Von Jens Friedemann
22. Februar 2008 Wer auf die jüngste Geschichte der Wiener Conwert Immobilien Invest AG blickt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Auf der einen Seite Rekordergebnisse - auf der anderen ein Absturz des Aktienkurses. Als wir 2002 an die Wiener Börse gingen, hatten wir ein Eigenkapital von 20 Millionen Euro, heute von 1,4 Milliarden Euro, berichtete Johann Kowar, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft, in einem Gespräch mit dieser Zeitung.
Allein für das vergangene Jahr weist der Konzern Rekordergebnisse aus. So sind die Erträge vor Zinsen und Steuern um 87 Prozent auf 137,7 Millionen Euro gestiegen, die Erfolge des Geschäfts (Funds from Operation) um 134 Prozent auf 60,33 Millionen Euro und der Jahresüberschuss von 26 auf 35 Millionen Euro. Doch hat sich der Aktienkurs - im Gefolge des Kurssturzes der internationalen Immobilienaktien - in wenigen Monaten von 18 auf knapp 11 Euro reduziert.
Große Chancen am Wiener Ring
Wir sind ein voll integrierter europäischer Wohnimmobilien-Konzern, sagt Kowar. Das Unternehmen investiert in hochwertige innerstädtische Patrizierhäuser, die durch Ausbau, Revitalisierung und Leerstandsabbau Chancen auf Wertverbesserung bieten. Selbst bei extrem niedrigen Mieten von 63 Cent je Quadratmeter im Monat - wie am Wiener Ring - sieht Kowar Chancen, weil dort viele Mieter im fortgeschrittenen Alter von 80plus sind.
Um in den deutschen Märkten Fuß zu fassen, hat Kowar im vergangenen Jahr das auf Wohnungsprivatisierungen spezialisierte Unternehmen Alt & Kelber aus Heilbronn zu 75 Prozent übernommen. Das Unternehmen ist Marktführer in der Wohnungsprivatisierung und hat bei Transaktionen mit insgesamt 700.000 Wohnungen Pate gestanden.
Investitionen in Berlin, Leipzig und Dresden
In Deutschland hat sich die Conwert in attraktive innerstädtische Objekte in Berlin, Leipzig und Dresden eingekauft. Der Osten Deutschlands ist für Kowar ein Markt des Aufbruchs. Zum ersten Mal würden Lehrer und Ärzte aus Westdeutschland nach Ostdeutschland gehen, weil sie dort Arbeit und bezahlbare Wohnungen finden, berichtet er. Die hohe Investitionstätigkeit und der Fachkräftemangel könne Ostdeutschland einen Wachstumsschub geben. So werde allein die neue Autobahn A 4 Richtung Prag-Brünn-Bratislava-Wien für Arbeitsplätze durch Ansiedlungen von Logistikunternehmen sorgen.
Zwar sind die Mieten niedrig. Doch konnte Conwert die Mieten in den Dresdner Beständen im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent auf 5,01 Euro je Quadratmeter erhöhen; durch Leerstandsabbau wurden die Einnahmen um weitere 9,7 Prozent erhöht, so dass unter dem Strich ein Wachstum der Mieterträge von 13,3 Prozent ausgewiesen wird. Das eigentliche Ertragswachstum als Basis für Dividenden sieht Kowar in Dienstleistungen für Dritte. Einen großen Teil dazu soll Jürgen Kelber leisten. Er hat sein Unternehmen gegen Übernahme von Conwert-Aktien eingebracht ist.
Ein Immobilienvermögen von mehr als 2 Milliarden Euro
In Österreich hält das Unternehmen ein Immobilienvermögen von 1,22 Milliarden Euro, in Deutschland von 841 Millionen und im Osten Europas von 87 Millionen Euro. Annähernd zehn Prozent des Bestands sollen jährlich umgeschlagen werden. Aus dieser Privatisierung hat Conwert im vergangenen Jahr 220 Millionen Euro an Erträgen erzielt. In Deutschland hat das Unternehmen die Immobilienverwaltung für Vivacon, Babcock & Brown und Corestate übernommen. Auch zählt Conwert zu den wenigen Immobilienkonzernen, die alle wesentlichen Daten - vom Einkaufspreis über die Beteiligungshöhe, die Mieten und Erträge bis zum Verkaufswert - publizieren.
Text: F.A.Z., 22.02.2008, Nr. 45 / Seite 41
Bildmaterial: AP, Reuters
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