Wahlen in Amerika

Bush bleibt Präsident

Siegesgewiß von Anfang an: “Mr. President“

Siegesgewiß von Anfang an: "Mr. President"

01. Dezember 2004 George W. Bush bleibt Präsident der Vereinigten Staaten. Das Rennen um das Weiße Haus wurde in der ganzen Welt verfolgt. Es geht zu Ende, als Bushs demokratischer Herausforderer John Kerry am Tag nach der Wahl seine Niederlage eingesteht.

Kerry gab damit auch das Rennen in dem bis zuletzt umkämpften Bundesstaat Ohio verloren, dessen Wahlmännerstimmen für den Ausgang der Präsidentenwahl entscheidend waren. Mit den 20 Stimmen aus Ohio kommt Bush nun auf eine Mehrheit von 286 Stimmen in dem Wahlkollegium, das im Dezember den Präsidenten kürt. Kerry konnte insgesamt nur 252 Stimmen erlangen. Damit fehlten ihm exakt 18 Stimmen zum Wahlsieg.

Demokratische Hoffnung bis zum Schluß

Bis zuletzt hatten Kerrys Demokraten ihre Hoffnung auf zigtausend sogenannter provisorischer Stimmen in Ohio gesetzt, mit deren Auszählung erst mehrere Tage nach dem eigentlichen Wahltag begonnen werden sollte. Offenbar war Bush aufgrund seines deutlichen Vorsprungs aber nicht mehr einzuholen.

Kerry hat Bush mit den Worten gratuliert: „Glückwunsch, Mr. President“. Wie es hieß, bezeichnete Bush Kerry als würdigen und ehrenwerten Kontrahenten. Der Demokrat habe im Gespräch mit Bush beklagt, die Vereinigten Staaten seien zu zerrissen, und der Präsident habe dem zugestimmt. „Wir müssen wirklich etwas dagegen tun“, sagte Kerry.

Weißes Haus kürt Bush schon früh zum Sieger

Das Weiße Haus hatte Bush schon am Mittwoch morgen zum Sieger der Präsidentenwahl ausgerufen.

Präsident Bush gehe davon aus, den Swing State Ohio gewonnen zu haben, sagte der Stabschef im Weißen Haus. Mit einem Vorsprung von 140.000 Stimmen sei Bush nicht mehr einzuholen, auch dann nicht, „wenn man die provisorischen Wahlzettel berücksichtigte“. Man wolle Kerry aber noch etwas Zeit geben, um seine Niederlage selbst einzugestehen, hieß es selbstbewußt.

Verwirrung um „Provisorische Stimmzettel“

Dabei handelt es sich um ein System, das Fehler in den Wahllisten korrigieren sollte. Die provisorischen Stimmzettel wurden von Wählern abgegeben, die ihren Namen nicht auf den Wahllisten wiederfanden. Es hätte also zunächst geprüft werden müssen, ob diese Bürger tatsächlich wahlberechtigt und die Listen fehlerhaft waren. Nur dann hätten die bereits abgegebenen Stimmen auch gewertet werden können.

Zunächst sah es daher so aus, als würde - wie bei der Präsidentenwahl 2000 in Florida - der Sieger am Ende in einem juristischen Tauziehen ermittelt.

„Werden um jede Stimme kämpfen“

Kerry ließ seinen Vizepräsidentenkandidaten John Edwards zunächst erklären: „Wir haben vier Jahre auf diesen Sieg gewartet. Wir können noch eine weitere Nacht warten.“

Die von Bushs Beratern angekündigte Erklärung zum Wahlsieger sei nur ein taktisches politisches Manöver, sagte Edwards. Sie ziele darauf, Initiativen zur Anfechtung der Wahl zu entmutigen und ein Gefühl der Unvermeidlichkeit einer zweiten Amtszeit Bushs zu erzeugen. Edwards zitierte in Anspielung darauf den vor vier Jahren Bush knapp unterlegenen Al Gore und kündigte an: „Wir werden um jede Stimme kämpfen.“

51 Prozent für Bush

Doch mit seiner Einschätzung lag Edwards falsch: In einer überraschend deutlichen Wahl mit ungewöhlich hoher Beteiligung sprach eine klare Mehrheit dem amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten das Vertrauen aus. Auch die sogenannte „popular vote“ sprach für Bush: Er erreichte 51 Prozent aller abgegebenen Stimmen, während Kerry auf lediglich 48 Prozent kam. Wahlanalysen zeigen, daß letztlich sogar elf Prozent der Anhänger der Demokraten für Bush stimmten, während sich umgekehrt lediglich sechs Prozent der Republikaner für Kerry entschieden.

