Von Christiane Harriehausen
18. März 2008 Deutschland zählt auch in diesem Jahr zu den Favoriten internationaler Kapitalanleger. Das zeigte sich in dieser Woche auf der Immobilienfachmesse Mipim in Cannes. Auf den deutschen Ausstellungsständen waren viele Vertreter ausländischer Investmenthäuser anzutreffen, die offen über die Chancen in Deutschland sprachen. Sie schätzen vor allem die moderaten Immobilienpreise und das Wertsteigerungspotential angesichts steigender Mieten.
Auch die wirtschaftliche Erholung auf dem viertgrößten Immobilienmarkt der Welt und die Stabilität des Euro lockt Investitionskapital. Immerhin hat sich der Wert des Euro gegenüber dem Dollar seit der Jahrhundertwende um 40 Prozent erhöht. Profitieren werden Investoren, die viel Eigenkapitalquoten einsetzen, sagte Thomas Beyerle von Degi Research auf der Mipim.
Viele kleine Geschäfte halten den Markt in Schwung
Zwar ist die Zeit der großen Portfoliotransaktionen angesichts der Finanzierungsprobleme auf den Finanzmärkten abgelaufen. Doch hält eine Vielzahl von kleineren Geschäften den Markt in Schwung, sagte Beyerle. Investoren mit Eigenkapital sind umworben und treffen in Deutschland auf einen Markt, der nicht von Bieterverfahren und Preiskämpfen dominiert wird, berichtet Klaus Franken, Managing Partner beim Immobiliendienstleister Catella Property Group. Viele Transaktionen fänden nicht mehr auf der offenen Bühne statt. Dadurch könnten Käufer wieder gezielter angesprochen werden, und die Qualität der Immobilie stehe im Mittelpunkt. Für den deutschen Immobilienmarkt sei das eine gute Entwicklung.
Klaus Trescher, Aufsichtsratsvorsitzender der Pramerica Real Estate Investors, geht jedoch davon aus, dass der deutsche Immobilienmarkt seine international hervorgehobene Stellung langfristig verlieren wird. Der Deutschlandanteil in global aufgestellten Portfolios werde in den kommenden Jahren von 7 Prozent auf 5 Prozent sinken. Die Investoren würden schon heute Regionen mit besseren demographischen Aussichten und höheren Wachstumsraten in Augenschein nehmen.
Die energetische Qualität wird immer wichtiger
Nirgendwo hat die Subprime-Krise einen so geringen dämpfenden Effekt auf die Konjunktur wie in Deutschland meint Frank Billand, Vorstandsmitglied der Union Investment Real Estate. Die Tatsache, dass sich globale Asset Manager wie Aberdeen über Unternehmenszukäufe den Zugang zum deutschen Markt erschließen, zeige, wie nachhaltig das Wachstum in Deutschland von außen eingestuft wird.
An Bedeutung gewinnt für Investoren die energetische Qualität von Gebäuden. Das zeigte sich an der neuen Kategorie Grünes Bauen bei der Verleihung der Mipim-Awards - als höchste Auszeichnung für international hervorragende Objekte auf der Immobilienmesse in Cannes. Aspekte der Nachhaltigkeit spielen bei der Ankaufprüfung, speziell in der technischen Begutachtung, schon heute eine Rolle, sagte Billand.
Ein Umweltzertifikat ist geplant
Das geplante Umweltzertifikat der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) werde - wenn eine Kompatibilität mit internationalen Standards erreicht wird - die Herausbildung eines Marktes für nachhaltige Gebäude in Deutschland beschleunigen. Der neue Standard schaffe Transparenz und bringe eine neue Art des Wettbewerbs in die Immobilienwirtschaft.
Noch werden umweltschonende und energieeffiziente Gebäude als Exoten angesehen, von denen man nicht genau wisse, welche Stärken und Schwächen sie tatsächlich haben. Doch werde gesetzlicher Zwang die Märkte schnell verändern.
Text: F.A.Z., 14.03.2008, Nr. 63 / Seite 51
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS
