Immobilienwirtschaft

Absturz auf Raten

Von Jens Friedemann

Modell von Dubai auf der Mipim: Es kehrt Ernüchterung ein in der Immobilienwelt

Modell von Dubai auf der Mipim: Es kehrt Ernüchterung ein in der Immobilienwelt

27. März 2008 Die schwere Bankenkrise überschattet nun auch die Immobilienmärkte. Auf der Immobilienfachmesse Mipim in Cannes waren angelsächsische Investmentbanken gar nicht erst erschienen. Der Markt für internationale Immobilienfinanzierungen ist regelrecht zusammengebrochen.

Das Finanzsysten aber ist der Motor für Immobilieninvestitionen. Doch wurde in Cannes auch auf die Schutzwirkung der Immobilie gegenüber Inflation und Finanzkrisen hingewiesen. Wer seine Bestände seriös finanziert und auf Standort- und Vertragsqualität geachtet habe, brauche sich nicht allzu sehr zu sorgen.

Außerdem wurde von einer Wetterscheide für die Immobilienwirtschaft gesprochen: Im Westen sei ein Absturz auf Raten zu beobachten - so haben gut vermietete Bürogebäude in London im letzten Quartal 2007 fast ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Im Osten der Welt, so hieß es auf der Mipim, herrsche dagegen eine entspannte Lage. Die Grenze zwischen beiden Seiten verlaufe quer durch Europa. Deutschland liege durch die Gesundung der Wirtschaft - mit steigenden Mieten und sinkenden Leerständen - auf der Sonnenseite.

Angst vor einer Verkaufswelle in Deutschland

Doch beginnt das große Engagement ausländischer Beteiligungsgesellschaften auch hier für Verunsicherung zu sorgen. Zwar erwarten die Fachleute, das Jahr 2008 einigermaßen unbeschädigt zu überstehen. Immerhin sei es eine Bankenkrise und keine Immobilienkrise. Doch könnte eine Verkaufswelle der in Bedrängnis geratenen Beteiligungsgesellschaften die deutschen Immobilienmärkte zumindest partiell in die Knie zwingen und hiesige Banken veranlassen, bei den hochbeliehenen Immobilienbeständen zusätzliche Sicherheiten einzufordern.

Außerdem haben zahlreiche Immobiliengesellschaften die Immobilienwerte in ihren IFRS-Bilanzen so stark hochgetrieben, dass sie bei einem Schwächeanfall auf den Märkten von ihren Wirtschaftsprüfern zu Wertberichtigungen veranlasst werden könnten. Für so manche Immobiliengesellschaft könnte das bedenkliche Folgen haben und Notverkäufe auslösen. Davon profitieren allenfalls Investoren mit hoher Liquidität. Ihnen böten sich außergewöhnliche Gelegenheiten.

Manche aber wollen die günstigen Kaufpreise nutzen

„Der Markt verhält sich geteilt: Die einen äußern ernsthafte Kaufabsichten, weil die Kaufpreise gegenüber dem Vorjahr gesunken sind. Andere sehen den Kredit-Tsunami mit Immobilien-Auswirkung noch vor sich“, sagte Lutz Aengevelt vom gleichnamigen Immobilienmakler- und Beratungshaus auf der Mipim. Die Nachhaltigkeit von Beratung, Cashflow, Lage- und Objektqualität, die Glaubwürdigkeit von Value-Added- und Exit-Strategien sieht Aengevelt als „wieder kaufentscheidende Parameter“ an; das sei eine positive Entwicklung, die die Wettbewerbsfähigkeit des robusten Immobilienmarktes in Deutschland stärke.

„Aus dem Osten kommt das Licht“, hieß es mit Blick auf das reichlich fließende Investitionskapital aus den Rohstoffländern. Die Wellen der Bankenkrise würden nicht bis dorthin reichen und auf den östlichen und fernöstlichen Anlagemärkten allenfalls für Verstimmungen sorgen, doch ganz immun sind auch diese Märkte nicht gegen die amerikanische Krankheit.

Das zeigen die unter Druck geratenen Wertpapierkurse. Immobilienaktien rund um den Globus haben erheblich Federn lassen müssen. Eine Erholung aber hängt auch hier von einem absehbaren Ende der Bankenkrise ab.

Text: F.A.Z., 20.03.2008, Nr. 68 / Seite 49
Bildmaterial: Reuters

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