Nur ein Prozent der Wähler stimmte für den unabhängigen Kandidaten Ralph Nader. Damit wurden Befürchtungen unter Demokraten widerlegt, Naders Kandidatur könnte Kerry letztlich den Sieg kosten.

Republikaner siegen im Kongreß

Noch in der Wahl 2000 war Bush Präsident geworden, ohne daß die Mehrheit der Amerikaner für ihn gestimmt hatte - das komplizierte Wahlsystem nach dem Prinzip „The winner takes it all“ macht das möglich. Danach vereinigt ein Kandidat alle Stimmen eines Staates im Wahlmännergremium auf sich, wenn er die einfache Mehrheit der Bürger in diesem Staat überzeugen konnte.

Zugleich siegte Bushs Partei, die Republikaner, bei den Wahlen zum Kongreß und konnte dort ihren Vorsprung sogar noch ausbauen. In Repräsentantenhaus und Senat konnten die Republikaner Sitze hinzugewinnen. Der Führer der Demokraten, Tom Daschle, wurde abgewählt. Amerika: Republikaner erweitern Mehrheit im Kongreß

Colorado: Wahlrechtsreform scheitert

Auch in Colorado mußten Unterstützer der Demokraten eine Enttäuschung hinnehmen. Dort ist am Wahltag eine mit Spannung verfolgte Reform des Wahlrechts gescheitert.

Die Befürworter der Initiative hatten angestrebt, daß die neun Wahlmännerstimmen des Bundesstaates künftig zwischen den Kandidaten entsprechend des Stimmanteils aufgeteilt werden - eine Neuregelung, von der in diesem Wahlkampf Kerry profitiert hätte. Sie wurde jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt. Damit werden nun wie bisher alle neun Wahlmännerstimmen Bush zugeschlagen.

Entscheidung in den „Swing States“

Vor der Präsidentenwahl hatten sich Bush und Kerry das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Bush vs. Kerry: Wer unterstützt wen im amerikanischen Wahlkampf? Es trieb offenbar die meisten Wähler seit 40 Jahren an die Urnen. Bush und Kerry lagen in den Wahlumfragen oft gleichauf oder ihr Abstand voneinander war sehr gering. Wahlentscheidend war, wer die „Swing States“ für sich entscheiden konnte, die sogenannten „Schlachtfeldstaaten“, in denen es keine klare Präferenz für einen Kandidaten gab. Die Schlachtfeldstaaten im amerikanischen Wahlkampf Schließlich siegte Kerry im mit 55 Wahlmännern stärksten Staat Kalifornien. Texas mit seinen 34 Wahlmännerstimmen fiel an Bush, der von dort stammt.

Bush verteidigte in einem erbittert geführten Wahlkampf den Irak-Krieg und seine Bilanz im Kampf gegen den Terrorismus vehement. Seinem Rivalen warf er Führungsschwäche vor. Kerry konterte, Bush habe die Vereinigten Staaten durch den Irak-Krieg international isoliert. Die Wähler sollten Bush bei der Wahl die Quittung dafür und für seine verfehlte Wirtschaftspolitik geben. Doch am Wahltag kam alles anders. Bushs Wahlsieg: „Es ist die Moral, Dummkopf!“

Text: @nto. / FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, F.A.Z., FAZ.NET, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Verliebt, verlobt, verheiratet!Für alle die mehr suchen als einen Flirt - www.faz.net/partnersuche

Wahl in Amerika

Es ist die Moral, Dummkopf!

Familie, Ehe, Gottesglauben: Bush verdankt den Sieg seinem ethisch bestimmten Konservatismus - und nicht dem Krieg im Irak. Kerrys Visionen blieben unvermittelt.

Nach den Wahlen in Amerika

„Wir haben einen gemeinsamen Feind“

Four more years: George Bush

Spezial Präsident George W. Bush will die Welt im Kampf gegen den Terrorismus vereinen. Am Donnerstag sprach er - anders als in seiner ersten Rede nach der Wahl - auch über die Verbündeten. Denen will er seine Entscheidungen besser erklären.

