„Familienmonitor“ 2009

Jeder zweite Vater spürt die Krise, aber nur jede vierte Mutter

Von Stephan Löwenstein, Berlin

Ursula von der Leyen: „Familie hat auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Konjunktur”

Ursula von der Leyen: „Familie hat auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Konjunktur”

14. Juli 2009 Die eigene Familie werde von den Deutschen gerade in Zeiten der Krise als „zweites soziales Netz“ wahrgenommen: So hat Bundesfamilienministerin von der Leyen (CDU) Ergebnisse einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach gedeutet. „Familie hat auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Konjunktur“, sagte Frau von der Leyen am Dienstag in Berlin. Daher seien gute Rahmenbedingungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie förderten, „ein wesentlicher Garant für soziale Sicherheit“.

Die Ministerin stellte den von ihr beauftragten „Familienmonitor“ zu Einstellungen und Lebensbedingungen von Familien im Jahr 2009 gemeinsam mit Allensbach-Geschäftsführerin Köcher vor. Für die Studie wurden im April dieses Jahres 1800 Bürger im Alter von 16 Jahren an befragt.

Männer sind öfter als Frauen in Krisenbranchen beschäftigt

Zu diesem Zeitpunkt gaben 34 Prozent aller Beschäftigten und Selbständigen an, ihr Betrieb sei von der Krise betroffen. Von den Vätern mit Kindern bis 18 Jahren war es fast jeder zweite (47 Prozent), von berufstätigen Müttern jede vierte. Frau von der Leyen führte das darauf zurück, dass Männer öfter als Frauen in Krisenbranchen wie Maschinen- und Automobilbau beschäftigt seien. Diese „Diversifizierung“ zeige die Vorteile, wenn beide Eltern erwerbstätig seien.

„Die Bevölkerung ist längst viel weiter“, sie habe dies verstanden. Rund drei Viertel der Bevölkerung (74 Prozent) vertrauten auf Hilfe der Familie, wenn man einmal Schwierigkeiten hat. Bei Eltern mit minderjährigen Kindern sind es sogar vier Fünftel (80 Prozent). Allerdings sind diese Werte gegenüber einer Erhebung von 2006 (80 Prozent in der Gesamtbevölkerung, 85 Prozent bei Eltern) zurückgegangen.

Bemerkenswerte Unterschiede zwischen Ost und West

Stabile und harmonische Familienverhältnisse werden für ein gedeihliches Aufwachsen von Kindern als vorrangig angesehen. Auf die Frage, was nötig sei, damit Kinder in Familien gut aufwachsen könnten, antworteten gut 80 Prozent, nötig sei, dass sich die Eltern „gut verstehen“, und 76 Prozent, dass es „viele gemeinsame Unternehmungen der Familie“ gibt.

Bemerkenswerte Unterschiede zwischen Ost und West zeigen sich bei der Bewertung, wie wichtig „sichere finanzielle Verhältnisse“ (West: 76 Prozent; Ost: 82 Prozent), „viel Zeit der Eltern für Kinder (West: 75 Prozent; Ost: 70 Prozent) und das „Vorhandensein verschiedener Freizeitangebote“ (West: 51 Prozent; Ost: 60 Prozent) seien.

„Eine positive Seite des demographischen Wandels“

Die Gründe, die Eltern dafür angeben, warum ihnen Zeit für die Kinder fehle, differieren zwischen Vätern und Müttern. Gut jeder dritte Vater, aber nur jede fünfte Mutter nennt die berufliche Belastung; umgekehrt nennt gut jede zehnte Mutter, aber nur jeder hundertste Vater die Hausarbeit (siehe Grafik 1). Dabei wünschen sich die meisten Väter eine wöchentliche Arbeitszeit von weniger als 40 Stunden, viele wollen auch weniger als 35 Stunden arbeiten; tatsächlich arbeiten aber 57 Prozent mehr als 40 Stunden, fast jeder fünfte Vater sogar mehr als 50 Stunden in der Woche (Grafik 2).

Erhebliche Unterschiede zwischen den Generationen zeigen sich in der Frage, ob man durch die Großeltern geprägt wurde. Junge Leute unter 30 bejahen das zu 65 Prozent. In den älteren Gruppen sinkt dieser Wert kontinuierlich bis auf 46 Prozent bei den über Sechzigjährigen.

Das hängt offenbar damit zusammen, dass die heute Alten ihre eigenen Großeltern öfter (21 Prozent) gar nicht mehr erleben konnten als die Jungen (fünf Prozent). Das Familienministerium bewertet das als „eine positive Seite des demographischen Wandels“.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, F.A.Z.

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