Glück ist etwas Existentielles, Erfolg nicht

Den Paragone gibt es nicht mehr. Was einst als edler Wettstreit der Künste die Gemüter erregte, ist zu einem Gemetzel mit ungleichen Waffen geworden: Wenn ein Schriftsteller sagt, er hat Erfolg, heißt das in der Regel, dass er vom Schreiben gerade so leben kann. Ein erfolgreicher Maler hingegen ist ein gemachter Mann, wenn nicht gleich ein Millionär.

Dichtung groß in Fahrt: Die Reisen der Deutschen Akademie

Jean Cocteau zufolge sind Dichter Wesen, die eine Pfeife verschlucken und dafür eine Dampflokomotive ausspucken können, und wenn man prominente französische Vertreter dieser so raren wie schützenswerten Gattung vor seinem inneren Auge Revue passieren lässt, traut man den meisten derart auffällige Zugehörigkeitsbeweise durchaus zu.

Die im Dunkeln

Es gibt Frauen, die nachts allein auf der Straße den Kragen hochschlagen und den Kopf einziehen. Die junge Dame, die mit Véronique Vial in Paris unterwegs war, wählte den entgegen gesetzten Weg: Sie riss sich die Kleidung vom Leib und streckte ihren spindeldürren langen Körper über Parkbänke und Brückengeländer, umarmte Lampenpfosten oder lehnte am Zaun der Basilique.

Morgengrauen in Kalkutta

Wenn das Licht unwirklich schön ist oder eine Komposition besonders ausgewogen, dann sagt man auch bei einer Fotografie oft: "Wie gemalt!" - und missversteht das als Kompliment. Denn von den Konventionen und Ansprüchen der vermeintlich höheren Kunst hat sich das technische Bildmedium bis heute nicht wirklich lösen können.

Willkommen im Landerziehungsheim!

Die Wege zwischen Elite und Avantgarde sind verschlungen, aber manchmal unheimlich kurz. Die Geschichte von dem Säbel, den Oberfähnrich Schenk Graf von Stauffenberg, 1929 Jahrgangsbester der Kavallerie an der Kriegsschule des Heeres in Hannover, als Auszeichnung erhielt, beschreibt so einen unheimlichen ...

Im Raum der Kunst berührt sich, was geschieden bleibt

Warum in Gottes Namen kommt eine der Erzählungen von der Auferstehung Christi in der Bibel ausgerechnet in dem Gleichnis daher, das Maria Magdalena auf einen Gärtner treffen lässt? Weil, so Jean-Luc Nancy, ein Gleichnis der einzig angemessene Modus für die Offenbarung des christlichen Mysteriums ...

Betonklötze und Asphaltwüsten

MARBURG (lhe). Die Landeshymne lobt Hessens Architektur in den höchsten Tönen: Zwischen Werra und Lahn "glänzen die Städte" und "sind herrlich im Lichte zu schauen", heißt es im Hessenlied. Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler und der Journalist Manfred Schuchmann sehen das ganz anders. Die ...

Als Hitler die Pringsheims sammelte

Was denkt sich der Mann?", schimpfte Hedwig Pringsheim 1891 in ihrem Tagebuch, zugleich geschmeichelt und verwirrt vom nicht nachlassenden Eifer des großen Münchner Malers Franz von Lenbach, sich selbst mit immer neuen Aufträgen der Pringsheims zu versorgen. "Geben Sie, was Sie wollen", soll Lenbach ...

Mit Vollgas durch die großen Ideologien

"Wir haben gespielt", notierte er auf einer der letzten Seiten seines Tagebuchs, "ich habe verloren, ich beantrage den Tod." Wenig später, am 16. März 1945, nahm sich der französische Schriftsteller Pierre Drieu La Rochelle das Leben. Gespielt hatte er nie, aber verzweifelt eine Alternative gesucht ...

Werbung mit Schiffsplakaten

"Die beste Reklame ist die, die nicht anpreist, sondern suggeriert." Das erkannte bereits der frühe Hapag-Chef Alfred Ballin, der das hanseatische Unternehmen durch das Geschäft mit der Auswanderung und seine Erfindung des Luxustourismus zur damals größten Reederei der Welt und den Nordatlantik zu ihrer ureigenen Domäne machte.

Der Sucher

Es ist nicht leicht, beim Sehen mit den Augen die Welt zu berühren - nicht für den jedenfalls, der sein Leben lang mit der Herstellung von Illusionen beschäftigt war. Dennis Hopper war noch nicht ganz fertig mit der eigenen Pubertät, als er seine Heimatstadt Dodge City in Kansas verließ, um in Los Angeles ...

[Sechs Punkte sind eine Welt]

Wenn Dave Janischak liest, ist er kaum ansprechbar. Konzentriert lässt der 13-Jährige seine Finger über die grauen Seiten gleiten, ertastet binnen Bruchteilen einer Sekunde die ins Papier geprägten Punkte, fliegt mit seinen Händen über die Zeilen und Seiten hinweg. Dave liest sein Lieblingsbuch, "Eragon", ...

Speer verkaufen? Warum nicht!

Man kann die Geschichte des größten Kunstraubs, der je auf deutschem Boden stattfand, in zwei Versionen erzählen. Erste Version: Zwischen 1933 und 1945 raubten die Nationalsozialisten Hunderttausende von Kunstwerken aus jüdischem Besitz, plünderten Museen, zwangen Sammler zur Emigration, brachten ...

Die Geburt der Moderne aus dem Geist der Dekoration

Der moderne mensch, der sich tätowiert, ist ein verbrecher oder ein degenerierter. die tätowierten, die nicht in haft sind, sind latente verbrecher oder degenerierte aristokraten. wenn ein tätowierter in freiheit stirbt, so ist er eben einige jahre, bevor er einen mord verübt hat, gestorben." Veröffentlichte heute jemand diese Zeilen, er würde als Fanatiker abgetan und rasch vergessen.

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