Von Petra Kolonko, Toyako
06. Juli 2008 Dass der Gipfel der G8 im japanischen Toyako der letzte für den amerikanischen Präsidenten Bush sein wird, stimmt im Westen nicht viele traurig. Ein Staat jedoch sieht Bush, der wegen des Irak-Krieges und der Klimapolitik fast überall im Westen in der Kritik steht, ungern gehen: China hat trotz aller Differenzen mit der Bush-Regierung ein gutes Auskommen gefunden, und die amerikanisch-chinesischen Beziehungen sind so gut wie lange nicht mehr. Bush freue sich auf das Treffen mit Hu Jintao auf dem Gipfel der G8, hatte er seine Außenministerin in Peking bestellen lassen, und solche Töne hört man in der Pekinger Führung , die in den vergangenen Monaten nicht gerade von Sympathiekundgebungen verwöhnt wurde, gern.
Als die amerikanische Außenministerin Rice in der vergangenen Woche China besuchte, sah man einen strahlenden chinesischen Präsidenten, der große Verbeugungen nach Washington machte. Wie auch immer sich die internationale Lage entwickeln werde, China bleibe dabei, einen konstruktiven und kooperativen Umgang mit den Vereinigten Staaten zu pflegen, sagte Hu. Er überhäufte auch die Außenministerin mit Lob: Seitdem sie im Amt sei, habe sie positiv zur Entwicklung der Beziehungen beigetragen, und das schätze er hoch.
Mehr als höfliche Worte
Dies sind nicht nur höfliche Worte vor einem Abschied. Die chinesische Regierung ist tatsächlich mit der Bush-Regierung gut gefahren. Trotz aller Differenzen in Fragen der Menschenrechte, Tibetpolitik und trotz Pekings Unterstützung für Paria-Staaten wie Nordkorea, Burma, Simbabwe oder Sudan hat die Regierung Bush China in die internationale Politik eingebunden. Das Konzept des verantwortlichen Teilhabers in der internationalen Politik, das vom früheren stellvertretenden Außenminister Zoellick ausgegeben worden war, stieß in der chinesischen Regierung auf große Zustimmung. Es bot China die Chance, sich gleichberechtigt an internationalen Entscheidungen zu beteiligen. Denn trotz aller Kritik, die Peking noch immer, aber immer weniger, am Vormacht-Gebaren der Vereinigten Staaten äußert, ist der chinesischen Regierung doch an der Anerkennung durch die Supermacht gelegen.
Dass der amerikanische Präsident Bush nun aller Kritik an der chinesischen Tibetpolitik zum Trotz auch noch zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele kommen will, kann China einen Monat vor dem Beginn der Spiele als weiteres hochwillkommenes Zeichen der Anerkennung verstehen. Zwar war Bush bemüht zu erklären, er sehe die Olympiade als sportliches Ereignis. Doch tatsächlich setzt die Anwesenheit des amerikanischen Präsidenten ein Zeichen an andere Staatsoberhäupter, China in diesem wichtigen Prestige-Ereignis nicht durch Abwesenheit zu blamieren.
Chinas neues Selbstvertrauen
China zeigt nun auch mehr Selbstvertrauen im Umgang mit den Vereinigten Staaten. Während es früher die Amerikaner waren, die den Chinesen auf Wirtschaftstreffen eine lange Reihe von Vorhaltungen machten, von Währungsmanipulation bis hin zu Urheberrechtsverletzungen, kritisieren jetzt auch die Chinesen die Wirtschaftspolitik der Amerikaner. Eine Rezession in den Vereinigten Staaten trifft auch die chinesische Wirtschaft, die vom Export nach Amerika getrieben wird.
Beim Treffen mit Außenministerin Rice appellierte der chinesischen Ministerpräsident Wen Jiabao denn auch erstmals offen an die Amerikaner, den Dollar zu stabilisieren. Die chinesische Regierung ist verärgert darüber, dass Amerika den Dollar so weit fallen ließ, weil China einen großen Teil seiner Währungsreserven in Dollar hält. China hält Amerika vor, dass die chinesische Regierung ihrerseits den amerikanischem Drängen entgegen kam, als es seine Währung in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent aufwerten ließ.
Eine Geste für die Amerikaner?
Während des G-8-Gipfels, an dem der chinesische Staatspräsident Hu Jintao am Dialog der Schwellenländer mit den Industrieländern teilnehmen wird, werden Hu und Bush auch die Gelegenheit zum Vieraugengespräch nutzen. Bush hatte angekündigt, er werde den chinesischen Präsidenten dazu ermutigen, China zu einem freieren Land zu machen und Religions- und Pressefreiheit zu gewähren. Solche Kritik wird die freundliche Grundstimmung kaum beeinträchtigen. Und vielleicht wird die chinesische Regierung jetzt sogar mit einer Geste in Menschenrechtsfragen dem geschätzten amerikanischen Präsidenten zu einem Erfolg verhelfen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS
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