Nachhaltigkeit

Ein Qualitätssiegel für Immobilien

Von Jens Friedemann

Mit einer Millionen schweren Investition verwandelt die Deutsche Bank gerade ihren berühmten Doppelturm in ein grünes Hochhaus

Mit einer Millionen schweren Investition verwandelt die Deutsche Bank gerade ihren berühmten Doppelturm in ein grünes Hochhaus

31. Mai 2008 Die vor einem Jahr gegründete „Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e. V.“ (DGNB), der mittlerweile zweihundert Unternehmen, Planer, Berater, Wissenschaftler und Ingenieure angehören, hat Hand in Hand mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und seinem „runden Tisch für nachhaltiges Bauen“ ein Qualitätszertifikat für die Bau- und Immobilienwirtschaft entwickelt.

Es soll von Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft am 17. Juni auf der „Consense“ vorgestellt werden, dem ersten internationalen Kongress mit Fachausstellungen auf der neuen Messe Stuttgart. Die „Consense“ soll als jährlicher internationaler Treffpunkt für Nachhaltigkeitsstrategien in der Immobilienwirtschaft etabliert werden. Mit dem Siegel „Made in Germany“ sollen deutsche Planer und Ingenieure international in eine Spitzenposition gebracht werden, sagte Werner Sobek, Ingenieur und Präsidiumsmitglied der DGNB sowie Professor an der Universität Stuttgart, auf einem Pressegespräch.

Neue Perspektiven durch ein Nachhaltigkeitszertifikat

Das von einer Gruppe führender Wissenschaftler entwickelte Nachhaltigkeitszertifikat gebe der deutschen Immobilien- und Bauwirtschaft ungeahnte Perspektiven, sagten Sobek und sein Präsidiumskollege Bernhard Bürklin, Leiter der Zentralabteilung Hochtief, auf der Veranstaltung. Es gebe einen grundlegenden Wandel in der Bau- und Immobilienwirtschaft: Energieeffizienz, Ressourcenschutz sowie die Gesundheit und Wirtschaftlichkeit ständen im Mittelpunkt der neuen Entwicklung.

Damit gehe das deutsche Zertifizierungssystem weit über die ökologischen Aspekte „grüner“ Gebäude hinaus und erfasse auch die Lebenszykluskosten von Immobilien. Bei dem Zertifikat handele es sich um ein dynamisches System, das auch auf Brücken, Autobahnen und Anlagen ausgedehnt werden könne. Auch könne es auf unterschiedliche Klimazonen ausgerichtet werden und sich damit zu einem Exportschlager entwickeln. Die Bezeichnung des Siegels sei noch Gegenstand von Vereinbarungen mit dem Bundesministerium.

Erste Siegel werden bald vergeben

Sobek sprach von 60 Kriterien - Steckbriefen - für die Beurteilung der Qualität einer Immobilie. Jeder Steckbrief enthalte ein Bewertungsschema von 0 bis 10 Punkten. Die DGNB werde als eine Art Exekutive des Ministeriums entsprechende Handbücher erstellen und nach Ausbildung von Zertifizierern die Lizenzen erteilen und die Prüfung der zertifizierten Gebäude übernehmen. Sie erteile auch die Benotung, die ebenfalls noch festgelegt werden müsse. Es gebe zahlreiche Anträge für die Zertifizierung von bestehenden Gebäuden und für Bauprojekte.

Die ersten Siegel würden wahrscheinlich schon vom Beginn kommenden Jahres an erteilt werden. Gegenüber anderen internationalen Zertifikaten zeige das deutsche Siegel weitere Vorteile: Es greife ökonomische Themen wie Werterhalt auf und gebe Bauherren und Planern einen großen Spielraum, um die Zielvorgaben erreichen zu können. Außerdem ermögliche es, die künftige europäische Gesetzgebung und Normung für nachhaltiges Bauen aufzunehmen, und schaffe auf diese Weise Sicherheit für Investoren, Betreiber und Nutzer.

Reinhard Kutscher vom Vorstand der Union Investment Real Estate sprach von einer internationalen Entwicklung: Die großen Konzerne und etliche Regierungsstellen wollen künftig nur noch zertifizierte Objekte nutzen. Das werde sich schon bald auch auf die Finanzierung, die Bewertung und die Immobilieninvestitionen der internationalen Fonds auswirken.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche