Von Christiane Harriehausen
26. Februar 2008 Rund zwei Jahre hat der Verkauf des Einfamilienhauses von Christa und Ludwig Bruns in der Umgebung einer bayerischen Kreisstadt gedauert. Ein aufwendiger Prozess, der dem damals 75 Jahre alten Ingenieur und seiner Frau schlaflose Nächte bereitete. Ich habe manche Träne vergossen, als wir uns zu dem Verkauf entschlossen hatten, berichtet Christa Bruns.
Das Ehepaar hatte sich mit seinem selbstentworfenen Haus 40 Jahre zuvor einen Lebenstraum erfüllt. Dennoch erkannten die beiden, dass die Immobilie für ein Leben im Alter nicht geeignet war. Vor allem belastete uns die Frage, was passiert, wenn einer von uns beiden später allein zurückbleibt, sagt Ludwig Bruns. Denn mit steigendem Alter und eingeschränkter Mobilität wird ein Haus auf dem Land schnell zur Last.
Der Verkauf fällt vielen schwer
Auf keinen Fall wollten die beiden später im Alter gezwungen sein, die Entscheidung für oder gegen einen Umzug unter Druck zu treffen. So entschieden sich die Bruns für eine Seniorenresidenz und verkauften ihr Haus - nachdem sie es anfangs selbst erfolglos versucht hatten - über einen Immobilienmakler. Man kann sich etwas vormachen, aber auf lange Sicht hilft das nicht, sagt Ludwig Bruns, wir hatten klare Vorstellungen, wo und wie wir leben wollen. Allerdings waren wir auch bereit, uns den Umständen so weit wie nötig anzupassen. Wichtig sei es, sich in Ruhe über den gemeinsamen Weg zu einigen und die Entscheidung auch konsequent in die Tat umzusetzen. Das lässt sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen, gibt er zu bedenken.
Nicht immer läuft der Entscheidungsprozess so geradlinig ab wie in diesem Fall. Viele Menschen ignorieren die Folgen des Älterwerdens und wollen sich nicht mit Gedanken daran belasten, solange es ihnen noch gutgeht. Zudem hat sich die Einstellung zum Alter verändert: Ältere Menschen sind heute länger aktiv, haben eine höhere Lebenserwartung und stellen andere Ansprüche an sich und ihre Umwelt. Sie unterschätzen aber auch oft, wie sehr sich das Leben in den späteren Jahren verändert und welche Wohnbedingungen sie dann brauchen.
Viele Menschen zögern zu lange
Meist schieben viele die wichtige Frage hinaus, wie sie mit ihrem Haus oder ihrer Wohnung verfahren wollen - so lange, bis es nicht mehr geht. Wenn sie dann krank werden und wenn sie, oder ihre Angehörigen, schnell eine neue Wohnung oder einen Pflegeplatz finden müssen, belastet das alle Beteiligten sehr. Wer aber eine Immobilie unter Zeitdruck verkaufen muss, kann dabei viel Geld verlieren.
Eine gute Planung allein schützt aber noch nicht vor bösen Überraschungen. Eine davon ist oft der Wert des Hauses: In manchen Regionen Deutschlands gibt es so gut wie keine Nachfrage, entsprechend sind die Preise gesunken. Vor allem außerhalb der wirtschaftsstarken Regionen lassen sich Eigenheime nur schwer, manchmal überhaupt nicht verkaufen. Wer also damit gerechnet hat, mit dem Erlös seine Rente aufzubessern oder eine andere Wohnung zu finanzieren, muss oft ganz neu planen.
Ohne das passende Konzept wird das Haus zur Altersfalle
Es ist wichtig, rechtzeitig ein für die eigenen Bedürfnisse passendes Konzept zu finden und sich mit der Alterstauglichkeit der Immobilie auseinanderzusetzen. Das kann verhindern, dass diese irgendwann zur Altersfalle wird und spart zudem noch Geld. Schließlich ist die selbstgenutzte Immobilie für viele Menschen auch die teuerste Anschaffung, die sie im Laufe ihres Lebens tätigen.
Wer regelmäßig den Immobilienmarkt beobachtet, kann den Wert des Eigenheims besser einschätzen. Das ist in den vergangenen Jahren vor allem durch das Internet viel einfacher geworden. Auch die Wohnungsmarktberichte und Immobilienanzeigen in den Zeitungen sind leicht zugängliche Quellen.
