
trefflich abarbeiten, was man so an eigenen Defiziten hat.
Das gilt für Journalisten ebenso wie für Funktionäre bei Gewerkschaften und Parteien.
Auch private Kommentare sprechen vor allem Beredtes über Verfasser und dessen meist fremdgeprägte Weltsicht. So wird denn nur allzuoft munter nachgeplappert, was zuvor verbreitet worden ist.
Da gerade Medienmitarbeiter - natürlich - auch nur Menschen sind, die gerne transportieren, was irgendwann einmal meinungsgängig gemacht worden ist, endet das ganze in einer ewigen Wiederholung von Stereotypen.
Anspruch auf Wahrheit und Gerechtigkeit gegenüber der Person Hanns Martin Schleyer ist daher kaum zu finden. Wenn es denn einmal besonders perfide geworden ist, wird im Nebensatz gut versteckt auch einmal darauf verwiesen, daß dieser Mensch auch positive Seiten gehabt haben mag.
Traurig, daß sich bis heute nichts geändert zu haben scheint.

Schleyer zu ermorden war wohl der reinste "Wahnsinn" der RAF ... ihn anzuprangern samt all die finanziellen Nazi Mitlaeufer Raueber war schon richtig, auch eine Art "Volksgericht" der Jungen ueber diese Elternschaft... aber Mord, damit sinkt man auf die Ebene der Moerder, der Schreibtisch Moerder. Ich habe sehr eingepraegte Erinnerungen an den Herbst 77 als ich als kleiner Amerikanischer Verleger in Luxemburg landete und nach Frankfurt fuhr: man zog dann schnellstens den Anzug an um nicht alle paar Kilometer von dem blutjungen apfelbaeckigem "Grenzschutz" ueberfallen zu werden. Als Terrorist sollte man eigentlich nur Mercedes fahren!

Wenn man einen Blick auf den immer weiter auseinander gehende sozialen Riss in unserer Gesellschaft wirft, sind Teile der RAF Kritik von damals sicherlich auch heute noch aktuell. Eine ausreichende Entnazifierung des Kapitals hat nie stattgefunden und die oft sind es die Kinder/Enkel der ehemaligen NS Bosse die heute wie damals in wichtigen Entscheidungspositionen sitzen. Sehr zu Lasten der Glaubwürdigkeit unseres "demokratischen Systems". Schleyer war nur die Spitze des Eisbergs. Hätte Schmidt sich erpressen lassen... Kaum auszudenken was aus der jungen Bundesrepublik geworden wäre.
Ob die mangelhafte Entnazifizierung der BRD und ihre Folgen hingegen nicht eines Tages noch einmal zu einem Wiederaufleben ähnlicher extremer Tendenzen führen wird, erscheint nicht ganz unwahrscheinlich. Wenn man nicht aus der Geschichte lernt, wiederholt sie sich....

All die Jahre habe ich mich gefragt, warum Hanns Martin Schleyer wohl entführt worden ist. Vielen Dank für diesen Artikel - er macht vieles verständlicher.
In "Die Zeit" war zu lesen, dass F.-J. Strauß damals unverblümt auf die Regierungsgeiseln (RAF-Mitglieder) hinwies und verblümt zum Ausdruck brachte, dass diese ebenfalls unter Ultimatum exekutiert werden könnten.
Der Suizid der Stammheim-Häftlinge war mehr als praktisch für die damalige Bundesregierung. Es gab schlichtweg keinen weiteren Vorwand mehr für Erpressungsversuche.
Es fällt auch schwer zu glauben, dass ein eigens für diese Häftlinge errichtetes Gefängnis, einen geheimen, kollektiven Selbstmord zulässt.
"Helden" sterben nicht durch Selbstmord. Das wusste schon Georg Orwell.

Man darf nicht für Gut heißen, was mit H.M. Schleyer passierte, jedoch war er ein Hardliner lange vor seiner Karierre. Schon in seiner Studentenzeit, vor WW I, verließ er seine Studentenverbindung, weil diese ihm als zu liberal wirkte, da die Frage diskutiert worden ist, ob man Juden aufnehmen dürfe oder nicht.
Seine damalige Verbindung hat die Kurve bekommen, wie die meisten Verbindungen, sich dem NS-Gebaren zu entziehen, Schleyer nicht. Er ritt auf der Welle.

Staatliche Gnade darf niemals von Reue abhängig sein.
Wer Reue von Straftätern fordert ist im Grunde nicht viel besser als diese selbst. Zwar bewegen wir uns in Deutschland immer mehr in Richtung eines Gesinnungsstaates, trotzdem bin strikt gegen solche Vorgaben. Wir haben in Deutschland (noch) das Recht auf eine freie Meinung, dieses gilt auch für Verbrecher. Es ist vollkommen egal, wie abwegig die Meinung eines Menschen ist, allein die Handlungen entscheiden. Wenn sich diese gegen die Gesellschaft richten, hat die Gesellschaft die Aufgabe das zu unterbinden.
Alles andere (Reue, Vergeltung, etc.) ist primitive Hordenverhalten, welches einer modernen Zivilisation unwürdig ist.

Hanns-Martin Schleyer war Mitglied der Waffen-SS und im Präsidialbüro von Mähren und Böhmen an der damals sog. Arisierung der deutschen Wirtschaft beteiligt. Schleyer war einer dieser Juristen, durch den der NS-Terror so perfekt funktionierte. Vielleicht sollte man Hanns-Martin Schleyer sogar einen "SS-(Schreibtisch-)Terroristen" nennen dürfen... der wie viele andere fleißig entnazifiziert wurde.