Greser, Achim: Neues aus der Wirtschaft - Die Chronik eines Jahres V

Die Zeit der Chroniken hat wieder begonnen und damit der Kampf um Vollständigkeit. Für die Virtuosen der Chronik, die Chronisten des Mittelalters, kam es darauf gar nicht an. Wichtig war für sie, dass sich ihre weltlichen Geschichten in die christliche Heilsgeschichte einordnen ließen. Da fiel eine Menge unter den Tisch.

Kleine Meinungen

Kunst Noch ein Geschenktipp, der wirklich alle umhaut; sogenannte "Augenmenschen" sowieso, und intellektuelle Nörgler erst recht, denn die haben das ja am nötigsten: "The Art of Anselm Reyle" (Dumont, 228 Euro) ist mit Abstand der spektakulärste, mit den verblüffendsten technischen Spezial- und Knalleffekten hergestellte Bildband, den es gibt.

Die Kunst und ihr Zeuge

Gleich zwei Neuerscheinungen widmen sich derzeit Séraphine Louis, der Künstlerin, die als "malende Putzfrau" in die Geschichte einging: Ein Buch tritt an, die dicken Knoten aus Fakt und Fiktion zu entwirren, die sich um die Biographie der Französin geschlungen haben; und gleichzeitig kommt ein Film ...

Späte Spiele

Dieses Buch ist etwas für ausdauernde Leser. Es enthält erzählte Memoiren. Catherine Grenier, Kustodin am Pariser Centre Pompidou, hat aus Gesprächen mit Christian Boltanski, berühmt für seine künstlerische Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten, eine Autobiographie geformt: Herausgekommen ist "Das mögliche Leben des Christian Boltanski".

Der Fürst der Finsternis passt endlich auf den Couchtisch

Was Sie hier abgebildet sehen, ist nun einmal wirklich die Hölle: Ein grüner, gehörnter Unterweltfürst stopft sich einen Verdammten in den Rachen, während ihm von allen Seiten Nachschub angeliefert wird; Schlangen winden sich aus seinen eselsartigen Ohren und seinem Gesäß, überall wird gebissen und gezwickt, gehenkt, gemartert oder versengt.

Aus Kohle wird ein Juwel

Die Züge" heißt ein Gedicht von Albert Ehrismann, in dem die Rede ist von Mohn am Schotterwege, von blinkenden Sternen und Luft, die nach Schnee riecht. Der Fotograf René Groebli hatte es 1949, damals Anfang zwanzig, seinem dünnen Künstlerbuch "Magie der Schiene" vorangestellt. Doch recht eigentlich war Groebli der größere Poet der beiden.

Die Haie in den Straßen von Philadelphia

Kaum jemals wirkten Menschen einsamer auf Großstadtbildern als auf denen, die Ray Metzker in den fünfziger Jahren im Zentrum von Chicago aufgenommen hat. Metzker war damals von Milwaukee an den Michigan-See gekommen, um am Institute of Design Fotografie zu studieren. Zuvor hatte er als Reporter gearbeitet; nun ging es um Kunst.

Wie's da drinnen aussieht

Man beginne vielleicht ganz bescheiden mit den Speckhörnchen aus dem Elsass, gehören doch auch sie zur Gattung. Auf recht vertrautem Fuße, obendrein den Zeiten angemessen, lässt sich gewiss mit den Zutaten für die "Arme-Leute-Pastete" hantieren, mit ein paar Zwiebeln, Mett und durchwachsenem Speck, Oliven, Champignons, Tomaten und Kräutern.

Das Menschliche im Tier

Das Porträt ist innerhalb der Tierfotografie ein rares Genre, und meist bleibt es beschränkt auf Amateuraufnahmen des eigenen Vierbeiners daheim oder Bilder, die durch die Käfiggitter Zoologischer Gärten entstanden sind. Was sie zeigen, sind Gesichter, in denen der Fotograf das Individuum sucht, wobei er zugleich jedoch nur allzu oft in die Falle der Vermenschlichung tappt.

Das Berührende im Unscheinbaren

Den meisten Menschen geht es gewiss nicht anders, als es anfangs Ulla Lachauer erging, wie sie in ihrem Einführungstext gesteht. Vor allem für die junge Generation haben es die Zeit und die politischen Veränderungen auf der europäischen Landkarte mit sich gebracht, dass das Memelland aus ihrem Blickfeld verschwunden ...

Die Wanderung in der Unendlichkeit

Bei besonders weiten Landschaften wird gern der Begriff der Unermesslichkeit, mehr noch: der Unendlichkeit bemüht. Es scheint dies adäquat angesichts sich bis zum Horizont erstreckender Sanddünen oder einer spärlich bewachsenen Prärie, die sich am Horizont mit ihrem schweren Wolkendach vermählt. Dass ...

Das Brodeln in der Erde

Es ist noch gar nicht lange her, da hätte man sich nicht gewundert, wenn Eiszapfen von den Regalen der Buchhandlungen heruntergewachsen wären, so viele Titel zur Arktis und Antarktis waren binnen kürzester Zeit erschienen. Nun haben die Verlage das Feuer entdeckt, und die Bretter werden wohl demnächst zu glühen beginnen.

Die Bäuerinnen in bestickten Trachten

Seit uns die Costa Smeralda so geläufig ist wie unseren Eltern es die Riviera war, seit also Sardinien seinen Platz im Tourismusatlas hat, gerät uns der einstige Reiz dieser ehemals abgelegenen Insel aus dem Blick. Deshalb muten uns August Sanders Fotografien an wie im Wasser gespiegelte Szenerien einer versunkenen Welt.

Die Mauer in den Köpfen

Was wäre gewesen, hätte sich Robert Häusser 1952 nicht zur Flucht aus der DDR entschlossen? Fast drei Jahrzehnte später reist er für eine Fotoreportage nach Berlin und bekennt: "Beim Anblick der Mauer bestürzte mich der Gedanke, ich hätte hinter dieser Mauer weiter leben müssen." Günter Kunert hat ...

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