Das Alter ist planbar
Wer gut informiert ist und auch den Rat von Fachleuten nicht scheut, kann dann das Wohnen im Alter vorausschauend planen. Und zwar ganz nach Geschmack: Manche wollen lieber in den eigenen vier Wänden bleiben, andere entscheiden sich dafür, in die Seniorenresidenz zu ziehen, wieder andere wählen das Modell einer betreuten Wohnung in Gemeinschaft anderer.
Am Anfang steht für viele die Überlegung, ob das aktuelle Haus oder die Wohnung überhaupt für das Alter geeignet sind. Das lässt sich nicht allein mit dem Spruch Alte Bäume verpflanzt man nicht erledigen. Manchmal ist das Ergebnis dieser Überlegungen sehr erfreulich, und es reichen schon wenige Umbauten, um in der vertrauten Umgebung bleiben zu können.
Die persönlichen Finanzen müssen realistisch eingeschätzt werden
Immobilienbesitzer, die dieses Glück haben, wollen auch oft ihr Haus behalten. Sie sollten zudem prüfen, ob ihre Rente reicht, um die Kosten für laufende Kosten, Instandhaltung und Bewirtschaftung zu decken. Ein mögliches Modell dazu ist die Leibrente mit Mietrecht (siehe auch: Die Vermögensfrage: Der Verkauf des Eigenheims als letzte Rettung). Dabei wird die Immobilie an einen Käufer veräußert, der dem Verkäufer ein lebenslanges Wohnrecht garantiert und eine monatliche Leibrente zahlt. Vor allem bei geringen Rentenansprüchen kann das für Immobilienbesitzer eine interessante Alternative sein. Der Vorteil ist nämlich: Sie können in ihrem vertrauten Umfeld bleiben und die Immobilie abwohnen.
Wer dagegen umziehen will oder muss, kann auch vermieten. Allerdings ist das oft arbeitsintensiv und es birgt das Risiko von Mietausfällen. Wer sein Haus daher doch lieber verkauft, sollte schon vorher überlegen, was er mit dem Geld aus dem Hausverkauf machen will. Vor allem die Kosten für eine Mietwohnung sollten sie so genau wie möglich kennen, denn an gefragten Orten ist das Wohnen teuer. So kann das Kapital aus dem Verkauf unter Umständen schon nach wenigen Jahren aufgezehrt sein.
Jeder sollte jedoch sein Tempo wählen
Doch auch Menschen, die den Verkaufserlös nicht dringend brauchen und die Immobilie vielleicht sogar verschenken möchten, sollten sich früh mit ihrem Steuerberater zusammensetzen. Denn bald soll die Erbschaftsteuer geändert werden. Noch ist nicht klar mit welchem Ausgang - aber genau in solchen Fällen hilft ein Berater. Letztlich sollten Hausbesitzer nicht nur an die Erben, sondern auch an sich selbst denken. Fachleute wissen, wie Verträge gestaltet sein müssen, damit der Schenkende gesichert ist und der Familienfrieden gewahrt bleibt.
Wichtig ist es, sich auf keinen Fall unter Druck zu setzen. Jeder sollte sein Tempo wählen, um alle Fragen zu beantworten. Nur wer voll und ganz hinter seiner Entscheidung steht, bereut sie hinterher auch nicht. Dazu kommt: Hausbesitzer sollten genug Zeit für den Verkauf und den Umzug einplanen. Denn Käufer sind kritisch und lassen sich oft Zeit. Da können zwischen Verkaufsabsicht und Vertragsabschluss Monate, manchmal sogar Jahre liegen.
Es macht zwar wenig Spaß, heute schon an morgen zu denken. Doch später durch einen Notfall zu etwas gezwungen zu sein, was man gar nicht wirklich will, ist deutlich schlimmer. Das Wohnen im Alter muss anderen Ansprüchen genügen als in frühen Lebensphasen. Wer das akzeptiert, kann selbst handeln und muss nicht befürchten, dass seine Immobilie irgendwann zu einer Altersfalle wird.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.02.2008, Nr. 8 / Seite 53
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.
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