New York

Immobilien-Trophäen für Superreiche

Von Roland Lindner

19. März 2008 Wohnzimmer ist nicht gleich Wohnzimmer. Und für einen Immobilienunternehmer wie Izak Senbahar, der sich auf Luxushäuser in New York spezialisiert hat, kann es nicht pompös genug sein. Senbahar spaziert stolz durch das Prunkstück seines neuesten Projekts: das Penthouse im altehrwürdigen Hotel „The Mark“ an der noblen Upper East Side in Manhattan. Das Penthouse ist im Moment eine offene und staubige Baustelle, aber man kann erahnen, dass hier eine der extravagantesten Wohnungen in New York entsteht.

Der Hingucker in dem künftigen Luxusappartement ist das, was im Bauplan „Wohnzimmer“ heißt, aber in Wirklichkeit eher wie der Ballsaal in einem Palast aussieht. Es ist der Raum direkt unter einem denkmalgeschützten Turmdach, und er ist in der Mitte acht Meter hoch. Und das ist nur ein kleiner Teil in dem mehr als 900 Quadratmeter großen Appartement, das sich über zwei Stockwerke erstreckt und über alle erdenklichen Annehmlichkeiten verfügt: Es gibt einen persönlichen Fahrstuhl, vier Kamine und eine Terrasse, die einen spektakulären Blick auf die Skyline von New York und den Central Park bietet. Dieser Luxus hat freilich seinen Preis: 60 Millionen Dollar will Senbahar für das Penthouse haben. Das wäre eine der größten Summen, die jemals in New York für ein Appartement bezahlt worden sind.

Meine Wohnung ist meine Trophäe

Das Penthouse im „Mark“ gehört zu der Klasse von Wohnungen, die in New Yorker Immobilienkreisen „Trophy Apartments“ genannt werden: Wohnungen, die man gewissermaßen als Trophäen herzeigen kann, weil sie sich in repräsentativen Gebäuden befinden, die oft auf eine lange und schillernde Geschichte zurückblicken. Das „Mark“ etwa ist im Jahr 1927 eröffnet worden.

Ein anderes Beispiel ist das berühmte Hotel Plaza, das sogar mehr als hundert Jahre alt ist. Das Plaza war Kulisse für etliche Kinofilme, und hier fand im Jahr 1966 der rauschende „Black and White Ball“ des Schriftstellers Truman Capote statt, der bis heute in New York Legendenstatus genießt. Das Plaza hat jahrelange Renovierungsarbeiten hinter sich.

Harry Macklowe kaufte sich groß im Plaza ein

Der größte Teil des Hauses wurde in Eigentumswohnungen umgewandelt, ein kleinerer Teil wurde vor wenigen Tagen als Hotel wiedereröffnet. Auch für die Wohnungen im Plaza wurden gigantische Summen gezahlt. Rekordhalter ist der Immobilieninvestor Harry Macklowe, der für 60 Millionen Dollar mehrere Appartements gekauft hat, die er zu einem riesigen Domizil zusammenlegen will.

Auch das „Mark“ wird die in New York immer häufiger anzutreffende Mischform aus Hotel und Eigentumswohnungen bieten. „Mit dem Verkauf von Wohnungen kann ich einen großen Teil meiner Investitionen direkt wieder hereinholen“, sagt Senbahar. Er hat insgesamt 300 Millionen Dollar in das Haus gesteckt, jeweils die Hälfte für den Kaufpreis und für Renovierungsarbeiten. Die insgesamt 42 Eigentumswohnungen sollen ihm 200 Millionen Dollar einbringen.

Bei 5 Millionen Dollar geht es los

Senbahar steht mit der Vermarktung der Eigentumswohnungen noch am Anfang. Acht Verträge sind bislang unterzeichnet. Einen Käufer für das „Penthouse“ gibt es noch nicht, aber Senbahar macht sich keine Sorgen: „Es gibt sehr viele Milliardäre, aber es gibt nur ein sehr kleines Angebot an solchen Trophäen“, sagt er. Der New Yorker Immobilienmakler Kirk Henckels bestätigt, dass die oberste Luxusklasse ein umkämpfter Markt ist.

Henckels arbeitet für die Maklerfirma Stribling & Associates, die auf Luxusappartements spezialisiert ist. „Unter 5 Millionen Dollar fange ich normalerweise nicht an“, sagt er von sich. Das Trophäen-Segment beginnt für ihn ab 20 Millionen Dollar, und hier sei das Angebot sehr begrenzt: „Im Moment sind gerade einmal sieben Objekte in der ganzen Upper East Side in dieser Preislage auf dem Markt“, sagt Henckels.

