Jahresbilanz

100 Milliarden Euro für deutsche Immobilien

Von Jens Friedemann

Gefragter Standort: In Düsseldorf sind die Büromieten gestiegen

Gefragter Standort: In Düsseldorf sind die Büromieten gestiegen

18. Januar 2008 Auf den deutschen Immobilienmärkten setzt sich der Höhenflug fort. So sind 2007 knapp 75 Milliarden Euro auf die deutschen Immobilienmärkte geflossen - 15 Milliarden davon in Wohnungsbestände und Wohnungsgesellschaften. Einschließlich der Übernahme von Unternehmen mit großem Immobilienbestand waren es sogar annähernd 100 Milliarden Euro, darunter der Verkauf der Kapitalanlagegesellschaft Degi mit ihren offenen Immobilienfonds an die britische Finanzgruppe Aberdeen, der Verkauf der ehemals bundeseigenen Vivico an die Wiener CA Immo AG und der Übergang der Aurelis von der Deutschen Bahn an Hochtief und den Finanzinvestor Redwood Grove.

„Der deutsche Investmentmarkt hat 2007 seinen Höhepunkt erreicht“, meint Wulff Aengevelt vom gleichnamigen Makler- und Beratungshaus aus Düsseldorf. Den Büromärkten in Deutschland aber sagt er „einen nachhaltigen Aufschwung“ voraus. Die konjunkturelle Gesundung werde von Wachstumsimpulsen aus fast allen Wirtschaftsbranchen getragen und von den damit verbundenen Beschäftigungseffekten. Ähnliche Einschätzungen sind aus anderen großen Immobilienmakler- und Beratungsgesellschaften zu hören, darunter Atisreal, CB Richard Ellis, Cushman & Wakefield, Dr. Lübke Immobilien, Jones Lang LaSalle.

Dollar, Konjunktur und schwache Bautätigkeit halfen 2007

Es ist nicht nur der schwache Dollar, der Milliardenbeträge in den Euroraum lenkt; es ist auch die Gesundung der deutschen Wirtschaft und die seit Jahren geringe Bautätigkeit. So erwartet Axel Sikora von Jones Lang LaSalle in Frankfurt - der Stadt mit dem spekulativsten Immobilienmarkt des Landes - in diesem Jahr allenfalls 37.000 Quadratmeter an neuen Büroflächen - 2003 waren es 620.000 Quadratmeter. Insofern herrscht Zuversicht für die deutschen Immobilienmärkte - wären da nicht die Turbulenzen bei den Banken.

Tony Horrell, CEO Jones Lang La Salle Capital Markets (JLL), berichtet jetzt aus London, dass im vergangenen Jahr annähernd 220 Milliarden Euro auf die europäischen Gewerbeimmobilienmärkte geflossen sind; das entspricht einem Rückgang von 13 Prozent gegenüber 2006. Seit Anfang September 2007 sieht Horrell „Anzeichen für ein Ende des Aufschwungs und einen Wendepunkt auf den europäischen Immobilien-Kapitalmärkten - am deutlichsten in Großbritannien, aber auch auf einigen kontinentaleuropäischen Märkten“. Und dazu zählt er auch Deutschland. Die Spitzenrenditen hätten sich abgeschwächt, für Bürogebäude um 30 Basispunkte und für Einzelhandelsimmobilien um 25 Basispunkte. Diese Tendenz könne sich fortsetzen oder gar beschleunigen, falls sich die aus Amerika stammende Kreditkrise verstärken sollte.

Überall steigende Umsätze für Gewerbeimmobilien

In nahezu allen größeren deutschen Städten sind die Umsätze für Gewerbeimmobilien im vergangenen Jahr gestiegen und der Leerstand auf den Büromärkten gesunken. In Düsseldorf haben die Umsätze auf dem Büromarkt sogar einen Sprung von gut 300.000 auf 510.000 Quadratmeter gemacht. Dort sind die Mieten auf 22,50 je Quadratmeter gestiegen. In Frankfurt sind in einigen Verträge sogar erstmals wieder 40 Euro vereinbart worden und in München, dem mit 820.000 Quadratmetern Bürofläche umsatzstärksten Markt 2007 - nach 620.000 im Jahr zuvor - auf 30,50 Euro je Quadratmeter. Gefestigt wird die Tendenz von der starken Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften.

Text: F.A.Z., 18.01.2008, Nr. 15 / Seite 41
Bildmaterial: ddp

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