27. April 2007 Der gemeinsame Gegner schweißte die Konkurrenten zusammen. George W. Bush aß gerade mit dem japanischen Ministerpräsidenten im Weißen Haus zu Abend, als die acht Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Demokraten in South Carolina zu ihrer ersten Fernsehdebatte vor die Kameras traten.
Als großer Abwesender bestimmte der amerikanische Präsident die Diskussion. Er war das Ziel aller Angriffe, während sich die innerparteilichen Rivalen gegenseitig schonten. Die wichtigsten Erkenntnisse nach 90 Minuten Diskussion: Alle Kandidaten wollen ein Ende des Kriegs im Irak, eine bessere Krankenversicherung für die Bürger und eine saubere Umwelt. Und: Hillary Clinton ist ihrer Favoritenrolle gerecht geworden.
Es gibt keine militärische Lösung
Die demokratischen Kandidaten vermittelten in der zahmen Debatte den Eindruck, als hätten sie eher den jüngsten Sieg im Kongress im Auge als die bevorstehende Nominierungsschlacht. Nur Stunden vor Beginn der Diskussion hatte der von den Demokraten beherrschte Kongress endgültig ein Gesetz zum Kriegsbudget verabschiedet, in dem der 31. März 2008 als Datum für den Abzug aus dem Irak genannt wird - eine klare Provokation an die Adresse von Bush. (Siehe auch: Repräsentantenhaus beschließt Irak-Rückzug)
Wenn dieser Präsident uns nicht aus dem Irak herausholt, werde ich es als Präsidentin tun, sagte Senatorin Clinton. Es gibt keine militärische Lösung, pflichtete ihr Hauptrivale Barack Obama bei. Es geht nur noch um die Frage, ob wir im Irak etwas anderes als Chaos hinterlassen können, sagte Senator Joe Biden.
Erstaunliche Bekenntnisse
Lange galten die Demokraten als zerstrittener Haufen, doch die Ablehnung gegen Bush eint sie. Angesichts der thematischen Eintracht mußten die Kandidaten in der TV-Debatte mit anderen Mitteln auf sich aufmerksam machen. Es kommt weniger darauf an, was sie sagen, als wie sie es sagen, sagt der Politologe Stephen Hess vom Washingtoner Brookings-Institut.
So erfuhren die Zuschauer aus dem Munde von Hillary Clinton, dass sie im Leben mehr Fehler gemacht hat, als sie aufzählen kann. Gouverneur Bill Richardson gab sich in der Wildwest-Manier seines Heimatstaats New Mexico als Waffenbesitzer zu erkennen. Barack Obama liebt seine Frau.
Der frühere Senator John Edwards bekundete Reue darüber, dass er kürzlich einen 400-Dollar-Haarschnitt aus Wahlkampfspenden bezahlt hat. Auf die Frage nach seinem moralischen Vorbild grübelte er kurz und sagte dann salomonisch: unser Herr. Auch der größte Außenseiter des Abends, Mike Gravel, gewährte einen Einblick in seine Seele: Ich komme mir vor wie eine Topfpflanze, beschwerte sich der frühere Senator aus Alaska, nachdem er länger nicht zu Wort kam.
Schwächen bei Obama
Im Zweikampf zwischen Clinton und Obama sahen Experten die Senatorin in Führung. Clinton zeigte sich kompetent und sicher, resümmiert der Politologe Costas Panagopoulos von der Fordham University. Die große Überraschung war Obama, der nicht sehr klar war und sich oft wiederholte.
Der Kommunikationswissenschaftler Charlton McIlwain von der New York University vermutet, der sonst so charismatische Redner Obama habe seine Fähigkeiten in der zeitlich eng begrenzten TV-Debatte nicht zur Geltung bringen können. Clinton erschien sympathischer, sie hat mehr gelächelt. In parteiinternen Umfragen vor der Debatte lag Hillary vor Obama und Edwards an der Spitze.
Iran entfacht hitziges Wortgefecht
Keine Chance auf die Nominierung hat wohl weithin unbekannte Kandidat Gravel. Er entfachte mit dem Mut des Einzelkämpfers, der nichts mehr zu verlieren hat, das einzige hitzige Wortgefecht. Barack Obama hatte eine Krieg gegen Iran als großen Fehler bezeichnet, im Streit um die Nuklearambitionen des Landes aber keine Option ausschließen wollen.
Kriegsgegner Gravel warf dem Senator vor, notfalls Kernwaffen einsetzen zu lassen. Wen zur Hölle willst Du atomar angreifen?, rief Gravel erregt. Sag uns das, Barack! Obama beschwichtigte: Im Moment will ich niemanden atomar angreifen, ich verspreche es. Gravel seufzte über seine Mitbewerber: Manche von diesen Leuten hier machen mir einfach Angst. Hillary Clinton verfolgte die Szene mit Schweigen.
Text: AFP
Bildmaterial: reuters