Auch russische Oligarchen leben gern im Penthouse

Wer kauft diese Luxuswohnungen? Senbahar richtet sich im „Mark“ nicht nur beim Penthouse, sondern auch bei den anderen Wohnungen an Superreiche. „Drei von vier Käufern sind Milliardäre“, sagt er. Das billigste Objekt ist eine Ein-Zimmer-Wohnung für zwei Millionen Dollar, eine Vier-Zimmer-Wohnung wurde gerade für 8,5 Millionen Dollar verkauft. Die Kundschaft verteilt sich nach den Worten von Senbahar gleichmäßig auf Einheimische („meistens aus der Finanzindustrie in Manhattan“) und auf Ausländer.

Gerade das Penthouse scheint für Ausländer attraktiv zu sein: „Ich habe zwei russische Oligarchen, die Interesse am Penthouse haben. Und dann gibt es noch jemanden aus Irland“, sagt Senbahar. Es sei schon zu spüren, dass der billige Dollar Wohnungen in New York für Ausländer immer interessanter mache.

Deutsche haben wenig Interesse

Immobilienmakler Henckels meint dagegen, er habe vor dem Hintergrund der Dollar-Schwäche mit einem noch massiveren Ansturm aus dem Ausland gerechnet. So seien die meisten Appartements im Plaza noch immer an Amerikaner verkauft worden. Speziell aus Deutschland halte sich die Nachfrage nach Luxuswohnungen in Manhattan in Grenzen. „Ich weiß nicht, woran das liegt, aber europäische Käufer kommen häufiger aus Italien oder Irland als aus Deutschland“, sagt Henckels.

Den Trophäencharakter von Appartements in Gebäuden wie dem „Mark“ erkennt man auch daran, dass sie für die Besitzer meist nur eine von mehreren Wohnungen sind. „Für meine Kunden ist das hier meistens nicht der Hauptwohnsitz, sondern die Zweit- oder Drittwohnung“, sagt Senbahar. Grund für die Anschaffung ist also mehr „wollen“ als „brauchen“.

Es gibt noch genügend Reiche

Die wirtschaftliche Abschwächung in Amerika habe sich bisher in dem Super-Luxussegment noch nicht niedergeschlagen, urteilt Makler Henckels. „Es gibt noch immer viele Leute, die sehr reich sind. Und das knappe Angebot sorgt dafür, dass der Markt stabil bleibt.“ Henckels will aber nicht ausschließen, dass sich dies ändert, wenn die amerikanische Wirtschaft in einer tiefen Rezession versinkt.

Schon heute findet nicht jede Wohnung aus der obersten Luxusklasse einen Käufer. Das Trophäenappartement schlechthin in Manhattan zum Beispiel ist nun schon seit ein paar Jahren auf dem Markt und bis heute ohne Abnehmer geblieben. Es handelt sich um das dreistöckige Penthouse im Luxushotel „Pierre“ an der Fifth Avenue, direkt am Central Park.

Wohnen in einer Filmkulisse

Das Appartement gehört zu den Wahrzeichen der Manhattaner Skyline: Es sieht aus wie ein Schloss, nur dass es sich eben über die obersten Stockwerke eines Hochhauses erstreckt, und es ist ebenfalls als Filmkulisse bekannt geworden (als Wohnung von Anthony Hopkins im Streifen „Rendezvous mit Joe Black“ mit Brad Pitt aus dem Jahr 1998).

Die Wohnung gehört heute dem Finanzguru Martin Zweig, und er will 70 Millionen Dollar dafür haben. Es gilt in der New Yorker Immobilienszene als Faszinosum, dass es bisher keinen Käufer für das berühmte Objekt gibt: „Vielleicht will der Inhaber gar nicht so dringend verkaufen. Oder vielleicht sind die Preisvorstellungen doch etwas zu hoch“, mutmaßt Makler Henckels. „Mark“-Eigner Senbahar spekuliert, dass etwaiger Renovierungsbedarf in dem sehr alten Appartement potentielle Käufer abschrecken könnte.

Oft sind die Häuser trist und leer

So begehrt die meisten Trophäenappartements sein mögen, sie haben auch Nachteile. Denn der Umstand, dass viele Besitzer ihre Wohnungen nur ab und zu nutzen, führt dazu, dass es sich in den prachtvollsten Häusern der Stadt etwas trist und einsam lebt.

Das musste die Inhaberin eines Appartements im Plaza vor ein paar Tagen schmerzhaft erfahren. Sie schloss sich im Abstellraum ihres Stockwerks ein, und niemand hörte ihre Schreie, weil keiner der unmittelbaren Nachbarn zu Hause war. Erst nach sieben Stunden wurde ein Hotelangestellter auf sie aufmerksam und befreite sie.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008, Nr. 11 / Seite V17
Bildmaterial: REUTERS, Roland Lindner

 
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