Von Nadine Oberhuber
28. Juli 2008 Die Hoffnung stirbt zuletzt, deshalb kämpft die Fondsbranche im Sinne der Anleger weiter. Sie wehrt sich dagegen, dass von 2009 an auch Fondssparpläne voll unter die Abgeltungsteuer fallen sollen. Das nämlich sieht derzeit das Gesetz vor: Von Januar an werden die Gewinne, die Anleger aus dem Fondssparen erzielen, zu 25 Prozent versteuert. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer kommen noch hinzu und schmälern die Rendite um weitere 3 Prozent. Bisher waren die Kursgewinne aus dem Fondssparen nach Ablauf eines Jahres steuerfrei.
Aber es gibt noch Hoffnung: Erst nach der Sommerpause beraten die Abgeordneten des Bundestags endgültig, ob sie das Gesetz so verabschieden, wie es derzeit vorgesehen ist. Wird die Abgeltungsteuer tatsächlich in voller Härte auch auf das Fondssparen angewendet, werden viele der momentan 15 Millionen Fondssparer den Sparplänen den Rücken kehren. Das wäre fatal aus Sicht vieler Verbraucherschützer. Schließlich zählt das Fondssparen zu den flexibelsten und meist auch einträglichsten Möglichkeiten, Kapital aufzubauen.
Fondsbranche will auch eine Ausnahme
Der Branchenverband BVI jedenfalls hofft auf eine Änderung, bestätigt dessen Sprecher Andreas Fink. Schließlich hatte es auch für kapitalbildende Lebensversicherungen nach langen Verhandlungen eine Ausnahme gegeben: Sie sind von der Abgeltungsteuer ausgenommen, wenn sie länger als 12 Jahre bespart und erst im Rentenalter ausgezahlt werden - wenn der Anleger sie also tatsächlich für die Altersvorsorge genutzt hat.
Der Grund: Lebensversicherungen sollten nicht gegenüber anderen Produkten bevorzugt werden. Denn eben weil sie der Altersvorsorge dienen, fällt bei ihnen per Gesetz nur die Hälfte des Ertragsanteils (also des ausgezahlten Kapitals abzüglich der Einzahlungen) unter die Steuerpflicht. Würde diese Hälfte künftig nur mit dem Abgeltungsteuersatz besteuert - zu 25 Prozent, und nicht mehr mit dem persönlichen Steuersatz von bis zu 42 Prozent, so wären sie eines der steuerlich interessantesten Produkte am Markt gewesen. Das wollte die Politik verhindern.
Langlaufende Fondssparpläne auch betroffen
Dafür bestraft sie aber nun die Fondssparer, sagen die Verfechter dieser Gattung. Denn auch die, so argumentieren Finanzberater, besparen ihre Depots meist im Hinblick auf die Altersvorsorge. Doch die Abgeltungsteuer greift auch bei langlaufenden Fondssparplänen: Jeder einzelne Fondsanteil, der von Januar 2009 an im Depot landet, wird beim Verkauf pauschal besteuert. Die Banken ziehen den Anteil automatisch ab. Dabei bleibt ein Viertel des Gewinns beim Finanzamt hängen.
Da läppern sich hübsche Summen zusammen: Wer 30 Jahre lang monatlich 100 Euro spart, der hat am Ende 36.000 Euro angespart. Diese 100 Euro sind der Standardbetrag der meisten Sparer, sagt Finanzexpertin Helma Sick und Autorin des Ratgebers Wenn ich einmal reich wär. Dieser Sparbetrag vermehrt sich bei der durchschnittlichen Rendite guter internationaler Aktienfonds von rund 8,3 Prozent auf 150.000 Euro. Die konnten Anleger bisher steuerfrei vereinnahmen. Künftig aber müssen sie 114.000 Euro davon versteuern. So fließen 31.920 Euro ans Finanzamt.
