Bush, Irak und Vietnam

Der Rest steht in den Sternen

Das letzte semantische Tabu ist gefallen: George W. Bush akzeptiert es auf Nachfrage, die Lage im Irak mit dem nationalen Trauma Vietnam zu vergleichen. Im selben Atemzug aber greift er ins All.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. Oktober 2006 15:03

Das Eine und das Andere

Michael Bruex (mbruex)

"Am Boden gescheitert, am Himmel erfolgreich" - klingt als Kommentar gut. Trotzdem halte ich es für falsch, den Irak-Krieg und das Nasa-Programm in eine Linie zu setzen. Das eine ist ein politisches und militärisches Dilemma, zwar von Busch in Gang gesetzt, jedoch auch nicht sein Verschulden allein.
Die NASA-Programme darf man wohl eher als den technologischen Fortschritt einer modernen Zivilistion verstehen. Der Antrieb zu solchen Leistungen entsteht aus dem Selbstverständis der amerikanischen Nation. Daß sich Busch hier als Förderer vorstellt, ist persönliche Profilierung. Raumfahrt ist eine Leistung der U.S.A. und nicht einer Einzelperson.
Übrigens: Daß Deutschland derzeit nicht fähig ist solche Leistungen anzugehen, ist ein Signal. Die Deutschen interessieren ist offensichtlich mehr für Wohlstandssicherung und Sozialleistungsverteilung, als für den Kosmos. Es spricht für die Aufgeschlossenheit der Amerikaner, daß diese in anderen Dimensionen denken.

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20. Oktober 2006 14:20

Vietnam ja und nein

Christoph Niederkleine (C.Niederkleine)

Wie soll man von einem Politiker erwarten, daß er ehrlich ist, wenn seine Worte im Nachhinein so weit ausgelegt werden?
Bush hat nicht von einer Niederlage gesprochen, er hat
- so weit ich weiß - lediglich eingeräumt, daß ein Vergleich Vietnam - Irak nachvollziehbar ist. Er hat damit aber wohl nicht gemeint, daß die USA den Krieg im Irak verloren haben.
Denn jedem ist doch wohl klar, daß es Parallelen zwischen diesen beiden Kriegen gibt, wie z.B. die Guerilla-Taktik und die unvorhergesehene Verlängerung des Konfliktes. Aber ich denke, es ist auch jedem klar, daß es Fakten und Elemente gibt, die keine Parallelen darstellen. Zum Beispiel die Tatsache, daß die Aufständischen im Irak weniger erfolgreich sind, sie im Kern eine ernstzunehmende Agenda über den Irak hinaus besitzen und daß sie den Krieg vorrangig gegen die Zivilbevölkerung führen. Das heißt also, das durch und in den Aufständischen eine gegen die irakische Bevölkerung gerichtete Macht mit globalen Zielen den Irak für sich zu erobern versucht. Widerstand dagegen liegt meiner Ansicht nicht nur im Interesse der irakischen Bevölkerung.
Für eine ausgewogene Sicht der Entwicklungen im Irak empfehle ich - neben FAZ - auch einen Blick auf michaelyon-online.

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20. Oktober 2006 13:44

Amerika muß sich wieder auf seine Tradition besinnen

Jürgen Kuhlmann (juergen180362)

Der als Antwort auf die Verbrechen des 11. September 2001 beschrittene Weg, der über Guantanamo, nach Abu Ghraib und schließlich ins Nichts eines verlorenen Kriegs führt, war, ist und bleibt ein Irrweg. Selbst wenn mir der deutsche und europäische Antiamerikanismus der Demonstranten, dessen Wurzeln weit über 1968 zurück in die Vergangenheit reichen (z.b. in die 1920er und 1930er Jahre), die agitatorische und demagogische Absicht der rot-grünen Wahlkämpfer zutiefst zuwider sind, so blieb doch seit 2002 immer aufs Neue die Frage, ob ein Feldzug gegen den Massenmörder Saddam ein geeignetes Mittel darstellte. Das war damals und ist heute zu verneinen, denn er hat keine Probleme gelöst, sondern die bestehenden verstärkt. Nach einer solchen Performance der Regierung scheint es mir an der Zeit, dass das amerikanische Volk darauf bei den congressional elections eine seiner großen Tradition angemessene Antwort gibt. Die Republikaner sollten sich dabei insbesondere der Präsidenten erinnern, die die GOP groß gemacht haben (Lincoln, Reagan).

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20. Oktober 2006 10:46

Vorsichtige Erinnerung

jörg sutter (jsutter)

Ganz vorsichtig möchte ich daran erinnern, welche Haltung die FAZ seit 9/11 zum Irakkrieg eingenommen hat. Zunächst verteidigte sie ihn wegen der Gefahr durch vermeintliche "Massentötungswaffen", dann durch die Notwendigkeit, den "Massenmörder" Hussein zu stürzen, zuletzt wegen Al Qaida und islamischem Terrorismus, der von Irak ausgeht. Krieg war "Stabilisierung" von "Sicherheitsinteressen".
Nun erst kehrt Einsicht ein - besser jetzt, als nie.

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