Wahl in Amerika

Der Imperativ des Krieges

Wie wird der künftige amerikanische Präsident regieren? Tatsächlich ergibt sich das am Ende aus einer eigentümlichen Mischung von Faktoren sowie den Mehrheitsverhältnissen im Kongreß.

Wahl in Amerika

Kerry gesteht Niederlage ein

Kerry kämpfte mit den Tränen

Obwohl im Bundesstaat Ohio noch nicht alle Stimmen ausgezählt worden sind, soll der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry den amerikanischen Präsidenten George W. Bush angerufen und seine Niederlage eingestanden haben.

Vereinigte Staaten

Wall Street feiert Bushs Sieg

Mit kräftigen Kursgewinnen haben die amerikanischen Aktienmärkte auf den Sieg von Amtsinhaber George W. Bush reagiert. In Europa zeigten sich die Finanzmärkte eher verunsichert auf die Wahl.

Vereinigte Staaten

Republikaner erweitern Mehrheit im Kongreß

Gescheitert: Demokrat Tom Daschle

Die Partei von Präsident Bush wurde bei der Kongreßwahl in Amerika gestärkt. In Repräsentantenhaus und Senat konnten die Republikaner Sitze hinzugewinnen. Der Führer der Demokraten, Daschle, wurde abgewählt.

Wahl in Amerika

Die letzten Stunden, die letzten Bilder

Der Titelverteidiger

Bildergalerie zum großen Finale im amerikanischen Wahlkampf: Kurz vor der Entscheidung wären sich die Vielflieger und Vielredner Bush und Kerry beinahe über den Weg gelaufen.

Nach Bushs Wiederwahl

Pannen bei Stimmenauszählung in Ohio

Schlange vor einem Wahllokal in Columbus, Ohio

Bei der amerikanischen Präsidentenwahl wurden im Schlüsselstaat Ohio jetzt Pannen entdeckt: Tausende Stimmen wurden doppelt gezählt, in anderen Bezirken stimmten Wähler zwei Mal ab. Und Kerry hat noch 15 Millionen Dollar aus dem Wahlkampf übrig.

Bush gegen Kerry

Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluß

In einer Feuerwehrstation in Crawford, Texas, gibt Bush mit seiner Frau die Stimme ab

Auch mit Beginn der Präsidentenwahl am Dienstag bleibt der Ausgang noch völlig offen. Die letzten Umfragen deuten auf eine knappe Entscheidung zwischen Amtsinhaber George W. Bush und seinem Herausforderer John Kerry.

Präsidentenwahl Amerika

Der Sieger bekommt alles - das amerikanische Wahlsystem

Bush oder Kerry? Dem Wahlsystem fehlt es an Proportionalität

Das amerikanische Wahlsystem stammt aus dem 18. Jahrhundert. Während viele Wissenschaftler es für völlig antiquiert bezeichnen, halten die Amerikaner unbeirrt daran fest.

Amerikanischer Wahlkampf

Die Schlachtfeldstaaten

Spezial Wo entscheidet sich die Präsidentenwahl? Es wird knapp zwischen Amtsinhaber Bush und seinem demokratischen Herausforderer Kerry. Die Entscheidung fällt in in einem guten Dutzend Staaten.

Wahlmaschinen

Mit „iVotronic“ gegen „Votomatic“

Mensch und (Wahl-)Maschine in Florida

Vor dreißig Jahren galt sie als Spitzentechnologie: Die amerikanische Wahlmaschine „Votomatic“. Als technische Errungenschaft gekürt, wurde sie bei der Präsidentenwahl vom November 2000 für viele Wähler zum Albtraum.

Wahl in Amerika

Bush vs. Kerry

Lächeln fürs Wahlvolk

Spezial Wenige Tage vor der Wahl liefern sich George W. Bush und John Kerry ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wer unterstützt wen im amerikanischen Wahlkampf?

Anzeige

Kfz-Versicherung

Verpassen Sie nicht den Kündigungsstichtag 30.11. Vergleichen Sie jetzt Ihre Kfz-Versicherung und sparen Sie bis zu 500 €!