Viele Sparer werden auf andere Produkte ausweichen
Das werden viele Sparer nicht einsehen, befürchtet Sick. Viele werden wohl auf Produkte ausweichen, die steuerlich günstiger scheinen, aber langfristig weniger Rendite abwerfen. Oder erheblich höhere Kosten haben. Die Versicherungsbranche hat ihre Vertriebsleute schon mal in Stellung gebracht, um reichlich gefrustete Anleger für ihre Produkte zu begeistern. Von der Art der Einzahlung her ähneln sich Fonds und Versicherungen schließlich.
Doch während Plansparer ihre Beiträge monatlich anpassen und sogar aussetzen können, wenn das Geld knapp ist, binden Versicherungsunternehmen ihre Kunden mit starren Verträgen. Und sie drohen mit hohen Abschlägen, falls ein Vertrag ruht oder vorzeitig aufgelöst wird. Da sie auch bei den Gebühren großzügiger zulangen, ist bei ihnen die Steuerlast zwar geringer, aber das Endergebnis fast immer kleiner.
Die Steuerlast lässt sich reduzieren
Übrigens auch für den Staat, haben Finanzexperten errechnet. Darum zieht das Argument nicht, es dürfe keine Sonderregelung für Fondssparpläne geben, weil sonst Steuerausfälle zu befürchten seien. Von der höheren Rendite, die das Fondssparen meist gegenüber der Versicherung abwirft, profitiert auch der Fiskus.
Es gibt aber Tricks, wie Sparer die Steuerlast klein halten können - oder sie sogar ganz umgehen: Sie sollten zum Beispiel auf Aktienfonds verzichten, die ihre Erträge voll ausschütten, und das tun selbst Fondsbestseller wie der Templeton Growth. Doch bei den Ausschüttungen kassiert der Staat demnächst regelmäßig mit. Sparer sollten künftig thesaurierende oder teilausschüttende Fonds wählen, die ihre Erträge im Fonds lassen, rät Steuerberaterin Birgit Hosemann, die sich auf die Besteuerung von Kapitalanlagen spezialisiert hat.
Umschichten wird im nächsten Jahr teuer
Wichtig ist, dass Anleger sich noch in diesem Jahr für einen bewährten guten Fonds entscheiden - denn jedes Umschichten wird von 2009 an teuer. Helma Sick hat noch einen weiteren Rat: Viele Sparer haben hohe Summen als Puffergeld auf dem Tagesgeldkonto. Wenn Sie das nicht ganz dringend vorhalten müssen: Packen Sie die Hälfte davon noch 2008 in einen guten Fonds. Und richten Sie dann einen Sparplan ein, der aufs Tagesgeldkonto fließt. So ist die fehlende Summe schnell wieder aufgestockt, aber der Fondsbrocken wirft inzwischen Rendite ab - auf alle Jahre steuerfrei. Zudem werden ja auch die Festgeldzinsen demnächst zu 25 Prozent besteuert. Da lohnt es sich kaum, hohe Summen für ein paar magere Prozent zu parken.
Der ultimative Trick für alle Steuersparer ist aber: Schließen Sie einen Fondssparplan auf Riester-Basis ab. Riester-Fonds sind jetzt - und künftig - steuerfrei. Eben weil sie mit staatlicher Hilfe das Alterssparen fördern sollen. Sie haben schon geriestert? Egal. Jeder kann mehrere Verträge abschließen. Es wird zwar nur einer davon mit Zulagen gefördert. Alle weiteren genießen aber trotzdem die Steuerfreiheit.
Zudem können Sie bei den ungeförderten Verträgen selbst wählen, in welcher Höhe Sie Beiträge einzahlen. Sie sind nicht an die Einkommenshöhe gekoppelt. Und: Jeder kann sie abschließen. Also auch Personen, die nicht zulagenberechtigt sind, zum Beispiel Selbständige. Das ist derzeit ein echtes Schlupfloch, wispern Finanzexperten. Jetzt hoffen sie nur, dass die Regierung das nicht schließt. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: Bengt Fosshag