sich ziehe, würden zurzeit Fördermöglichkeiten geprüft. In Anbetracht der demographischen Entwicklung sah die Staatssekretärin das Mehrgenerationenwohnen als zukunftsweisend an. Es gebe in Deutschland vorbildhafte Konzepte.
Roth hob hervor, dass Wohnraum in Anbetracht der neuen Herausforderungen durch die steigenden Energiekosten und die gesellschaftlichen Veränderungen bezahlbar bleiben müsse. Wohnen sei ein elementares Bedürfnis und müsse auch in Zukunft in einem angenehmen Wohnumfeld möglich sein.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Dieter Rüchel
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