Abgeltungsteuer (6)

Aktien sind die Verlierer

Von Dyrk Scherff

02. September 2008 Aktien sind der große Verlierer der neuen Abgeltungsteuer. Denn sie müssen ihre steuerlichen Privilegien abgeben und werden anderen Geldanlagen gleichgestellt.

Und da haben Aktionäre viel zu verlieren. Denn bisher waren Kursgewinne steuerfrei, wenn Anleger die Aktien mindestens zwölf Monate behalten hatten. Am 1. Januar 2009 fällt diese Bevorzugung weg. Zudem sind die Kosten für die Fahrt zur Hauptversammlung, Depotgebühren oder Verkaufsspesen dann nicht mehr absetzbar. Und die Dividenden sind künftig voll zu versteuern statt wie bisher zur Hälfte.

Die Steuer bringt auch Vorteile

Dennoch werden Ausschüttungen künftig steuerlich bessergestellt. Das zeigt sich, wenn man den Weg der Firmengewinne vom Unternehmen bis zum Aktionär verfolgt. Denn seit diesem Jahr zahlen die Firmen weniger Steuern auf den Gewinn. Also landet mehr beim Anleger. Nach Rechnungen der Anwaltskanzlei SZA Schilling Zutt Anschütz bekommt er nächstes Jahr von 100 Euro Ausschüttung nach allen Steuern etwa 51,50 Euro. 2007 waren das nur 47 Euro.

Die Abgeltungsteuer hat noch zwei weitere Vorteile für Aktionäre. Erstens können sie ihre Aktien jederzeit verkaufen, wenn es ihnen nötig erscheint. Es gibt keinen Grund mehr zu warten, bis zwölf Monate vergangen sind - und damit möglicherweise auch die gute Verkaufschance. Zweitens sparen sich die Anleger viel Aufwand in der Steuererklärung, denn sie müssen keine Erträge mehr angeben. Die Bank führt die Steuer direkt an den Fiskus ab, die Steuerpflicht ist damit „abgegolten“.

Aktionäre zahlen unter dem Strich drauf

In Summe zahlen Aktionäre trotzdem drauf. Denn dass die Kursgewinne auch nach einem Jahr versteuert werden müssen, kann sie mit mehreren tausend Euro belasten. Schließlich haben die meisten Privatanleger ihre Aktien bisher länger behalten und durften die Kursgewinne danach vollständig einstreichen. Dass sich das nun ändert, sollte Anleger aber nicht davon abhalten, weiterhin Aktien zu kaufen. „Auch wenn Aktien ihren Steuervorteil einbüßen, sind sie in Zukunft die rentierlichste Anlageklasse - sogar nach Steuern“, sagt Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum.

Bis Dezember können Anleger sogar noch von der alten Regel profitieren. Wenn sie noch in diesem Jahr Aktien kaufen, müssen sie zwar vom kommenden Jahr an die Dividenden mit dem Satz der Abgeltungsteuer von 25 Prozent versteuern. Doch die Kursgewinne aller Aktien und Fonds bleiben steuerfrei, auch wenn der Eigentümer erst in vielen Jahren verkauft.

Werbeoffensive der Banken

Diese Ausnahmeregel nutzen alle Banken derzeit für eine große Werbeoffensive. Die Botschaft lautet: Depot jetzt umschichten und dann jahrzehntelang steuerfreie Kursgewinne kassieren. Das ist durchaus sinnvoll, aber wie geht das am besten? Die Vorschläge der Banken dazu sind manchmal kurios. Die einen raten, Aktien auf Kredit zu kaufen und die Raten von 2009 an abzustottern. Andere empfehlen, die Lebensversicherung zu kündigen. „Beide Ideen sind schwachsinnig. Die erste ist zu riskant, die zweite zu teuer, weil nach der Kündigung der Versicherung gerade in den ersten Jahren wenig Geld zurückgezahlt wird“, warnt Vermögensverwalter Huber.

Er rät stattdessen dazu, vorhandene einzelne Aktien durch Aktienfonds zu ersetzen. „Fonds sind risikoärmer. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sie nach kurzer Zeit verkaufen muss, weil sie schlecht laufen, ist geringer.“ Ziel des umstrukturierten Depots ist ja, steuerfreie Gewinne möglichst lange zu erzielen. Dafür sind Einzelaktien auch aus einem anderen Grund nicht geeignet: Zu Kapitalerhöhungen und Übernahmen geben Unternehmen oft neue Aktien aus, und die sind wieder steuerpflichtig. Wenn die Aktien in einem Fonds verpackt sind, ist das dagegen egal.

Anleger sollten ETFs bevorzugen

Kostensparende Indexfonds (ETFs), die einen Index wie den Dax nachbauen, sind nach Hubers Meinung den anderen, teureren Aktienfonds vorzuziehen. Er warnt zudem vor Dachfonds, die gerade stark beworben werden, weil auch deren Manager in Zukunft steuerfrei das Depot umschichten können. Ihre Kosten fräßen aber oft den Steuervorteil auf, sagt Huber.

Auf keinen Fall sollten Anleger sich aber von der attraktiven Übergangsregel dazu verleiten lassen, dass sie mehr Aktien kaufen, als sie grundsätzlich haben wollen. Allenfalls könnten sie in diesem Jahr ihren Aktienanteil im Depot etwas anheben - und im kommenden Jahr das Risiko wieder reduzieren, indem sie mehr Anleihen kaufen.

Anleger sollten eigene Vermögensverwaltung gründen

Reichen Anlegern schlägt Martin Feick, Anwalt bei SZA, die Gründung einer eigenen vermögensverwaltenden GmbH vor, die in Aktien anlegt. Denn innerhalb dieses Unternehmens werden nach wie vor 95 Prozent der Veräußerungsgewinne steuerfrei sein. Erst die Ausschüttung aus der GmbH an den Anleger wird mit 25 Prozent besteuert. Der Vorteil liegt also darin, dass das Geld in der Zwischenzeit weitere Erträge erwirtschaften kann. Darum lohnt sich die Konstruktion vor allem dann, wenn das Geld viele Jahre in der GmbH bleibt.

Billig ist diese Lösung allerdings nicht. Denn die Gesellschaft braucht eine eigene Steuererklärung und einen Jahresabschluss. „Weil der Aufwand so groß ist, lohnt sich diese Konstruktion erst bei einem Volumen von etwa 500.000 Euro und einem langfristigen Anlagehorizont“, sagt Feick. Wenn das Vermögen beispielsweise zehn Jahre lang jeweils zehn Prozent Rendite macht, bringt es in einer eigenen GmbH 11 Prozent mehr Gewinn als außerhalb.

Je größer die Rendite ist und je häufiger das Geld umgeschichtet wird, desto eher lohnt sich die GmbH. Allerdings kann es passieren, dass der Gesetzgeber diese Regel noch abschafft. Anleger sollten darum das Jahressteueränderungsgesetz im Auge haben, das der Bundestag im Herbst beschließen wird.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: Bengt Fosshag

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